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Schreiben nach Gehör: Diese Methode zum Erlernen der Rechtschreibung will das Kultusministerium aus dem Lehrplan verbannen. Foto: dpa-Archiv
Schreiben nach Gehör: Diese Methode zum Erlernen der Rechtschreibung will das Kultusministerium aus dem Lehrplan verbannen. Foto: dpa-Archiv
20.12.2016

Ministerbrief ärgert Grundschulen: Verband sieht sich im Streit um Rechtschreibung am Pranger

Stuttgart. Ein Brief von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in Sachen Rechtschreibung hat viele Grundschulen im Land verärgert und zu erheblicher Verstimmung geführt. „Frau Eisenmann tut so, als ob die Kinder zwei Jahre nur mit Anlauttabelle arbeiten“, kritisierte gestern die Vorsitzende des Grundschulverbands, Claudia Vorst. Dabei sei das lautorientierte Schreiben lediglich ein Entwicklungsschritt auf dem Weg zur korrekten Rechtschreibung. „Es ist außerdem sehr gut wissenschaftlich belegt, dass die Kinder das brauchen“, sagte sie weiter.

Auslöser des Streits ist ein Brief Eisenmanns, der Anfang Dezember an alle Grundschulen ging und über den sie die Öffentlichkeit vergangene Woche informiert hatte. Sie forderte darin eine Kurskorrektur: Methoden, bei denen Kinder lange Zeit nicht auf die richtige Rechtschreibung achten müssten – etwa das Schreiben nach Gehör – sollen demnach nicht mehr praktiziert werden.

An dieser Entscheidung werde auch nicht mehr gerüttelt, sagte gestern ein Ministeriumssprecher. „Wir haben davor mit vielen Experten und auch mit Eltern und mit Schulvertretern gesprochen“, sagte er. Außerdem habe es viele positive Rückmeldungen gegeben – beispielsweise vom Realschullehrerverband oder dem Verband Bildung und Erziehung. Das Ministerium stelle aber keinesfalls die gute Arbeit der Grundschullehrer in Frage.

Die Grundschulen fühlen sich Vorst zufolge zu Unrecht an den Pranger gestellt und vom Ministerium nicht hinreichend wahrgenommen. „Wir wünschen uns eine unaufgeregte, sorgfältige Analyse der tatsächlich erreichten Qualität des Rechtschreibunterrichts“, sagte sie. Man wolle sich nicht allein den Schwarzen Peter zuschieben lassen.