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Große Anteilnahme bei Trauerfeier für Thomas Schäuble in Gaggenau © dpa
10.01.2013

Große Anteilnahme bei Trauerfeier für Thomas Schäuble in Gaggenau

Trauer um Thomas Schäuble: Familie, Polit-Prominenz, alte Weggefährten und Bürger nehmen bei einer bewegenden Gedenkfeier Abschied vom früheren Landesminister und Rothaus-Chef.

Bildergalerie: Trauerfeier von Thomas Schäuble in Gaggenau

Gaggenau (dpa/lsw) - Unter großer Anteilnahme von Politik und Bevölkerung ist am Donnerstag im badischen Gaggenau (Kreis Rastatt) des früheren baden-württembergischen Innenministers Thomas Schäuble (CDU) gedacht worden. Er war am Donnerstag vor einer Woche im Alter von 64 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) würdigte ihn als «guten Menschen, der seiner Verantwortung gerecht geworden ist».

Der jüngere Bruder von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) diente in der Regierung Teufel 13 Jahre als Minister, seit 2004 war er Chef der landeseigenen Brauerei Rothaus. «Er war für unser Land ein hervorragender Innenminister und hoch geachtet auch im Bund.» Teufel betonte: «Thomas Schäuble hatte mein ganzes Vertrauen.» Er habe gewollt, dass Schäuble in der Landespolitik bleibt. Er habe ihm aber seine Bitte, Rothaus-Chef werden zu wollen, «nicht abschlagen» können.

Zur zentralen Trauerfeier in der voll besetzten rund 800 Menschen fassenden Jahnhalle war neben der Familie viel Polit-Prominenz gekommen: neben Wolfgang Schäuble unter anderem Landtagspräsident Guido Wolf (CDU), der amtierende Innenminister Reinhold Gall (SPD) sowie eine Reihe von Ex-Ministern und zahlreiche Weggefährten.

Der mit Tannenreisig und roten Rosen geschmückte Sarg von Thomas Schäuble wurde in der Halle von Trauerkränzen und einer Ehrenwache von Polizei und Feuerwehr flankiert. Thomas Schäuble, der von 1984 bis 1991 Oberbürgermeister von Gaggenau war, sollte nach der Trauerfeier im engsten Kreis beigesetzt werden.

«Heute ist ein trauriger Tag für Gaggenau, denn wir müssen eine große und hochverdiente Persönlichkeit unserer Stadt zu Grabe tragen», sagte Oberbürgermeister Christof Florus (parteilos). Für ihn gehörte Thomas Schäuble zu den «Vorbildern in der Politik».

Als Politiker stand Thomas Schäuble immer im Schatten seines Bruders Wolfgang. Der Jurist war Verkehrs-, Justiz- und Innenminister in Baden-Württemberg und hatte sich nach Unstimmigkeiten mit Teufel aus der Politik zurückgezogen. Seit 2004 war der «kleine Schäuble» Chef der landeseigenen Brauerei Rothaus («Tannenzäpfle») in Grafenhausen - bis zu seiner schweren Erkrankung im Juli 2012. Seitdem lag er im Wachkoma und starb am 3. Januar in Gaggenau. Thomas Schäuble hinterlässt seine Frau Brigitte und drei erwachsene Kinder.

Bundesweit machte er durch seine harsche Abrechnung mit Kanzler Helmut Kohl (CDU) Schlagzeilen: «Ich verabscheue Herrn Kohl. Und ich kann da für die ganze Familie sprechen» - so reagierte er damals auf die mangelnde Unterstützung seines Bruders Wolfgang durch Kohl in der CDU-Spenden-Affäre. Wolfgang Schäuble hatte im Zusammenhang mit der Spendenaffäre seinen Hut als Parteichef nehmen müssen.

Thomas war der jüngste von drei Söhnen der Familie Schäuble. Frieder, der älteste, starb bereits vor zwei Jahren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Freiburg und Berlin promovierte Thomas Schäuble in Jura. Danach arbeitete er in der Landesanwaltschaft Karlsruhe, später beim Landratsamt Rastatt. In Gaggenau ist seine Frau Brigitte seit 2007 Bürgermeisterin.