GEW-Protest
Groß war die Empörung über ein Werbeplakat am Stuttgarter Flughafen, das mit negativem Unterton zur Gewinnung neuer Lehrer beitragen sollte. Die GEW freut sich nun, dass das Plakat verändert worden ist. Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft vom Kultusminsiterium noch mehr Anstrengungen zur Personalgewinnung.
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Baden-Württemberg
„Keinen Bock auf Arbeit morgen?“ Ministerium ändert Werbeplakat für Lehrer-Gewinnung
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Stuttgart. „Beleidigung für alle Lehrerinnen und Lehrer“, „nach Strich und Faden verhöhnt“, „niveaulos“ und „skandalös“ - mit einem Werbeplakat für den Lehrerberuf hat das Kultusministerium den Zorn von Lehrerverbänden und der Opposition auf sich gezogen. Gemeint ist die Großplakatversion, die am Stuttgarter Flughaben zu sehen. Das Kultusministerium hat diese Version nun geändert.

Unter dem Slogan „HURRAAA!“ heißt es bei der Werbekampagne vor allem für Quereinsteiger eigentlich: „Lust auf Veränderung? Dann werde Lehrer*in“. Auf einem Großplakat am Stuttgarter Flughafen stand allerdings neben dem auffälligen „HURRAAA!“: „Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen? Mach was dir Spaß macht und werde Lehrer*in.“ Samt Verweis auf die Internetseite zum Bewerben – „lehrer-in-bw.de“ - sowie Logos des Ministeriums und der allgemeinen „The Länd“-Kampagne.

„Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt, dass das Kultusministerium das umstrittene Plakat zur Lehrkräftegewinnung am Stuttgarter Fluhafen korrigiert und erwartet, dass die grün-schwarze Landesregierung neben der Werbekampagne durch bessere Bildungspolitik für pädagogische Berufe wirbt“, heißt es nun in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg. „Es ist gut, dass das Kultusministerium das umstrittene Plakat ändert. ‚Ohne Bock auf den Beruf‘ geht die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht. Das wissen alle, die schon einmal vor einer Klasse standen“, teilt GEW-Landesvorsitzende Monika Stein am Montag in Freiburg mit.

„Die GEW ist sich mit dem Kultusministerium einig: Es ist wichtig, dass Menschen für den wunderbaren Beruf Lehrer*in begeistert werden. Eine Werbekampagne ist dafür ein wichtiger Schritt. Das Kultusministerium muss auch dafür sorgen, dass die jungen Menschen in den Beruf finden und dass alle Lehrkräfte gesund und professionell in den 4500 Schulen im Land arbeiten können“, so Monika Stein weiter. Aber außer dieser grundsätzlichen Einigkeit in Sachen Werbedarf für den Lehrerberuf gibt es da scheinbar nicht viel, was der GEW Freude am Kultusministerium bereitet.

„Die Bilanz der grün-schwarzen Landesregierung ist bisher keine gute Werbung für junge Menschen, die sich für pädagogische Berufe interessieren. Die Landesregierung dürfte der einzige Arbeitgeber in Baden-Württemberg sein, der nach der Ausbildung gut 4.000 Referendar*innen in die Sommerferien-Arbeitslosigkeit schickt. Die jungen Lehrer*innen haben im Vorbereitungsdienst alles gegeben. Sie verdienen es, dass sie in den wohlverdienten Ferien auch bezahlt werden“, fordert Monika Stein. Dass Baden-Württemberg zu den wenigen Bundesländern gehört, das Lehrkräften an Grund- und Haupt-/Werkrealschulen eine Bezahlung nach A13/E13 verweigere, wertet die GEW ebenfalls als „Anti-Werbung“.

Die GEW empfiehlt der Landesregierung, sich an der Kampagne der GEW „#besterjobderwelt“ ein Bespiel zu nehmen. Die größte bildungspolitische Interessenvertretung in Baden-Württemberg hat die Initiative zur Bildungsmesse didacta im Frühjahr 2023 gestartet und macht dabei konkrete Vorschläge zur Gewinnung von Fachkräften. Wie wichtig es ist, gute und ausreichend viel Lehrer zu haben, beschreibt Monika Stein so: „Es ist eine Aufgabe für uns alle, dafür zu sorgen, dass mehr junge Menschen sich für den Beruf Lehrer*in begeistern. Dafür muss die Landesregierung den Arbeitsplatz Schule so gestalten, dass Lehrer*innen ihre herausfordernde Arbeit professionell und ohne ständige Überlastung ausüben können.“