nach oben
Der Fall Harry Wörz: Die Chronologie © dpa
15.12.2010

Harry Wörz vorm BGH: Die Chronologie des Falls

KARLSRUHE. Der Bundesgerichtshof muss sich am Mittwoch zum dritten Mal mit dem Fall Harry Wörz befassen. Seit mehr als 13 Jahren versucht die Justiz in Baden-Württemberg, den Fall aufzuklären. Die Deutsche Presse-Agentur dpa nennt die wichtigsten Stationen:

Bildergalerie: Harry Wörz vor dem Bundegerichtshof in Karlsruhe

29. April 1997: Die damalige Frau von Harry Wörz wird im Schlafzimmer ihrer Wohnung in Birkenfeld mindestens drei Minuten mit einem Wollschal gewürgt. Die Polizei nimmt Wörz kurz darauf fest.

30. April 1997: Das Amtsgericht Pforzheim erlässt einen Haftbefehl gegen Wörz.

16. Januar 1998: Das Landgericht Karlsruhe befindet Wörz des versuchten Totschlags an seiner Frau für schuldig und verhängt eine elfjährige Haftstrafe.

11. August 1998: Der Bundesgerichtshof verwirft die Revision als unbegründet. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

6. April 2001: Eine Zivilkammer des Karlsruher Landgerichts weist eine Schmerzensgeldklage des Opfers gegen Wörz ab, weil seine Schuld nicht nachweisbar sei. Der Vorsitzende Richter kritisiert die Ermittlungen der Pforzheimer Polizei.

3. Mai 2001: Der Anwalt von Wörz beantragt die Wiederaufnahme des Strafprozesses.

28. September 2001: Das Landgericht Mannheim weist den Wiederaufnahmeantrag als unzulässig zurück.

30. November 2001: Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe ordnet die neuerliche Prüfung der Wiederaufnahme an und verfügt - nachdem Wörz vier Jahre und sieben Monate in der Vollzugsanstalt Heimsheim inhaftiert war - dessen vorläufige Freilassung.

9. März 2004: Nach sieben Anhörungstagen lehnt das Landgericht Mannheim erneut eine Wiederaufnahme des Verfahrens ab. Der Verteidiger legt wieder Beschwerde ein.

8. Oktober 2004: Das OLG Karlsruhe ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens an und verfügt, dass der Prozess beim Landgericht Mannheim neu aufgerollt wird.

30. Mai 2005: Vor dem Landgericht Mannheim beginnt das Wiederaufnahmeverfahren.

6. Oktober 2005: Das Landgericht Mannheim spricht Wörz aus Mangel an Beweisen frei.

16. Oktober 2006: Der Bundesgerichtshof hebt den Freispruch auf und ordnet eine Neuauflage des Prozesses an. Damit waren die Revision der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage erfolgreich.

22. April 2009: Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Mannheim beginnt der dritte Prozess gegen Wörz.

5. Oktober 2009: Die Beweisaufnahme wird am 25. Verhandlungstag geschlossen. Die Staatsanwaltschaft beantragt, Wörz wegen versuchten Totschlags zu neuneinhalb Jahren Haft zu verurteilen. Die Verteidigung fordert Freispruch.

22. Oktober 2009: Das Landgericht Mannheim spricht Wörz erneut frei. Dass er der Täter gewesen sein sollte, hielt die Strafkammer «allenfalls für möglich, letztlich aber für eher unwahrscheinlich», sagt der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Ungewöhnlich ist, dass das Landgericht einen starken Verdacht gegen einen anderen Verdächtigen äußerte: Den damaligen Geliebten des Opfers, einen Polizisten.

20. Januar 2010: Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gibt bekannt, dass sie gegen den damaligen Geliebten des Opfers ermittelt. Der Polizeibeamte wird vom Dienst suspendiert.

15. Dezember 2010: Der Bundesgerichtshof verhandelt über die Revision von Staatsanwaltschaft und Nebenklage gegen den Freispruch.