nach oben
Der amtierende Chef Richard Oetker (links) mit seinem möglichen Nachfolger Albert Christmann. GENTSCH
Der amtierende Chef Richard Oetker (links) mit seinem möglichen Nachfolger Albert Christmann. GENTSCH
Das Modell eines Puddings steht in der Zentrale des Lebensmittelherstellers in Bielefeld. GENTSCH
Das Modell eines Puddings steht in der Zentrale des Lebensmittelherstellers in Bielefeld. GENTSCH
Ist es wirklich fünf vor zwölf, was die Nachfolgeregelung angeht?
Ist es wirklich fünf vor zwölf, was die Nachfolgeregelung angeht?
27.09.2016

Zoff im Pudding-Reich: Neuer Chef für Dr. Oetker gesucht

Bis es klappte mit dem Backpulver, hatte Firmengründer August Oetker jahrelang im Keller experimentiert. Er tüftelte an der richtigen Mischung. Am Ende stand ein Tütchen für zehn Pfennig, genau die richtige Menge für ein Pfund Mehl. Vor 125 Jahren war das der Durchbruch. Bei der Suche nach dem Top-Manager an der Spitze des Bielefelder Familienunternehmens stockt es dagegen schon länger.

Offiziell gibt es keine Entscheidung, lässt Dr. Oetker mitteilen.

Der Firmengründer verdiente mit Backpulver prächtig und legte so den Grundstein für das heutige Pudding-, Back- und Pizza-Imperium aus Bielefeld. Kein Markenanbieter in Deutschland ist so bekannt. Längst aber zählen auch Bier, Sekt, Container-Schiffe, ein Bankhaus sowie Hotels mit 31 000 Mitarbeitern und 12,2 Milliarden Euro Umsatz (2015) dazu. Wie bei der Suche nach der richtigen Backmischung tüfteln die Oetker-Erben seit Jahren an der Nachfolge-Frage.

Rudolf-August Oetker, der Enkel des Firmengründers, hinterließ bei seinem Tod 2007 acht Erben aus drei Ehen. Seine Kinder erblickten von 1940 bis 1979 das Licht der Welt. Zwischen den Halbgeschwistern liegen zum Teil fast 40 Jahre Lebenserfahrung.

Ende 2016 muss Richard Oetker (4. Kind aus der 2. Ehe) die Konzernleitung laut Statut mit 65 Jahren aufgeben. Bereits 2010, als er das Ruder an der Spitze übernahm, waren sich die Familienstämme nicht einig. Er, in der Öffentlichkeit seit 1976 bekannt als das Entführungsopfer von Dieter Zlof, galt vor sechs Jahren als Puffer zwischen den Generationen und verhinderte Alfred Oetker (das erste Kind aus 3. Ehe) an der Spitze. Bei August Oetker (1. Kind aus 2. Ehe), dem Vorsitzenden des Beirates, sowie bei Richard Oetker genießt Christmann hohes Ansehen. „Beworben habe ich mich nicht“, sagte Christmann im Juni zur Nachfolgefrage. Bewerben müsste er sich aber wohl kaum. Er würde wohl gefragt. Ein Dementi war das somit nicht.

Der Streit der Halbgeschwister dreht sich um die Unternehmensstrategie und Eitelkeiten. Die Älteren trauen Alfred und Carl Ferdinand (2. Kind aus 2. Ehe) den Topjob offenbar nicht zu.Wer das Rennen machen soll, dazu äußert sich niemand offiziell. Ein mit viel Macht ausgestatteter Beirat muss Vorschläge liefern. „Dieser Beirat aber kann nicht gegen den Willen der Stämme entscheiden“, sagt ein Unternehmens-Kenner. Richard Oetker, bislang Chef des Konzerns wie auch der Lebensmittelsparte, zieht sich zwar von der Spitze zurück. Für die Nahrungsmittelsparte aber bleibt er auch nach Erreichen der Altersgrenze überraschend weiter zuständig. Mit ihm bilden bislang Finanzchef Albert Christmann und der Chef der Rederei-Tochter Hamburg Süd, Otmar Gast, ein Trio an der Spitze des Konzerns. Mit der Entscheidung des Beirates im September wird aus dem Trio jetzt ab 2017 ein Duo.

Spekulationen, dass Christmann als familienfremder Manager für Richard Oetker an die Spitze rückt, gibt es schon seit Jahren. Als schwere Bürde gilt jedoch eine Millionen-Kartellstrafe aus seiner Zeit bei der Radeberger-Gruppe. Christmann soll an Preisabsprachen auf dem deutschen Biermarkt beteiligt gewesen sein. Der Manager bestreit ein Mitwissen. Am Oberlandesgericht Düsseldorf ist eine Klage gegen die Strafe anhängig.