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Hätte jetzt auch in Balingen eine Flüchtlingsunterkunft brennen sollen? Das für eine Flüchtlingsunterkunft gedachte und durch einen feigen Brandanschlag zerstörte Haus in Remchingen (Foto) muss wohl abgerissen werden.  © dpa
30.07.2015

Brennbare Flüssigkeit in Flüchtlingsheim in Balingen gefunden - noch keine Fährte

Balingen. Nach dem Fund von brennbarer Flüssigkeit in einer Asylbewerberunterkunft in Balingen (Zollernalbkreis) hat die Polizei Nachbarn nach verdächtigen Vorkommnissen befragt. Dabei ergaben sich am Donnerstag aber noch keine Spuren zu einem möglichen Täter, wie ein Sprecher der Polizei in Tuttlingen sagte. Die Ermittler untersuchen nun, ob das Gebäude in Brand gesteckt werden sollte. Ein Sachverständiger sei vor Ort gewesen und soll den potenziellen Schaden beurteilen.

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Eine Lache von knapp einem Liter der Flüssigkeit hatte ein Mitarbeiter des Kreises am Donnerstagmorgen entdeckt. In dem älteren Wohnhaus leben nach Polizeiangaben 44 Menschen, vor allem Familien mit Kindern aus verschiedenen Ländern. Um was für eine Substanz es sich handelt und wo sie im Gebäude gefunden wurde, wollten die Ermittler zunächst nicht bekanntgeben.

Einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließe die Polizei nicht aus, sagte der Sprecher. «Wir ermitteln aber in alle Richtungen.» Eine eigene Ermittlungseinheit wurde eingerichtet, die nun wegen des Verdachts einer versuchten schweren Brandstiftung im Einsatz ist. In den vergangenen Wochen waren bundesweit Flüchtlingsunterkünfte in Brand gesetzt worden, in Baden-Württemberg vor kurzem ein geplantes Heim in Remchingen. Laut Integrationsministerium war das der erste Anschlag seiner Art im Südwesten.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Balingen erhält nun verstärkten Schutz. Die Asylbewerber konnten nach einer intensiven Durchlüftung wieder in die Unterkunft zurückkehren. Politiker machten sich am Donnerstag ein Bild von der Lage in dem Ort.

Zwei Wochen nach dem Brandanschlag in Remchingen sucht der Ort nach einer neuen Bleibe für Asylsuchende. «Wir haben noch keinen Ersatz gefunden», sagte Bürgermeister Luca Prayon (CDU). In dem ausgebrannten Haus hätten ihm zufolge vom kommenden Jahr an bis zu 20 Menschen wohnen können. Zudem werde für etwa 50 weitere Flüchtlinge eine Unterkunft gesucht.

Die Bereitschaft zu helfen, sei in dem 12.000-Einwohner-Ort groß, betonte der Rathauschef. In Remchingen gibt es nach seinen Angaben aber nur wenige leerstehende Häuser und Wohnungen. «Wir sind schon an der Kante.» Das ausgebrannte Gebäude wird noch für die Ermittlungen der Polizei abgesichert. Doch es ist wohl nicht mehr zu retten: «Ich gehe fest davon aus, dass es abgerissen wird», so Prayon.

 

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