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Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, um neun Schwerverletzte in Krankenhäuserzu bringen. Für 14 Menschen kam jede Hilfe zu spät. © dpa
Im dichten Rauch konnten sich 14 Menschen nicht mehr aus der brennenden Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt retten. Die Feuerwehr musste sie tot aus dem Gebäude bergen. © dpa
Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt hat es 14 Tote gegeben. © dpa
26.11.2012

Behindertenwerkstatt wird zur Todesfalle

Bei einem verheerenden Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt im Schwarzwald sind mindestens 14 Menschen getötet worden. Sieben weitere Menschen seien in den Flammen schwer verletzt worden, teilte die Polizei am Montag mit. Unter den Todesopfern sind Behinderte und Betreuer. Die Todesursache sei vermutlich Rauchvergiftung, so die Polizei. Es seien aber noch nicht alle Toten identifiziert.

Bildergalerie: 14 Tote bei Brand in Behindertenwerkstatt - 2

Das Gebäude sei durchsucht und niemand werde mehr vermisst. Die sieben Schwerverletzten seien außer Lebensgefahr, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Alfred Oschwald. In einer dramatischen Rettungsaktion hatten Feuerwehrleute mit schwerem Atemgerät zahlreiche Menschen aus dem brennenden und völlig verrauchten Gebäude geborgen. In der Caritas-Werkstatt rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau arbeiten etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Nach den Worten von Kreisbrandmeister Alexander Widmaier hätten die meisten Menschen das Haus von alleine verlassen können, aber 14 Menschen seien in dem dichten Rauch völlig hilflos gewesen. Sie mussten von der Feuerwehr tot geborgen werden.

Bildergalerie: 14 Tote bei Brand in Behindertenwerkstatt - 1

Ausgelöst wurde das Feuer in Titisee-Neustadt nach ersten Ermittlungen durch eine Explosion in einem Lagerraum. Ob in dem Raum Chemikalien gelagert wurden, sei noch unklar. In den Werkstätten wird Holz verarbeitet. Gut zwei Stunden brauchten die Feuerwehren, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Alarmiert wurde die Feuerwehr um 13.58 Uhr durch eine Brandmeldeanlage in dem Gebäude. Kurz danach riefen zahlreiche Nachbarn über Notruf an und berichteten von dichtem Rauch.

Auch Stunden nach Ausbruch des Feuers drang noch Rauch aus dem Gebäude. Viele Behinderte seien wegen der Flammen in Panik geraten. «Wir haben hier mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren», sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Als die Feuerwehrleute eintrafen, seien ihnen schon viele Menschen völlig aufgelöst entgegengelaufen.

300 Einsatzkräfte waren am Brandort, mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Die Polizei richtete in einer benachbarten Spedition eine «Personensammelstelle» ein. Sie bat Menschen, die bei Ausbruch des Feuers in dem Gebäude waren, sich zu melden.

Todesnachrichten werden in der nahegelegenen Sammelstelle der Feuerwehr übermittelt, während draußen noch Verletzte versorgt werden. Schreie hallen durch den großen Raum. Menschen brechen in Tränen aus. Psychologen kümmern sich um traumatisierte Angehörige und Rettungskräfte, Psychologen und Seelsorger sind da.

«Das, was wir hier gesehen haben, wird uns noch lange beschäftigen», sagt der Kommandant der örtlichen Feuerwehr, Gotthard Benitz. Auch Feuerwehrleute müssen psychologisch betreut werden. Egon Engler von der Caritas kämpft mit den Tränen, als er drei Stunden nach dem Brand vor die Presse tritt. Die Werkstatt bleibt vorerst geschlossen. Sie war 1979 gegründet und erst vor sechs Jahren saniert sowie um einen Neubau erweitert worden. In eben jenem Neubau brach nun das verheerende Feuer aus.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) flogen umgehend mit einem Hubschrauber zum Unglücksort. Kretschmann wollte sich mit Innenminister Reinhold Gall (SPD) über die Lage informieren. dpa

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