Für Igel wird es zunehmend schwer in freier Natur Futter und einen Unterschlupf für den Winter zu finden: Viele der Auffangstationen im Land geraten deshalb an ihre Belastungsgrenze. «Die Stationen sind voll mit unterernährten Igeln, Jungtieren und teilweise noch sehr kleinen Igelsäuglingen», berichtet etwa Sandra Gleich, Leiterin einer Igelstation in Kusterdingen (Landkreis Tübingen).
Die Lage in ihrer Station sei mittlerweile dramatisch. Bereits zum zweiten Mal musste sie in diesem Jahr einen Aufnahmestopp verhängen, denn die Kapazitäten für so viele hilfsbedürftige Tiere seien einfach zu gering. Auch der Verein der Igelfreunde in Stuttgart und Umgebung sowie eine Auffangstation im Landkreis Öhringen meldeten übervolle Stationen. Die Stationen werden meist von Ehrenamtlichen betrieben.

Viele Probleme menschengemacht
Um sich auf den bevorstehenden Winterschlaf vorzubereiten, müssen Igel im Herbst ausreichend Fettreserven aufbauen, von denen sie in den Wintermonaten zehren. Auf ihr notwendiges Gewicht kommen viele Tiere aber häufig nicht mehr, denn Nahrung und geeignete Verstecke werden knapper.
«Grundsätzlich sind Igel an die winterlichen Temperaturen angepasst», erklärt Alexandra Ickes vom Naturschutzbund Baden-Württemberg. Die zunehmende Zerstörung ihrer Lebensräume sowie die Auswirkungen des Klimawandels machen es den Tieren jedoch immer schwerer, eigenständig über die Runden zu kommen, sagt sie. Der Igel ist mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste für gefährdete Säugetiere gemeldet.

Igel werden zum Teil durch Mähroboter verletzt
Zeitgleich zur Futtersuche der Igel, beginnen viele Menschen im Herbst damit, ihren Garten auf Vordermann zu bringen. «Wiesen werden gemäht, Hecken geschnitten und Laub sowie Reisighaufen entfernt», erklärt Ickes. Unbewusst entfernen Gartenbesitzer damit aber auch die Hauptnahrungs- und Versteckmöglichkeiten von Igeln, die sich vorrangig von Laufkäfern, Regenwürmern, Spinnen und anderen Insekten ernähren.
Durch Mähroboter werden die Tiere zudem oft lebensgefährlich verletzt. «Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und verlassen sich bei Gefahr auf ihren natürlichen Schutzmechanismus: Sie rollen sich ein und vertrauen auf ihr Stachelkleid, anstatt wegzulaufen», erklärt die NABU-Artenschutzreferentin. Fast die Hälfte der Igel, die von Mährobotern erfasst werden, überleben ihre Verletzungen nicht, sagt Ickes.
Nicht alle Igel, die im Herbst noch draußen unterwegs sind, brauchen zwar automatisch Hilfe, erklärt sie. Dennoch sollte man Igel in dieser Zeit aufmerksam beobachten. Seien etwa Verletzungen oder Krankheitsanzeichen erkennbar, sollte eine Wildtierauffangstation oder Igelpflegestelle gerufen werden.
© dpa-infocom, dpa:261102-930-929209/2

