Baiersbronn. Meterhohe Flammen und schwarzer Rauch: Das Drei-Sterne-Restaurant „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn brennt komplett nieder. Eine Schwarzwälder Institution ist zerstört.
Die „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn ist bei einem Brand nach Angaben der Feuerwehr und des Pforzheimer Polizeisprechers Frank Otruba komplett zerstört worden. Anders lautenden Medienberichten wurde, so Otruba, bei dem Brand beim „Hotel Traube Tonbach“ in Baiersbronn in der Nacht zu Sonntag niemand verletzt. Das in Deutschland wegen seiner langen Drei-Sterne-Tradition einmalige Restaurant sei allerdings, so die Feuerwehr, nicht mehr zu retten gewesen.
63 Hotelgäste sicher evakuiert
63 Übernachtungsgäste mussten laut Polizeisprecher Otruba vorsorglich in Sicherheit gebracht werden, da wohl durch einen Flurtrakt, der die „Schwarzwaldstube“ mit dem restlichen Hotelkomplex verbindet, Rauch hindurchgezogen ist. Die Gäste hatten sich dem Notfallplan folgend ruhig im Lobby-/Barbereich gesammelt. Wenn es der Feuerwehr gelingt, die Hotelräume gründlich zu durchlüften, könnte einer Rückkehr in die Zimmer wohl nichts mehr entgegenstehen.
Ein Brandmelder hatte die Feuerwehr um 3.09 Uhr alarmiert, der über das angeschlossene Brandmeldesystem die Feuerwehrleitstelle und die Polizei informierte. Wie Otruba erklärte, seien den ersten Einsatzkräften Flammen aus dem Küchentrakt entgegen geschlagen, was die Vermutung nahe legt, dass hier der eigentliche Brandherd gewesen sein könnte. Eine konkrete Brandursache kann allerdings zu diesem Zeitpunkt noch niemand benennen, denn aktuell können die Brandermittler der Kripo und andere Sachverständige das Gebäude wegen unwägbarer Risiken nicht betreten.

Drei-Sterne-Restaurant in Baiersbronn abgebrannt
Die Reste des am Sonntag weitgehend zerstörten Gebäudes seien einsturzgefährdet, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Freudenstadt, Martin Frey. Frühestens am Montag werde man entscheiden können, wann Ermittler der Kriminalpolizei und Brandsachverständige in der Ruine des Restaurants ihre Untersuchungen beginnen können. Dass bei großen Bränden die Kripo eingeschaltet wird, gehöre zur polizeilichen Routine und bedeute nicht, dass es einen Verdacht auf Brandstiftung gebe, hieß es aus Ermittlerkreisen.
In diesem seit über 230 Jahren bestehenden historischen Stammhaus befanden sich drei Restaurants und Büros, in welchem sich glücklicherweise keine Personen befanden.
Nach acht Stunden Löschen keine offenen Flammen mehr
"Der Brand ist weitgehend unter Kontrolle", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Martin Frey, am Nachmittag. Um 11.30 Uhr hatte die Feuerwehr den Brand so weit unter Kontrolle, dass keine offenen Flammen mehr zu sehen waren. Doch die Feuerwehrleute werden noch den ganzen Tag damit beschäftigt sein, Glutnester aufzuspüren und abzulöschen, beziehungsweise angrenzende Hotel-Bereiche zu durchlüften. Anwohner wurden per Radiodurchsagen dazu aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, denn stundenlang waberten dichte Rauchschwaden über dem Brandort. In dem engen Tal steht stundenlang eine Säule aus Rauch und Wasserdampf. Nur wenige Meter entfernt auf der anderen Straßenseite im modernen Haupthaus des Hotels lief der Betrieb weiter, doch die Stimmung war gedrückt. mit seinen Führungskräften den weiteren Einsatz.
Das Stammhaus des Hotel-Restaurant-Komplexes bestand überwiegend aus Holz, und auch große Teile der Einrichtung waren aus Holz oder mit Holz verkleidet - der ideale Nährboden für ein sich schnell ausbreitendes, großes Feuer. Ein Innenangriff der Feuerwehrleute war anfangs nicht möglich, zu heftig schlugen die Flammen hoch, die sich offenbar im Gebäudeinneren an den Wänden hochgearbeitet und dabei alles zerstört haben, während man von außen gar nicht so viel davon sah.
Millionenschaden noch nicht überschaubar
Was die Flammen nicht vernichten konnten, hat vielleicht das Löschwasser unwiederbringlich zerstört. Wie es in den tiefer liegenden Versorgungs- und Lagerräumen aussieht, kann noch niemand sagen. Otruba spricht von einem Millionenschaden, doch konkretere Zahlen könnten noch nicht genannt werden. Zum Sachschaden zählt nicht nur der Verlust des Gebäudes und der Inneneinrichtung, eventuell sind auch größere Mengen an teuren Lebens- und Genussmitteln des Drei-Sterne-Restaurants betroffen. Und dann ist da noch der Umsatzausfall, denn wann dort etwas Neues, Gleichwertiges entstehen kann, ist noch unbekannt.
Rund 150 Feuerwehrleute und Rettungsdienste mit über 30 Einsatzkräften waren vor Ort im Einsatz. Hilfe kam von vielen Freiwilligen Feuerwehren aus dem weiteren Umkreis.
«Es ist für den Schwarzwald ein schwerer Schlag», sagte ein Feuerwehr-Sprecher. Das Hotel besteht aus mehreren Komplexen, von denen der Ursprungsbau durch den Brand schwer beschädigt ist. Die Polizei hat den Einsatzbereich abgesperrt und die Ermittlungen aufgenommen. Diese werden sich wohl zunächst einmal auf den Küchenbereich konzentrieren, in dem offenbar zuerst die Flammen züngelten.

International renommiertes Drei-Sterne-Restaurant
Die «Schwarzwaldstube», die in dem Ursprungskomplex untergebracht ist, ist ein Drei-Sterne-Restaurant und gehört damit zu einer exklusiven Gruppe von Restaurants in Deutschland. Sie ist bundesweit bekannt. Küchenchef Torsten Michel ist in der Deutschlandausgabe 2020 im Restaurantführer «Gault&Millau» mit 19,5 von 20 Punkten ausgezeichnet worden und gehört mit dieser Punktzahl deutschlandweit zur Spitzengruppe der Küchenchefs. Der «Gault&Millau» zählt mit dem «Guide Michelin» zu den bekanntesten Gourmet-Führern weltweit.
Über viele Jahre hinweg setzte Koch Harald Wohlfahrt in der «Schwarzwaldstube» Maßstäbe und bildete zahlreiche spätere Sterneköche aus. Wohlfahrt war 25 Jahre lang ununterbrochen vom Guide Michelin mit drei Sternen benotet worden, ehe er im Sommer 2017 nach Streitigkeiten seinen Abschied aus der «Schwarzwaldstube» in Baiersbronn nehmen musste.

In einer ersten Mitteilung erklärte die Inhaberfamilie: "Mit großem Bedauern müssen wir mitteilen, dass heute Nacht in unserem historischen Stammhaus in Tonbach ein Feuer ausgebrochen ist. Im Moment ist es unfassbar und ein großes Unglück, doch wir werden es als Chance betrachten. Während der Löscheinsatz noch andauert, sind wir überglücklich, dass weder Gäste noch Mitarbeiter zu Schaden gekommen sind. Wir als Inhaberfamilie und das gesamte Team danken den vielen Kräften vor Ort von Herzen für ihren schnellen Einsatz!"
Küchenchef Torsten Michel: "Es geht weiter" - Vorgänger Harald Wohlfahrt: "Mein Wohnzimmer abgebrannt"
Küchenchef Torsten Michel steht vor der noch brennenden Ruine seines Drei-Sterne-Restaurants «Schwarzwaldstube» und blickt in schwarz verkohlte Räume. «Es ist mein Haus, es hängen viele Erinnerungen daran», sagt der Spitzenkoch betroffen. Sofort richtet er aber den Blick nach vorn und macht deutlich, dass das verheerende Feuer in dieser Januarnacht nicht das Ende ist. «Es wird Lösungen geben, es geht weiter.» Ebenso wie Hotelchef Heiner Finkbeiner sagt Michel, er sei vor allem froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.
«Das ist ein Drama», sagte Harald Wohlfahrt den Stuttgarter Medien. Er habe mit der Fassung ringen müssen. «Es fühlt sich an, als ob mein Wohnzimmer abgebrannt ist.»
Baiersbronn ist eines der Top-Ziele für Gourmets in Deutschland. Über drei Sterne verfügt in dem Ort auch das Restaurant im Hotel Bareiss mit Küchenchef Claus-Peter Lumpp. Mit einem Stern ausgezeichnet wurden die Köhlerstube im Hotel Traube Tonbach mit Küchenchef Florian Stolte und das Gourmetrestaurant Schlossberg unter Leitung von Jörg Sackmann.
Das sagen betroffene Gäste
Stammgast Christel Martens aus Belgien reist gerade ab. Sie wollte eigentlich noch in einem Restaurant in dem jetzt zerstörten Gebäude zu Mittag essen. Das Sternerestaurant nahm nur einen kleinen Teil des Hauses ein, das die historische Keimzelle des Top-Hotels im Nordschwarzwald ist. Sie habe den kurz nach 3.00 Uhr in der Nacht ausgebrochenen Brand erst bemerkt, als sie am Morgen ihren Hund ausführen wollte. «Es war so authentisch», sagt Martens über das Gebäude mit Holzvertäfelungen und schweren Möbeln. Ihre Gedanken gelten den Betreibern und Angestellten. «Das ist kein guter Beginn des Jahres für die Familie.»
Markus Pape, der selbst ein Hotel mit Restaurant in einem historischen Gebäude im rheinland-pfälzischen Meisenheim betreibt, war am frühen Morgen durch Lärm geweckt worden und hatte aus dem Fenster geschaut - direkt auf das bereits lodernd brennende Gebäude. «Ich habe gedacht, ich traue meinen Augen nicht.» Erst am Vortag habe er noch in der «Schwarzwaldstube» gegessen. Den Verlust des Hauses könne er noch gar nicht fassen. «Das ist eine gastronomische Institution.»



