Die Blumen und Kränze am Grab von Hanns Martin Schleyer (1915–1977) auf dem Ostfilderfriedhof in Stuttgart sind noch recht frisch. „Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg“, steht auf einer Schleife in den Landesfarben Schwarz-Goldgelb. Mitte Oktober wurde hier an den Tod des damaligen Arbeitgeberpräsidenten vor 40 Jahren erinnert. Hanns Martin Schleyer wurde am 18. Oktober 1977 getötet. Seine Ermordung markiert den Endpunkt des „Deutschen Herbstes“
Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wird am 5. September 1977 in Köln entführt. Die RAF-Terroristen fordern die Freilassung von Gesinnungsgenossen, darunter die in Stuttgart inhaftieren Köpfe Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Der Staat beugt sich nicht, 44 Tage später wird Schleyers Leiche im Kofferraum eines Autos gefunden.
Der 18. Oktober 1977 steht als Todesdatum auch auf dem Grabstein der RAF-Anführer Baader, Ensslin und Raspe auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart, keine sieben Kilometer von Schleyers Grab entfernt. Im Schatten hoher Büsche liegt ein flacher Stein, in den die drei Namen gehauen sind. Die Grabstellen rechts und links sind frei. Stuttgarts liberaler Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) ist es, der sich nach dem kollektiven Selbstmord der drei im Gefängnis Stammheim dafür ausspricht, sie gemeinsam hier zu beerdigen. Er befürchtet, dass die Särge hin- und hergeschoben werden, zum Mythos werden: „Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden“ – Deutschland diskutiert kontrovers über seinen Satz.
40 Jahre danach gibt es bei der Stadt strikte Vorgaben. Man dürfe keine Auskunft geben. „Gar keine“, betont ein Sprecher. Auf dem Grabstein liegen an diesem Novembermorgen vier verwelkte Gänseblümchen. Botschaft unklar.
Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto, zwei weitere Opfer des RAF-Terrors, sind in Karlsruhe und im Odenwald unweit von Heidelberg beerdigt. Ein großer runder Stein auf dem Waldfriedhof der südhessischen Gemeinde Sensbachtal erinnert an Ponto. Er sei gerne zur Jagd in den Odenwald gekommen und habe sich diese Grabstelle einst selbst ausgesucht, berichtet Bürgermeister Egon Scheuermann.
Buback liegt auf dem Neureuter Hauptfriedhof auf einem kreisförmigen Ehrenfeld. Angehörige lassen die Grabstelle des einstigen Generalbundesanwalts pflegen. Bis heute ist nicht klar, wer die Terroristen auf dem Motorrad waren, die ihn erschossen haben.

