In der WM-Stürmer-Debatte stärkt VfB-Trainer Sebastian Hoeneß dem Stuttgarter Publikumsliebling Deniz Undav den Rücken. Einen Tag nachdem Undav seinen Unmut über mangelnde Wertschätzung geäußert hatte, würdigte Hoeneß den 29-Jährigen als «absolut kompletten Stürmer». Undav habe insbesondere mit seiner Variabilität eine «Riesenqualität», unterstrich Hoeneß vor der Partie in der Fußball-Bundesliga am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim FSV Mainz 05.
Hoeneß hebt außergewöhnliches Profil hervor
Dass der Instinktfußballer die Mittelstürmer-Rolle «überragend» ausfüllen und zudem als Zehner spielen könne, sei «fast einzigartig», lobte Hoeneß. Neben Undavs «überragender Form» sei für ihn die «durchweg positive» Variabilität ein schlagkräftiges Argument, das für den Angreifer spreche.

Zum Nationalteam von Bundestrainer Julian Nagelsmann zählte Undav seit dem vergangenen Juni allerdings nicht mehr. Die Debatte wird auch damit angeheizt, dass Nagelsmann die Stürmer-Position im «Kicker»-Interview jüngst als Baustelle bezeichnet hatte. Hoeneß zeigte sich nun optimistisch, dass Undav als derzeit erfolgreichster deutsche Bundesliga-Torjäger bei der WM im kommenden Sommer in den USA, Mexiko und Kanada dabei sein könnte.
Er würde ihn natürlich sehr gern wieder in der Nationalmannschaft sehen und glaube, dass er auch «gebraucht» werden würde, erklärte Hoeneß. «Ich bin mir sicher, dass auch gebrachte Leistungen berücksichtigt werden.» Er schränkte aber ein, dass bei der Nominierung des Bundestrainers auch Gedanken entscheidend wären, die er sich in der Komplexität nicht mache.
Undav kann in Mainz persönliche Serie ausbauen
Beim VfB Stuttgart fehlt Undav nicht die Wertschätzung, die er in der Diskussion über seine mögliche Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft und die WM-Nominierung vermisste. «Ich finde es schade, dass ich mich immer rechtfertigen muss. Ich glaube, ich zeige das auf dem Platz», hatte der 14-fache Saisontorschütze in der Bundesliga am Mittwoch gesagt. Es sei nicht seine Schuld, die Qualität zu haben, auf der Zehn spielen zu können, «dass man dann nicht über mich als Stürmer redet».
In der Stuttgarter Startelf spricht die Gelb-Sperre von Spielgestalter Bilal El Khannous dafür, dass Undav am Samstag in Mainz wieder die Rolle des Zehners übernimmt. Spielt er mit Ermedin Demirovic zusammen, taucht Undav in der Regel etwas hinter dem bosnischen Mittelstürmer ab. Seine Tore hat er auf beiden Positionen erzielt und seinen Wert für den VfB in den vergangenen Wochen gleich in Serie unterstrichen.
Sollte er auch beim Tabellen-14. Mainz von Trainer Urs Fischer und beim Wiedersehen mit Ex-VfB-Angreifer Silas als Torschütze jubeln dürfen, könnte Undav einen Haken hinter einem persönlichen Novum setzen. Im vierten Bundesliga-Spiel in Serie hätte er dann getroffen - so oft wie noch nie nacheinander.
Der Traum der WM-Teilnahme wird ihm wesentlich wichtiger sein. Ob er bei den kommenden Länderspielen gegen die Schweiz am 27. März in Basel und gegen Ghana am 30. März in Stuttgart im Kader steht, könnte für die WM-Nominierung in diesem Sommer richtungsweisend sein.
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