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Kultusminister müssen die gymnasiale Oberstufe immer mal reformieren. KMK-Vorgaben sind diesmal der Anlass. Kultusministerin Eisenmann scheint mit ihren Vorgaben den goldenen Mittelweg gefunden zu haben.
Kultusminister müssen die gymnasiale Oberstufe immer mal reformieren. KMK-Vorgaben sind diesmal der Anlass. Kultusministerin Eisenmann scheint mit ihren Vorgaben den goldenen Mittelweg gefunden zu haben. © dpa
10.10.2017

Land übt Spagat bei neuer Oberstufe - viele neue Regelungen für Abiturienten

Stuttgart.Die gymnasiale Oberstufe ist ein beliebtes Feld für Reformen. Bei den alle Jahre wiederkehrenden Veränderungen spielt immer die Frage eine Rolle, wie das Verhältnis von Spezialisierung und Allgemeinbildung der Schüler austariert wird.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat jetzt ihr Konzept vorgelegt, das die hohen Leistungsanforderungen auf weniger Fächer beschränkt und zugleich die Naturwissenschaften stärkt. Lob kam nicht nur von Arbeitgebern und Philologenverband; auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Landtagsopposition sehen das Land auf dem richtigen Weg.

Warum war die Reform nötig?

Anlass ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK), ab 2019 nur noch maximal vier Fächer mit erhöhtem Leistungsniveau zu erlauben. Bislang hatte Baden-Württemberg fünf solche Fächer. Das Land geht jetzt zurück auf drei solcher Leistungsfächer. Ziel der Neuerung war, die Anforderungen in den Bundesländern anzugleichen und den Schülern mehr individuelle Schwerpunkte zu ermöglichen - bei gleichzeitigem Erhalt breiter Allgemeinbildung. «Ohne Goethe geht's halt auch nicht», sagte Kultusministerin Eisenmann.

Warum gibt es noch kein Zentralabitur?

Die Länder wollen ihre Hoheit in Bildungsfragen behalten und sehen ein Zentralabitur als Einfallstor zu einer zentralen Bildungspolitik, deren Kritiker einer Nivellierung des Niveaus nach unten befürchten. Es gibt auch ganz praktische Gründe wie die für eine Zentralabi notwendige zeitliche Koordinierung und die Vereinheitlichung der Bildungspläne, wie sie Ministerin Eisenmann vorbringt. Ein erstmals in diesem Jahr genutzter gemeinsamer Aufgabenfundus für Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch soll nun sicherstellen, dass sich die Abi-Niveaus bundesweit etwas annähern.

Wie sieht die Reform Eisenmanns im Detail aus?

Das vom Ministerrat am Dienstag gebilligte Konzept unterscheidet zwischen Leistungs- und Basisfächern: Statt wie bislang fünf vierstündige Kurse belegen die Schüler künftig drei fünfstündige Kurse. In diesen drei Leistungsfächern - davon können zwei Naturwissenschaften sein - werden sie im Abitur schriftlich geprüft.

Wie sieht die Neuregelung bei mündlichen Prüfungen aus?

Davon gibt es künftig zwei statt wie bislang eine. Das Land verabschiedet sich von der Präsentationsprüfung. Dieses Format können Schülern sich im Internet besorgen, begründet Eisenmann die Rückkehr zur klassischen mündlichen Prüfung mit 20 Minuten Vorbereitung und 20 Minuten Prüfung. Diese Prüfung kann auch durch einen Seminarkurs oder Teilnahme an einem Wettbewerb ersetzt werden.

Wie sehen die Neuerungen bei den Basisfächern aus?

Anders als bisher werden nicht alle Fächer außer den fünf Kernfächern zweistündig unterrichtet: Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache sind dreistündig. Alle anderen Fächer sind zweistündig.

Hat sich Baden-Württemberg an die KMK Vorgaben gehalten?

Im Großen und Ganzen ja. In einem Punkt schert das Land aus: Im Abitur müssen die Fächer Deutsch und Mathematik schriftlich oder mündlich geprüft werden. Die KMK sieht hingegen vor, dass in zwei der drei Fächer Deutsch, Fremdsprache oder Mathematik geprüft wird.

Welcher Jahrgang wird erstmal nach dem neuen Muster unterrichtet?

Die Neuerungen sind erstmals für Schüler relevant, die 2019 in die Kursstufe eintreten.

Haben die Schüler mehr oder weniger Unterricht?

Das Pensum bleibt gleich. Die Reform kostet das Land aber trotzdem 65 Lehrerstellen. Damit soll sichergestellt werden, dass möglichst wenige Lehrer fachfremd unterrichten müssen.

Kann man auch durchs Abitur fallen?

Anders als bislang besteht ein Schüler an einem der knapp 400 öffentlichen allgemeinbildenden Gymnasien das Abitur nicht, wenn er in einer schriftlichen Prüfungsteil mit null Punkten abschneidet. Dies kann er aber ausgleichen, wenn er in einer mündlichen Prüfung drei Punkte erreicht. Dies haben die Grünen nach eigenen Angaben in den Verhandlungen mit dem Kultusministerium durchgesetzt.