760_0900_113364_urn_newsml_dpa_com_20090101_200324_90_01.jpg
Anästhesistin und Flottillenärztin Sylvi Thierbach richtet ein Intensivbett für einen Coronapatienten ein.  Foto: Kästle 
760_0900_113363_urn_newsml_dpa_com_20090101_200324_90_02.jpg
Ein Transparent vor dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm weist den Patienten den Weg.  Foto: Kästle 
760_0900_113365_urn_newsml_dpa_com_20090101_200324_90_01.jpg
Oberstarzt Professor Matthias Helm erklärt, wie sich das Bundeswehrkrankenhaus Ulm darauf vorbereitet, Coronapatienten aufzunehmen.  Foto: Kästle 

Bundeswehrklinik in Alarmbereitschaft

Ulm. Noch herrscht Ruhe auf der zusätzlichen Intensivstation im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus. Fast einsam sind die Gänge, in den Zimmern liegen keine Patienten, die Beatmungsgeräte stehen unberührt neben den Betten. Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm. Denn wie schnell sich die Situation in den nächsten Tagen und Wochen ändern könnte, das lässt sich in Zeiten der Corona-Pandemie nicht mit Sicherheit vorhersagen. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt der Leiter der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Oberstarzt Matthias Helm. „Wir spielen alle Szenarien durch.“

Zwei Intensivstationen hat das Krankenhaus auch zu normalen Zeiten. Eine dritte ist vorbereitet, die vierte folgt in den nächsten Tagen, so dass derzeit rund 40 Patienten aufgenommen werden können. Insgesamt hat die Klinik der Bundeswehr in Ulm knapp 500 Betten. Und wenn es hart auf hart kommen sollte, könne man das ganze Haus mit Covid-19-Patienten füllen, sagt Helm. Derzeit sei das Krankenhaus auch mit Schutzausrüstungen und anderen Materialien gut versorgt. „Wir haben eine Reserve von zwei bis vier Wochen.“ Wenn allerdings der große Ansturm komme, könne es auch knapp werden. Eine größere Menge an Ausrüstung sei daher schon bestellt und unterwegs.

Die Klinik in Ulm ist eines von fünf Bundeswehrkrankenhäusern in Deutschland. Auch die anderen Kliniken in Koblenz, Berlin, Hamburg und im niedersächsischen Westerstede bereiteten sich intensiv auf die Corona-Krise vor, sagt Oberstleutnant Matthias Frank vom Presse- und Informationszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Allerdings gebe es regionale Unterschiede. So halte Berlin beispielsweise im Verbund mit den anderen Kliniken in der Bundeshauptstadt schwerpunktmäßig die Unfallchirurgie bereit.

Auch in Ulm würden die Vorkehrungen jeweils in Absprache mit anderen regionalen Kliniken, dem eigenen Ostalbkreis und den benachbarten bayrischen Behörden getroffen. „Wir helfen uns gegenseitig aus“, sagt Helm. Die Hilfe läuft dabei auch über die Landesgrenze hinweg: Ähnlich wie auch andere Krankenhäuser in Baden-Württemberg, etwa das Siloah St. Trudpert in Pforzheim, hat das Bundeswehrkrankenhaus vor einigen Tagen einen Covid-19-Patienten aus dem Elsass übernommen, um französische Kliniken zu entlasten. Der Mann sei bislang noch der einzige Covid-19-Patient auf der Intensivstation in Ulm.

Aber wie fühlt sich das an, so eine Ruhe, bevor es vielleicht mächtig losgeht? Momentan seien alle noch relativ entspannt, sagt Helm. Es gehe in den nächsten Wochen darum, stets in der Lage zu bleiben, zu agieren und nicht mehr nur zu reagieren. Die Mitarbeiter seien aber hochmotiviert und hätten beispielsweise durch Auslandseinsätze Erfahrungen in Extremsituationen gesammelt. „Deswegen ist bei uns auch eine gewisse Ruhe und Professionalität vorhanden.“

Eine der Mitarbeiterinnen ist die Medizinerin und Soldatin Sylvi Thierbach, die für die Klinik mehrfach im Ausland und in Krisengebieten unterwegs war. Die Flotillenärztin bereitet derzeit in der noch leeren Intensivstation die Betten und die medizinischen Geräte für mögliche Patienten vor. Ist sie nervös? Das zwar nicht, sagt die 38-Jährige. „Aber man hat Respekt.“ Zwar sei die Klinik gut vorbereitet – aber ob es auch ausreichend sei, werde die Zeit zeigen.