Stuttgar. Die baden-württembergische Landesregierung will im Kampf gegen das Coronavirus das Tempo der Impfkampagne erhöhen. Das Land wolle ein härteres Vorgehen gegen so genannte Impfschwänzer prüfen, kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart an. Damit sind Menschen gemeint, die einen vereinbarten Corona-Impftermin nicht wahrnehmen und auch nicht absagen.
Außerdem: Wer einmal mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft ist, kann den Termin zur Zweitimpfung in den Impfzentren vom 19. Juli an vorziehen. Termine für eine zweite Spritze mit den Impfstoffen von Astrazeneca, Biontech oder Moderna, die in der Zeit bis einschließlich 18. Juli liegen, können nicht umgebucht werden.


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Aufgrund der Delta-Variante und der Tatsache, dass auch Geimpfte sich infizieren und wohl auch in geringerem Maße Infektionen weitertragen könnten, sei es fraglich, «ob wir überhaupt noch Herdenimmunität erreichen», sagte Kretschmann. Deshalb sei wichtig, dass sich alle impfen lassen. «Sonst können wir die Pandemie gar nicht mehr beenden. Impfen ist das einzige Mittel, das wir haben, um die Pandemie in die Knie zu zwingen.» Die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante ist ansteckender als andere Varianten.
PCR-Tests besser als Antigentests
Die Ergebnisse der Antigentests würden bei der Delta-Variante unsicherer, man müsse möglicherweise auf PCR-Tests zurückgehen, sagte der Ministerpräsident. «Da muss jeder damit rechnen, wenn er nicht geimpft ist, dass er bestimmte Erleichterungen einfach nicht mehr wahrnehmen kann.» Einfache Antigentests könnten keine Gewähr dafür sein, alle Öffnungsmöglichkeiten wahrnehmen zu können. Man werde das mit Blick auf die Schultests überprüfen.
Das Land will prüfen, ob Impfschwänzer ersatzpflichtig sind für entstandene Kosten - insbesondere, wenn Impfstoff vernichtet werden muss. «Das ist unsolidarisch und unverantwortlich gegenüber denen, die geimpft werden wollen», sagte Kretschmann. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sprach von einem Anteil von zwei bis fünf Prozent an Menschen, die in den vergangenen Wochen zum zweiten Impftermin einfach nicht erschienen.
Viele lassen Impfung sausen
Am Freiburger Impfzentrum nahmen am Montag bei 1100 geplanten Zweitimpfterminen sogar nur 400 Menschen den Termin wahr. Der Leiter des Zentrums, Daniel Strowitzki, geht aber nicht davon aus, dass die Menschen ihre Zweitimpfung einfach ausfallen lassen. Wahrscheinlich ließen sie sich anderswo impfen, etwa beim Hausarzt. Impfstoff müsse aber deshalb nicht weggeworfen werden. «Wir werden einfach morgens beim Aufziehen der Spritzen vorsichtiger.»


Stiko wehrt sich gegen Einmischung bei Kinder-Impfungen
Auch die Nachfrage nach Erstimpfungen lasse nach, sagte Strowitzki. Möglicherweise gebe es einen Zusammenhang mit den entschärften Corona-Regeln. Auch die Sommerferien könnten eine Rolle spielen. Zudem vermittelten die derzeit niedrigen Corona-Inzidenzwerte vielleicht ein falsches Sicherheitsgefühl.
Womöglich basierten die Absagen auf der falschen Annahme, bereits durch eine Impfung ausreichend geschützt zu sein, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Es gingen vermehrt Anfragen ein, den zweiten Termin wegen der Kollision mit einem anderen Termin zu verschieben. Wenn es nicht um triftige Gründe wie Krankheit oder eine angeordnete Quarantäne gehe, sollten ihn die Menschen aber wahrnehmen.


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Kretschmann und Lucha warben dafür, Impfstoff auch bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren einzusetzen. Die negativen Folgen einer Erkrankung seien in dieser Altersgruppe weit schwerwiegender als mögliche Nebenfolgen einer Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen.
Weil zu wenig mRNA-Impfstoffe verfügbar sind, können Termine zur Zweitimpfung in den baden-württembergischen Impfzentren erst vom 19. Juli an vorgezogen werden. Den Termin zur Zweitimpfung kann man jetzt auch in einem nähergelegenen Impfzentrum ausmachen. Gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission sollen Menschen, die zunächst mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft wurden, als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna bekommen.
Der Abstand zwischen beiden Spritzen wurde auf vier Wochen verkürzt. Wird eine Zweitimpfung mit dem Präparat von Astrazeneca gewünscht, beträgt der Impfabstand neun bis zwölf Wochen. Bei dem Mittel von Johnson & Johnson ist nur eine Dosis nötig.



