Baden-Württemberg
Gmünder gründen ersten Schwimmverein für Flüchtlinge - Umbenennung
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Schwäbisch Gmünd (dpa/lsw) - Schwäbisch Gmünd ist für seine Flüchtlingsarbeit bekannt - nun ist dort der erste Schwimmverein für Flüchtlinge gegründet worden. Allerdings musste der Verein schon nach wenigen Tagen umbenannt werden. Der «Erste farbige Schwimmverein» heißt ab sofort «Erster Flüchtlings-Schwimmverein», wie das Gründungsmitglied Ludwig Majohr am Montag mitteilte.

Der Begriff «Farbiger» entstamme dem Vokabular der Nazizeit und werde von Neonazis heute noch weiter hetzend verwendet. «Wir wollen keinesfalls einem braunen Mob, wo er auch immer wütet, Vorschub leisten, sondern genau dagegen nämlich der Völkerverständigung und der Integration von Flüchtlingen dienen», betonte der ehemalige Berufsschullehrer. Die Stadt im Ostalbkreis bemüht sich sehr um die Integration Asylsuchender. Doch es ist nicht das erste Mal, dass das nicht ganz reibungslos über die Bühne geht.

In dem neuen Schwimmverein, auch laut Auskunft des Deutschen Schwimmverbands in Kassel der erste seiner Art, mischen bislang 20 Flüchtlinge unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Äthiopien oder Nigeria mit und 8 ehrenamtliche deutsche Rentner. In Gmünd gibt es bereits einen Schwimmverein. Dieser hatte nach Majohrs Angaben jedoch «1000 Gründe» vorgebracht, weswegen die Flüchtlinge nicht in den Verein integriert werden könnten.

Der Vorsitzende des alteingesessenen Schwimmvereins Schwäbisch Gmünd, Roland Wendel, reagierte mit Unverständnis auf die Kritik von Majohr. Sein Verein stehe allen Bürgern offen, natürlich auch Flüchtlingen, sagte Wendel. Flüchtlinge seien regelmäßig zum Schwimmen auf das Vereinsgelände gekommen, und sie seien gut integriert gewesen.

Die Gemeinnützigkeit des neuen Vereins wurde schon bestätigt, nun fehlt laut Majohr nur noch der Eintrag ins Vereinsregister. «Erst dann haben wir das Recht auf Wasserfläche und können den Flüchtlingen lehren, wie man schwimmt.» In den Gemeinschaftsunterkünften und im Stadtbereich leben einige Hundert Geflüchtete. Wie woanders auch, können viele davon nicht schwimmen.

Im Jahr 2013 hatte der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) die Stadt bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Weil der Bahnhof für die Gartenschau umgebaut wurde, musste eine provisorische Überführung über die Gleise gebaut werden. Zwei Tage lang schleppten Asylbewerber Koffer der Reisenden über die Brücke. Dann empörte sich das politische Berlin wegen der - rechtlich nicht anders zulässigen - geringen Bezahlung, die Aktion wurde eingestellt. Später halfen auf Betreiben des CDU-Politikers mehr als 70 Flüchtlinge bei der Gartenschau mit. Die Idee eines Schwimmvereins findet Arnold «klasse». «Wir setzen auch auf Projekte von unten.»

Der «Gmünder Weg» wird auch in einer Lernwerkstatt gelebt, in der die Idee für den Schwimmverein, der für alle offen ist, entstand. Majohr hatte Ende 2013 beim Landratsamt ein Konzept für die Lernwerkstatt eingereicht. Dem 68-Jährigen wurde eine alte Waffenkammer in der ehemaligen Kaserne der Amerikaner auf dem Hardt überlassen, die er anfangs alleine ausräumte. Nach und nach kamen weitere ehrenamtliche Rentner hinzu. Raum, Strom und Heizung gibt das Landratsamt Ostalbkreis. Alles andere organisieren die Rentner selbst. «Wir sind stolz auf die ungebrochene, freiwillige Teilnahme von Flüchtlingen, seit 18 Monaten unfallfrei zu arbeiten, rund 50 Flüchtlinge seither gefördert zu haben; die Anbahnung und Vermittlung von festen Arbeitsverträgen realisiert zu haben», steht auf der Homepage.