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© dpa
17.12.2010

160 Autoaufbrüche mit 200.000 Euro Schaden aufgeklärt

KARLSRUHE. Nach der Festnahme zweier Autoaufbrecher in der Nacht zum 16. Oktober 2010 in Neureut-Kirchfeld haben Staatsanwaltschaft und Polizei die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen und einen wahren Berg von Diebesgut untersucht. Während es nach der Festnahme fast keine Beschwerden mehr über Autoknacker im Raum Karlsruhe gab, fing für die Ermittler erst die Arbeit an. In deren Verlauf gelang es den Beamten, den in Untersuchungshaft befindlichen dringend tatverdächtigen Männern insgesamt 160 Autoaufbrüche mit einem Gesamtsach- und Diebstahlsschaden von rund 200.000 Euro nachzuweisen.

Bei der akribisch geführten Ermittlungen entdeckte die Polizei in einer Wohnung in Stutensee-Büchig ein Diebeslager mit einer Vielzahl entwendeter ehemals fest installierter und mobiler Navigationsgeräte sowie unzählige weitere gestohlene Gegenstände. Die Serie von Autoaufbrüchen im Stadtgebiet Karlsruhe und den nördlich angrenzenden Gemeinden beschäftigte die Polizei seit Mitte 2010. Die Ermittler registrierten in zeitlichem Zusammenhang mit der Serie rund 500 Aufbrüche, bei denen es die Diebe auf Navigationsgeräte, Laptops, Handys, Bargeld und andere Wertgegenstände abgesehen hatten. Bei einem Aufbruch fiel den Tätern im Auto vermeintlich sicher verstecktes Bargeld in Höhe von 10.000 Euro in die Hände.

Im Rahmen eines über Wochen hinweg verdeckt geführten Fahndungskonzeptes mit einer Vielzahl von Einsatzkräften gelang es der Polizei nach dem Hinweis eines aufmerksamen Zeugen, die Aufbrecher Mitte Oktober dingfest zu machen. In der Folge legten die Ermittler das Hauptaugenmerk auf die Feststellung eines möglichen "Stützpunktes" der Täter in der Region. So fand die Polizei bereits einige Tage nach der Festnahme der beiden 29 und 42 Jahre alten polnischen Staatsangehörigen im Keller eines Mehrfamilienhauses in Stutensee-Büchig eine kleine Wohnung, die den Tätern offenbar vornehmlich als Diebeslager diente.

Bei der folgenden Durchsuchung der Räume fanden die Ermittler mehrere mit Navigationsgeräten und Radios prall gefüllte Koffer, umfangreiches Aufbruchwerkzeug, speziell präparierte Schraubendreher und -schlüssel, aber auch sonstige bei den Aufbrüchen erbeutete Gegenstände wie Kleider, Jacken, Rucksäcke, CDs, Spezialwerkzeuge, Teile von hochwertigen Fahrrädern und andere Wertgegenstände. Zum Abtransport des Diebesgutes mussten die Beamten mehrfach die Kellerwohnung mit einem VW-Bus anfahren.

Zudem konnten die Ermittler nachvollziehen, dass die beiden Diebe regelmäßig in ihre Heimat zurückgefahren waren, wahrscheinlich um die hochwertigen fest installierten Navigationsgeräte ins Ausland zu schaffen. Hierzu hatten sie die Geräte auf polnische Sprache umgestellt, sorgfältig in Frischhaltefolie verpackt und einzeln beschriftet. Zuletzt waren sie nach den Feststellungen der Ermittlungsbehörden nur wenige Tage vor ihrer Festnahme nach Polen ausgereist, offenbar um wieder Diebesgut abzusetzen.

In der Folge konnten die in der Wohnung aufgefundenen Gegenstände mehreren Aufbruchserien in der Waldstadt, Nordstadt, Oststadt, Neureut, Kirchfeld und in Rintheim sowie in Eggenstein-Leopoldshafen und Blankenloch mit insgesamt 160 Taten zugeordnet werden. Dort hatten die Täter auf ihren Beutezügen in einer Nacht bis zu 20 Autos aufgebrochen.

Ein Nachweis, dass die Festgenommenen auch für weitere vor September 2010 verübte Aufbrüche als Täter in Frage kommen, konnte wegen des fehlenden, offenbar bereits ins Ausland geschafften Diebesgutes nicht erbracht werden, ist aber nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden wahrscheinlich. Nach der Festnahme verzeichnete die Polizei im Stadtgebiet Karlsruhe und der näheren Umgebung über Wochen hinweg fast keine Autoaufbrüche mehr. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wird in Kürze Anklage gegen die beiden Männer erheben. Das sichergestellte Diebesgut wurde in großen Teilen bereits wieder den Geschädigten ausgehändigt.