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In einer Vitrine in der Jugendstil-Villa „Lindenhof“ in Herrlingen, wo sich eine Rommel-Ausstellung befindet, liegt die Totenmaske des ehemaligen Generalfeldmarschalls Erwin Rommel (rechts) neben einer Uniform des Afrikakorps. Foto: dpa
In einer Vitrine in der Jugendstil-Villa „Lindenhof“ in Herrlingen, wo sich eine Rommel-Ausstellung befindet, liegt die Totenmaske des ehemaligen Generalfeldmarschalls Erwin Rommel (rechts) neben einer Uniform des Afrikakorps. Foto: dpa
Rommels letzter Wohnsitz, das Haus Friedenthal in Herrlingen – heute in Privatbesitz. Foto: dpa
Rommels letzter Wohnsitz, das Haus Friedenthal in Herrlingen – heute in Privatbesitz. Foto: dpa
Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Foto: dpa
Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Foto: dpa
11.05.2018

Der Mythos Erwin Rommel lebt weiter

Blaustein-Herrlingen. Salutieren mit Blick auf Erwin Rommels Totenmaske und seine Tropenuniform. Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Schauplatz Afrika – das Deutsche Afrikakorps kapitulierte am 12. Mai 1943 in Tunesien – zieht es noch Besucher an den Ort, an dem der zum „Wüstenfuchs“ hochstilisierte Erwin Rommel zuletzt wohnte. Und an dem er auf Weisung Adolf Hitlers zum Suizid gezwungen wurde: Herrlingen, heute ein Ortsteil der Kleinstadt Blaustein nahe Ulm.

Der Militärgruß gehöre für manche Besucher halt dazu, berichtet Karlo Hafner (69). Der Hobby-Historiker und Ex-Schuldirektor führt Interessierte durch die Rommel-Ausstellung in der Jugendstil-Villa „Lindenhof“, die einst ein jüdischer Unternehmer errichten ließ und heute der Gemeinde gehört. Seit 1989 beherbergt sie in zwei Räumen eine Rommel-Ausstellung.

Geboten wird ein Devotionalien-Sammelsurium neben hochinteressanten militärgeschichtlichen Dokumenten und Briefen. Es gibt Fläschchen mit Sand aus Wüstengegenden, in denen Rommel kämpfte, und alten Cognac aus US-Militärbeständen – „Ein Geschenk von amerikanischen Verehrern, die wohl nicht wussten, dass Rommel kaum Alkohol trank“, erzählt Hafner. Britische Afrika-Veteranen spendierten das Holzmodell eines Panzers.

Kann das ein Ort für eine seriöse Beschäftigung mit dem Leben und Sterben eines Mannes sein, der als Hitlers Lieblingsgeneral galt, der von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als militärischer Medienstar in Szene gesetzt wurde, und schließlich wegen seines mutmaßlichen Sympathisierens mit dem Widerstand in den Tod getrieben wurde?

Eher weniger, wenn Besucher sich einfach den Schlüssel bei der Gemeindeverwaltung abholen und dann allein zwischen Vitrinen mit NS-Orden und Rommels Marschallstab umherwandeln.

Doch zum lehrreichen Diskurs wird ein Besuch in Herrlingen, wenn er mit einer der sachkundigen Führungen durch Karlo Hafner verbunden wird. Unter anderem erfahren Besucher, die es noch nicht wussten, dass und warum der „Wüstenfuchs“ längst unter Geheimhaltung aus Afrika abgezogen worden war, als die Niederlage unausweichlich war.

Afrikakämpfer kapitulieren

Der Funkspruch erreichte das Oberkommando der Wehrmacht in der Nacht zum 12. Mai 1943 gegen 0.40 Uhr: „Munition verschossen. Waffen und Kriegsgerät zerstört“, meldete der Nachfolger Rommels, General der Panzertruppen Hans Cramer. „Das Deutsche Afrikakorps hat sich befehlsgemäß bis zur Kampfunfähigkeit geschlagen. Das Deutsche Afrikakorps muss wiedererstehen!“ Der Funkspruch endete mit dem Gruß der deutschen Afrikakämpfer des Ersten Weltkriegs „Heia Safari!“.

„18 594 Deutsche, 13 748 Italiener, 35 476 Briten und 16 500 Amerikaner waren seit Beginn der Kämpfe im September 1940 gefallen“, bilanzierte der Münchner Historiker und Dokumentarfilmproduzent Maurice Philip Remy. Hinter vorgehaltener Hand sprachen Deutsche in Anspielung auf das Fiasko in Stalingrad von „Tunisgrad“.

Erst am 9. Mai 1943 hatten sie durch ein Kommuniqué erfahren, dass sich Rommel aus angeblich gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Afrika befinde. Sein Name sei dem NS-Regimes für die weitere Kriegsführung einfach zu wertvoll gewesen, schrieb der Historiker Ralf Georg Reuth.

Bereits in Afrika – so Remy in seinem Buch „Mythos Rommel“ – habe der General ,aufgehört’, an den ,Endsieg’ zu glauben“. Der aus dem schwäbischen Heidenheim stammende Rommel habe den „Führer“ zwar lange verehrt, sich aber Durchhaltebefehlen Hitlers widersetzt, um sinnlose Opfer zu vermeiden – so in der Schlacht um El Alamein.

In Afrika stand Rommel, der später an der Westfront schwer verwundet wurde, im Ruf, fair zu kämpfen und Regeln der Genfer Konvention zum Umgang mit Gefangenen und Verletzten zu respektieren. Dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 habe er nicht zugestimmt, berichten Historiker. Allerdings habe er die Pläne dazu, in die er wohl teils eingeweiht war, auch nicht verraten. Als das Hitler berichtet wurde, schickte er am 14. Oktober Generäle mit Zyankali zu Rommel.

Die Ausstellung, der Gedenkstein und Rommels Grab werden mittlerweile beinahe mehr von Ausländern als von Deutschen besucht, berichtet Hafner – vor allem Amerikaner, Franzosen, Briten und sogar Chinesen. „Wir versuchen, Rommels Licht- und die Schattenseiten aufzuzeigen.“