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Ein Feuerwehrmann sägt am 03.01.2018 in Stuttgart (Baden-Württemberg) Teile eines Daches durch, das durch Sturmtief «Burglind» auf eine Straße geweht wurde. © dpa
03.01.2018

Kurz und heftig - Sturm «Burglind» hinterlässt Schäden im Südwesten

Stuttgart (dpa/lsw) - Mit heftigen Böen von bis zu 159 Stundenkilometern ist das Sturmtief «Burglind» am Mittwoch über Deutschlands Südwesten gefegt. Umgestürzte Bäume, abgerissene Äste und Starkregen samt Hagel behinderten den Verkehr auf der Straße, der Schiene und in der Luft.

Stromleitungen wurden niedergerissen, Bauzäune umgeweht und Dachziegeln durch die Luft gewirbelt. In Eislingen bei Göppingen traf ein umherfliegendes Trampolin ein parkendes Auto, in Stuttgart beschädigten Trümmer eines Hausdachs die Oberleitung einer Stadtbahn. In Mannheim etwa schloss vorsorglich der Luisenpark.

Erinnerungen an den Januar-Orkan «Kyrill» vor elf Jahren wurden wach, «Burglind» blieb aber schwächer. Und vor allem: Tote wie damals gab es nicht. Einen Schock erlitt jedoch eine Frau in Bad Herrenalb (Kreis Calw), als sie mit ihrem Auto gegen einen umgefallenen Baum prallte.

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TOP-WERTE - Ganz besonders fegte es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwochmorgen auf den Höhen des Nordschwarzwaldes: Auf der 1163 Meter hohen Hornisgrinde wurde zwischen 8.00 und 9.00 Uhr eine Windgeschwindiigkeit von 159 Stundenkilometern gemessen. Damit könne man dort von einem «extremen Orkan» sprechen, hieß es beim DWD. Höchstwerte im Flachland des Südwestens seien in Waibstadt bei Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) mit 126 Stundenkilometern gemessen worden. Ab 118 spreche man von Orkan.

WALD - Forstminister Peter Hauk (CDU) warnte auch in den kommenden Tagen vor Waldspaziergängen. Sie könnten auch nach dem Sturm lebensgefährlich sein, mahnte Hauk. Regionen mit viel Schnee seien besonders gefährdet, da die Schneelast die Äste bereits geschwächt habe. «Auch wenn die Förster mit höchster Sorgfalt das ganze Jahr unsere Wälder pflegen, kann man sich auf einen solchen Sturm nicht vorbereiten.» Der DWD sagte für die kommenden Tage ruhigeres Wetter vorher, allerdings mit viel Regen.

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STROM - Transnet BW, Betreiber des Strom-Übertragungsnetzes, meldete, dass der Sturm etwa fünf Kilometer vom Umspannwerk Kupferzell im Hohenlohischen entfernt zwei Strommasten umgerissen habe. Die Leitung sei gekappt, der Strom werde aber automatisch umgeleitet. Die Reparatur werde einige Tage dauern, sagte eine Sprecherin weiter. Auch andernorts knickten Masten um. «Es war sehr viel los», berichtete ein Sprecher der EnBW-Tochter Netze BW. Ab sieben Uhr morgens habe es etliche Störungen und Stromausfälle gegeben, unter anderem am Nordrand des Schwarzwaldes sowie im Raum Heilbronn und Biberach. Wie viele Haushalte betroffen waren, konnte der Sprecher nicht sagen.

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BAHN - Am späten Vormittag musste die wichtige Rheintalbahn bei Emmendingen vorübergehend gesperrt werden. Ein Baum drohte auf die Gleise zu fallen, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Ansonsten war der Fernverkehr nicht betroffen, es kam jedoch zu Einschränkungen auf anderen Strecken. Die IC-Strecke Stuttgart-Nürnberg etwa konnte über Stunden nicht befahren werden. Wegen Sturmschäden nahe Schorndorf konnten dort auch die Murrtalbahn und die Stuttgarter S2 nicht fahren. Ausfälle und Streckensperrungen gab es auch auf der Schwarzwaldbahn bei Immendingen und der Dreiseenbahn bei Titisee. Bei Radolfzell am Bodensee stürzte ein Baum auf eine Oberleitung und entzündete sich.

FLUGHAFEN - Am Landesairport mussten zwei Flüge nach München und Hamburg am Morgen gestrichen werden. Eine Maschine aus Hamburg, die zum Höhepunkt des Sturms gegen 9.00 Uhr landen sollte, wurde kurzfristig nach München umgeleitet, wie eine Sprecherin sagte. Weitere Flüge von und nach Frankfurt sowie von und nach Amsterdam seien am Mittwoch jedoch aus anderen Gründen ausgefallen. Bei einem abgesagten Flug, der um 6.40 Uhr nach Dresden gehen sollte, sei nicht mehr feststellbar, ob die Streichung wetterbedingt war, hieß es.

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Auch an der Postwiesenstraße wütete Sturm "Burglind".

HOCHWASSER - «Burglind» wird nach Einschätzung von Experten keine größeren Hochwasser zurücklassen. Er rechne mit «keiner dramatischen Lage», sagte der Leiter der Hochwasser-Vorhersagezentrale, Manfred Bremicker. Dennoch werde es an etlichen Flüssen zu Hochwasser kommen, wie es alle zwei bis zehn Jahre zu erwarten sei. Der Hochwasserschutz in den Gemeinden reiche aber in der Regel für Hochwasser wie sie alle 50 bis 100 Jahre vorkommen. An den meisten Flüssen würden die höchsten Wasserstände am Donnerstag erwartet, am Rhein bei Basel am Freitag und bei Mannheim am Sonntag.

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