Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg
Hagel hatte seinen Rücktritt angeboten.
Bernd Weißbrod/dpa
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg
Guido Wolf trat vor zehn Jahren als Spitzenkandidat an - und scheiterte.
Bernd Weißbrod/dpa
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg
Thomas Strobl war einige Jahre selbst Landesvorsitzender der CDU.
Bernd Weißbrod/dpa
Baden-Württemberg
CDU bringt sich für Koalitionsgespräche in Stellung

Die CDU will geschlossen und mit weitreichenden inhaltlichen Forderungen in die Koalitionsgespräche mit den Grünen gehen. Am Abend kam der CDU-Landesvorstand mit den Wahlkreiskandidaten zusammen, um den Wahlkampf und das Ergebnis zu analysieren. Viele Teilnehmer bestätigen, dass es nun darum gehe, nach vorn zu schauen. Der Rückhalt für Landeschef Manuel Hagel sei groß. Der Ball liege bei den Grünen, hieß es zudem. 

Wann das erste Gespräch von Grünen-Politiker Cem Özdemir und Hagel aber stattfinden soll, ist weiter unklar. In einigen Teilen der CDU kursiert, dass ein Gespräch bereits an diesem Wochenende stattfinden könne. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber nicht.

Nagelprobe für die CDU

In der CDU werden große inhaltliche Zugeständnisse der Grünen in den Koalitionsverhandlungen erwartet. «Baden-Württemberg hat konservativ gewählt», bilanziert etwa Landtags-Vizepräsident Wolfgang Reinhart das Ergebnis der Landtagswahl. 

«Auf die Inhalte kommt es an - da haben wir zu viel zu verlieren», sagt CDU-Vorstandsmitglied und Landtagsabgeordneter Guido Wolf. «Es kann nicht sein, dass wir uns in einem linken Koalitionsvertrag wiederfinden.» Man werde Özdemir an seinen Aussagen im Wahlkampf messen. Wolf spricht von einer «Nagelprobe» für die CDU - insbesondere mit Blick auf die AfD. In fünf Jahren werde er sich in seinem Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen messen lassen müssen an dem, was er zugesagt habe. In seinem Wahlkreis habe die AfD ein nicht unerhebliches Potenzial, sagte Wolf. 

Debatte über Social-Media-Wahlkampf

Dem Vernehmen nach war die Stimmung bei der Wahlnachlese der Union konstruktiv. Die Parteiführung soll auch mit Blick auf die anstehenden Gespräche laut Teilnehmern betont haben, dass man einen kühlen Kopf bewahren wolle. 

Bei dem CDU-internen Treffen tauschten sich die Kandidaten auch über die Kampagne aus. Mehrere Teilnehmer berichteten, dass der eigene Auftritt in den sozialen Medien im Wahlkampf kritisch betrachtet worden sei. Der große Gegner seien die Algorithmen, sagte ein Teilnehmer. Man habe keinen Zugriff darauf, wie eingespeiste Beiträge ausgespielt würden. Man müsse sich da besser aufstellen. 

Haser: «Da bin ich echt ein Elefant»

Gleichzeitig sind viele in der CDU weiterhin erbost über die Grünen und werfen der Ökopartei eine Schmutzkampagne im Wahlkampf vor. «Da ist schon viel Porzellan zerschlagen worden», sagt etwa die Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer. Vize-Regierungschef Thomas Strobl kritisiert, dass es weiterhin Posts der Grünen in die Richtung gebe. 

Sein Groll lege sich nicht, meint der Landtagsabgeordnete Raimund Haser mit Blick auf die Grünen. «Irgendwann muss man halt zusammenarbeiten», sagte Haser. Er sagte aber auch: «Ich vergesse sowas halt nicht. Da bin ich echt ein Elefant.» 

Pattsituation im Landtag

Bei der Wahl am Sonntag hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate - eine seltene Pattsituation. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption. 

Was die Gespräche erschwert: Vor zwei Wochen hatte eine Grünen-Bundestagsabgeordnete ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren «rehbraunen Augen» schwärmt. Hagel räumte zwar ein, dass das «Mist» gewesen sei, doch das Video ging viral und schadete ihm im Wahlkampf. Die CDU wirft den Grünen eine orchestrierte Kampagne vor - Cem Özdemir sagt hingegen, er habe von dem Post nichts gewusst.

© dpa-infocom, dpa:260313-930-809739/1

VG WORT Zählmarke