Curevac
Biontech schließt Standorte seines früheren Konkurrenten Curevac - auch Tübingen. (Archivbild)
Christoph Schmidt/dpa
Baden-Württemberg
Kritik an Curevac-Aus in Tübingen – Palmer fordert Lösungen

Die angekündigte Schließung des Tübinger Standorts des Biotech-Unternehmens Curevac hat scharfe Kritik ausgelöst. Oberbürgermeister Boris Palmer sprach von einem schweren Schlag für die Stadt, das Land Baden-Württemberg und die Beschäftigten. «Ich erwarte von Biontech, dass keine unumkehrbaren Fakten geschaffen werden, bevor ernsthaft über Alternativen verhandelt wurde. Erst kaufen, dann killen, das geht so nicht», sagte Palmer. 

Der Oberbürgermeister forderte Biontech, die Landes- und Bundesregierung sowie Wissenschaftseinrichtungen auf, rasch nach Lösungen zu suchen. Ziel müsse sein, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und Forschung sowie Produktion am Standort zu sichern. 

Palmer mahnt Verantwortung für Beschäftigte an

Palmer reagierte mit großer Bestürzung auf die Pläne, den Standort zu schließen und nahezu alle Mitarbeiter zu entlassen. Wer Curevac übernehme, trage auch Verantwortung für die Beschäftigten, den Forschungsstandort und ein Stück deutscher Innovationsgeschichte, erklärte er. «Das ist ein schwerer Schlag für Tübingen, für Baden-Württemberg und vor allem für die vielen hochqualifizierten Beschäftigten, die Curevac über Jahre getragen haben.» 

Curevac sei kein beliebiger Firmenname. «Curevac ist in Tübingen entstanden – aus der Universität, aus der Arbeit von Pionieren wie Ingmar Hoerr und Hans-Georg Rammensee», betonte Palmer. Sie legten bahnbrechende Grundlagen für die mRNA-Technologie. «Hier standen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte für eine Idee, die die Medizin weltweit verändert hat. Dieses Erbe darf nicht abgewickelt werden», so Palmer.

Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro 

Biontech will mehrere Standorte schließen - darunter auch Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Von den Plänen sind dem Mainzer Unternehmen zufolge ungefähr 820 frühere Curevac-Beschäftigte betroffen. Der Standort in Tübingen und früherer Hauptsitz von Curevac soll bis Ende 2027 geschlossen werden. 

Das Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden. Von den Plänen sind neben den früheren Curevac-Standorten auch die Biontech-Produktion in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur betroffen. Insgesamt sollen bis zu 1.860 Stellen gestrichen werden.

© dpa-infocom, dpa:260505-930-37007/2

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