Unisex-Toiletten an Ulmer Schule
Jungen und Mädchen gehen in eine Unisextoilette an der Sägefeldschule im Ortsteil Wiblingen. Bei der Sanierung der Toilettenanlage an der Werkrealschule wurde die Geschlechtertrennung aufgehoben.
Stefan Puchner/dpa
Baden-Württemberg
Eine für alle - Werden Unisex-Toiletten an Schulen zum Trend?
  • Sebastian Schlenker, dpa

Ulm. An der Sägefeldschule in Ulm gibt es sie schon: Eine Toilette für alle. Wurde früher noch zwischen WCs für Jungen und Mädchen unterschieden, gibt es an der Grund- und Werkrealschule heute nur noch eine gemeinsame Toilette für alle älteren Schülerinnen und Schüler, wie Schulleiterin Cornelia Euchner erklärt. Und das funktioniere außerordentlich gut. Was an der Ulmer Schule seit diesem Frühjahr zum Alltag gehört, ist an den meisten Schulen im Land dagegen noch kein Thema.

Anlass für die sogenannte Unisex-Toilette in Ulm war der «desolate Zustand» des bisherigen Schulklos, wie Euchner sagt. Das Klo wurde ständig beschädigt und war auf dem Schulhof gelegen, auch für Fremde zugänglich. Für einen Neubau kam schnell der Vorschlag für eine «Toilette für alle» auf. Auch wenn es zunächst Bedenken bei Lehrern wie Schülern gegeben habe, hätten sich alle schnell daran gewöhnt, sagt Euchner. Die neue Toilette verfügt nur noch über Kabinen, die Pissoirs sind passé. Die Waschbecken sind durch bodentiefe Fenster gut einsehbar. Außerhalb der Pausen kommen die Schüler nur mit einem digitalen Chip herein.

Unisex-Toiletten an Schulen – eine gute Idee?
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Sie habe sich eine Toilette für alle irgendwie anders vorgestellt, sagt Mona aus der Klasse 7a. Inzwischen habe sie sich daran gewöhnt, dass Jungs mit im Raum seien. Ibrahim aus der 9a gefällt vor allem, dass das WC schön neu sei. Schulleiterin Euchner sieht in der neuen Toilette auch eine Wertschätzung der Schüler. Da nun alle denselben Toiletten-Raum nutzten, gerate eine Trennung nach Geschlechtern zudem in den Hintergrund und eine mögliche Diskriminierung komme so gar nicht erst auf. Für die Grundschüler, ein Drittel der rund 300 Schüler, gibt es noch eine weitere Toilette - getrennt nach Jungs und Mädchen.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg, Michael Mittelstaedt, hält sogenannte Unisex-Toiletten an Schulen durchaus für einen «pragmatischen Ansatz». Bei einem anstehenden Neubau seien sie eine sinnvolle und wirtschaftliche Lösung.

Unisex-Toiletten an Ulmer Schule
Schulleiterin Cornelia Euchner steht in einer Unisextoilette an der Sägefeldschule im Ortsteil Wiblingen.
Stefan Puchner/dpa

Weit verbreitet sind die geschlechtsneutralen Toiletten an Schulen bislang aber nicht. Am Goethe-Gymnasium in Freiburg gebe es seit Jahresanfang eine Unisex-Toilette, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. In Tübingen liegt der Stadt ein Antrag vor, sie an allen weiterführenden Schulen einzurichten. In Karlsruhe sind der Stadt keine bekannt, in Stuttgart sieht die Verwaltung gar die Bauempfehlungen als Hindernis.

Auch jenseits der Grenze in Bayern sieht Henrike Paede vom Landesvorsitz des Bayerischen Elternverbands kein Interesse an dem Thema bei der breiten Mehrheit. Und sie vermute auch nur eine geringe Verbreitung. Doch etwa in Nordrhein-Westfalen werden auch Forderungen lauter, dies zu ändern. Aktuell gebe es noch eher wenige Unisex-Toiletten in NRW, sagt Laura Körner, Vorstand LandesschülerInnenvertretung auf Anfrage. Aber der Wunsch von Seiten der Schüler und Schülerinnen nehme «immer weiter zu». Kein Thema sind die geschlechtsneutralen Klos bislang etwa in Sachsen, wie das Landesamt für Schule und Bildung mitteilt.

Die Ulmer Schulleiterin Euchner ist überzeugt, dass die Gesellschaft sich in Richtung der Toilette für alle bewege. Und bei ihnen sei sie nun eben schon da.