Laut wäre möglich, leise ist gewollt. Schlagersängerin Andrea Berg feiert ihren 60. Geburtstag am Mittwoch (28. Januar) im kleinen Kreis in den Bergen, ganz ohne Glitzer und Blitzlicht. Ein schöner Abend soll es werden, irgendwo in den Bergen – «was essen, etwas trinken, gute Musik hören, ganz weit weg und eingeschneit», erzählt die Jubilarin.
Während die erfolgreichste deutsche Schlagersängerin privat auf Ruhe setzt, plant sie beruflich weiter: neue Songs, eine Arenatour 2027 – und kein bisschen Ruhestand.
Von der Arzthelferin zur Schlagerkönigin
Das Jubiläum sei für sie mit einem «Gefühl von Bewusstsein, Dankbarkeit und Freude darüber, was alles Schönes passiert ist», verbunden. Seit mehr als 30 Jahren steht Berg auf der Bühne, hat Millionen Alben verkauft, zahllose Preise gewonnen und Hallen gefüllt.
Doch die Frau, die einst als ausgebildete Arzthelferin arbeitete und heute als Schlagerkönigin gilt, hat ihre Bodenhaftung aus eigener Sicht nie verloren. «Ich bin stolz darauf, dass ich keine Kunstfigur bin, sondern ein echter Mensch mit Ecken, Kanten und Zweifeln.»
Bergs Karriere liest sich wie ein modernes Märchen: von der späteren Krankenschwester aus Krefeld zur Schlagersängerin («Du hast mich tausendmal belogen») mit mehr Nummer-eins-Alben als jede andere Künstlerin in Deutschland. Ihr «Best of»-Album hielt sich sieben Jahre in den Charts – länger als Werke von Madonna oder Michael Jackson.
Den Erfolg verdankt sie nach eigener Einschätzung nicht nur eingängigen Melodien, sondern Authentizität. «Ich bin heute immer noch ein Mensch der Pflege», sagt sie. «Mit meiner Musik pflege ich die Seelen der Menschen, die darin Halt und Trost finden.»
Pailletten auf der Bühne, Flanellhemd im Alltag
Auf der Bühne glitzert Berg in Pailletten, im Alltag trägt sie lieber Flanellhemd. In Aspach nördlich von Stuttgart, wo sie mit ihrem Mann Uli Ferber ein Hotel und eine Arena betreibt, kennt man sie als «die Andrea von nebenan». Dort veranstaltet sie auch ihr Heimspiel-Open-Air (17./18. Juli 2026).
«Auf der Bühne bin ich eine Rampensau», sagt Berg, die «Stief-Schwiegermutter» der Schlager- und Popsängerin Vanessa Mai. «Da kann ich mit jedem umgehen, das ist mein sicherster Ort auf der Welt.»
Ruhestand? «Ich habe Lust auf alles, was kommt»
Ihre Musik bleibt Schlager – ohne modischen Anstrich. «Ich möchte Schlager machen. Und das ist mir genug», sagt Berg. Seit mehr als drei Jahrzehnten singt sie über Liebe, Sehnsucht, Verlust und Hoffnung. Sie verkaufte mehr als 16 Millionen Tonträger und erhielt zahlreiche Echos. Ihre Musik wirke therapeutisch, meint Berg im Gespräch: «Auf meinen Konzerten soll sich die Seele ausruhen, Freude haben, aber mit Dankbarkeit und Ehrfurcht.»
Demut, Bewusstsein für Vergänglichkeit und das Gefühl für den Moment prägen ihr Denken, wie sie sagt. Ihr Vater, ein Feuerwehrmann, habe sie früh beeinflusst: «Er hat immer gesagt, dass das Leben am seidenen Faden hängt. Ich habe schon als Jugendliche verstanden, worum es wirklich geht.» Seit sie ihre Erwartungen nicht mehr so hochschraube, sei alles auch noch intensiver geworden. «Wir feiern gerade das Leben – da kriege ich vor Glück Gänsehaut.»
Und Ruhestand? Kein Thema. «Ich arbeite an neuen Songs und einer neuen Tour», sagt sie. «Zur Arenatour im Herbst 2027 möchte ich ein schönes neues Album haben. Ich habe Lust auf alles, was kommt.»
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