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Aedes albopictus, die asiatische Tigermücke, macht sich breit. Foto: dpa
Aedes albopictus, die asiatische Tigermücke, macht sich breit. Foto: dpa
12.09.2017

Gefährliche Tigermücke mit Zika-, Chikungunya- und Dengue-Viren im Anflug

Die Asiatische Tigermücke findet in Deutschland immer neue Lebensräume. Die Mückenart sei nun auch in Karlsruhe nachgewiesen worden, sagte Norbert Becker von der kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) in Speyer. Mehrere Exemplare wurden demnach in einem Industriegebiet in der Nähe des Bahnhofs entdeckt. Das Gelände soll nun umfassend abgesucht werden.

Die ursprünglich in den süd- und südostasiatischen Tropen und Subtropen beheimateten Stechmücken können gefährliche Erreger wie Zika-, Chikungunya- und Dengue-Viren übertragen. Erste Exemplare von Aedes albopictus waren in Deutschland vor zehn Jahren aufgetaucht – Ende September 2007 an einem Rastplatz der Autobahn A5 bei Weil am Rhein. In Freiburg und Heidelberg überwintern die Mücken bereits. Die erste größere brütende Population wurde im September 2015 im Heidelberger Stadtteil Wieblingen nachgewiesen. Ein Jahr zuvor war eine kleinere Population in Freiburg entdeckt worden.

Aus dem Jahr 1979 stammt nach Angaben der European Mosquito Control Association (EMCA) der erste europäische Nachweis in Albanien. 1990 wurden Tiere in einer Ladung gebrauchter Reifen aus den USA in den italienischen Hafen Genua eingeschleppt. Experten rechnen damit, dass die Art im Zuge des Klimawandels in Europa immer günstigere Umweltbedingungen vorfindet und sich ihre Ausbreitung daher kaum mehr stoppen lässt.

Insgesamt war die auslaufende Saison für die Stechmückenbekämpfer am Oberrhein eine der drei schwächsten in den vergangenen 15 Jahren. „Es war kein ausgesprochenes Mückenjahr“, sagte Becker, dessen Organisation die Plagegeister zwischen Bingen und dem Rheingau im Norden und dem Kaiserstuhl im Süden bekämpft.

Zum Tigermückenfund von Karlsruhe berichtete der Biologe: „Wenn man auf dem Gelände ist, wird man von Tigermücken angeflogen.“ Er selbst habe am Sonntag drei Exemplare und zahlreiche Larven entdeckt, dazu Hunderte Asiatische Buschmücken, die aber auch weiter verbreitet seien als Tigermücken. Sie können Krankheiten wie das West-Nil-Virus übertragen.

In der Nähe des Fundortes – jenseits der Autobahn - gebe es auch eine Gartenanlage, die sei bislang aber nur sporadisch auf Tigermücken untersucht worden, sagte Becker. „Wir hoffen, dass sie nur im Industriegebiet vorkommen.“ Das Insekt sei ein schlechter Flieger, der nur wenige Hundert Meter wandere. Nun wolle man herausfinden, wie lange es bereits in Karlsruhe ansässig sei. Heute sollen deshalb Kabs-Mitarbeiter von Betrieb zu Betrieb gehen und die Brutstätten untersuchen.