Studierende in Baden-Württemberg müssen für eine eigene Bleibe ziemlich tief in die Tasche greifen. Besonders teuer ist es in Heidelberg: Dort kostet eine studentische Musterwohnung mit 30 Quadratmetern durchschnittlich 697 Euro Warmmiete im Monat. Damit gehört die Universitätsstadt zu den sechs teuersten Hochschulstandorten Deutschlands. Das geht aus dem Studentenwohnreport 2026 des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.
Auch in Freiburg müssen Studierende demnach für eine solche Wohnung mit 643 Euro monatlich rechnen. Es folgen Stuttgart mit 611 Euro, Konstanz mit 598 Euro und Karlsruhe mit 597 Euro. Etwas günstiger ist es in Ulm (578 Euro), Mannheim (550 Euro) und Tübingen (538 Euro). Untersucht wurden bundesweit 38 Hochschulstandorte. In Baden-Württemberg sind das Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Tübingen, Stuttgart, Ulm, Freiburg und Konstanz.
Wohnkostenpauschale reicht nirgendwohin
Die derzeit geltende BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro reiche in keiner der untersuchten Hochschulstädte Baden-Württembergs aus, um die kalkulierte Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung zu decken, heißt es in der Mitteilung.
Auch wer in einer Wohngemeinschaft lebt, muss laut dem Report vielerorts mit hohen Kosten rechnen. Ein hypothetisches WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern kostet in Heidelberg monatlich 685 Euro. In Freiburg sind es 609 Euro, in Stuttgart und Konstanz jeweils 559 Euro. Vergleichsweise günstig ist Tübingen mit 466 Euro.
In Ulm steigen die Mieten besonders stark
Bei der Entwicklung der Mietpreise zeigen sich starke Unterschiede zwischen den Hochschulstädten im Südwesten. Den stärksten Anstieg verzeichnete laut dem Report Ulm: Dort verteuerte sich studentischer Wohnraum im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent. Etwa in Karlsruhe stiegen die Mieten um 4,4 Prozent, in Tübingen um 3,9 Prozent.
Stuttgart ist eine Ausnahme: Dort gingen die Mieten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht um 0,4 Prozent zurück. Die Forscher untersuchten eine qualitätsbereinigte Mietentwicklung. Das heißt, berücksichtigt wurden nur Preiseffekte und nicht Veränderungen bei der Qualität, etwa durch Baumaßnahmen.
Wenn Studierende ihren Studienort zunehmend nach bezahlbarem Wohnraum statt nach den besten fachlichen Perspektiven auswählen müssten, werde das zum Problem für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP. Hohe Wohnkosten dürften nicht darüber entscheiden, welche Bildungswege jungen Menschen offenstünden.
Die Lage an kleineren Hochschulen
Der Anteil des klassischen studentischen Wohnsegments fällt an den kleineren Standorten wie etwa Ludwigsburg (Landkreis), Pforzheim und Reutlingen (Landkreis) im Vergleich zu den größeren Standorten vergleichsweise gering aus. Er liegt laut dem Report bei rund 20 Prozent am Gesamtmarkt. Auch WGs und möblierte Wohnungen auf Zeit spielen mit jeweils etwa 5 Prozent eine deutlich kleinere Rolle.
Ludwigsburg gehört demnach preislich zu den teureren Standorten. Die Angebotsmiete liege bei rund 17,50 Euro je Quadratmeter beziehungsweise etwa 580 Euro (Median-Kaltmiete). Eine mögliche Erklärung dafür sei die Nähe zu Stuttgart und die Funktion als alternativer Wohnstandort im Ballungsraum.
In Pforzheim und Reutlingen liegen die Mieten laut dem Report deutlich niedriger. Die monatlichen Kosten bewegten sich mit rund 450 Euro (Pforzheim) beziehungsweise 490 Euro (Reutlingen) in einer ähnlichen Größenordnung wie in Mannheim. WG-Zimmer sind dort allerdings etwa 50 Euro günstiger.
Report: Druck auf Wohnungsmarkt wird wieder zunehmen
Erstmals untersuchte der MLP-Studentenwohnreport die Bautätigkeit an den 38 Hochschulstandorten. Zwar werde an beliebten Hochschulstandorten weiterhin überdurchschnittlich viel gebaut. Vielerorts reiche dies trotzdem nicht aus, um die Wohnraumknappheit abzuschwächen. «Gleichzeitig hat die Bautätigkeit in den letzten Jahren an rund zwei Dritteln der untersuchten Standorte nachgelassen - mitunter auch deutlich», heißt es in dem Report. Es spreche vieles dafür, dass das Wohnungsangebot auch künftig nicht mit der Nachfrage Schritt halten könne.
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