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Ein Mitglied der Hells Angels ist bei Friesenheim nahe Offenburger erschossen aufgefunden worden. Bislang blieb diese Gegend in Baden-Württemberg von brutalen Rockerfehden weitgehend verschont.
Ein Mitglied der Hells Angels ist bei Friesenheim nahe Offenburger erschossen aufgefunden worden. Bislang blieb diese Gegend in Baden-Württemberg von brutalen Rockerfehden weitgehend verschont. © dpa
28.11.2012

Mitglied der Hells Angels bei Offenburg erschossen?

Schreck am frühen Morgen: Eine Frau hat am Dienstag um 8 Uhr beim Spazierengehen die Leiche eines Mannes beim südbadischen Friesenheim gefunden. Auch bei der Offenburger Polizei werden schnell die Spezialisten für Mord aufgeschreckt. Wie sich bald herausstellt, ist der Mann erschossen worden. Was den Mordfall noch komplizierter macht, ist die Meldung von "Spiegel Online", dass es sich beim Getöteten um einen Rocker der Hells Angels handeln soll.

Die Ermittlungen der 40-köpfigen Sonderkommission nach der Tötung des 49-jährigen Mannes bei der ‚Leutkirche’ laufen auf Hochtouren. So viel scheint festzustehen: Er wurde erschossen. Wieviele Schüsse den Mann trafen, will die Polizei noch nicht mitteilen. Die Umstände des Todes sind weiterhin unklar. Die Auswertung der Spuren ist in vollem Gang.

Auch im persönlichen Umfeld des Getöteten dauern die Nachforschungen an. Die Sonderkommission wird im Rahmen ihrer Ermittlungen auch den Bekanntenkreis, Arbeitskollegen und die Mitglieder der Rockervereinigung befragen, der das Opfer nach aktuellen Erkenntnissen angehört hat.

Und weil es zu den Gepflogenheiten der Höllenengel zählt, über Vereinsinterna und Mitgliederaktivitäten zu schweigen, wird es wohl länger dauern, bis Details zu den Hintergründen der Tat bekannt werden. Der Erschossene soll laut "Spiegel Online" dem Hells-Angels-Charter "Black Forest" mit Clubhaus in Lahr im Schwarzwald angehört haben. Von diesem Charter gibt es bislang eher wenig Auffälliges zu vermerken. Nachrichten über einen Rockerkrieg in Deutschland kommen meistens aus dem Norden, Westen und Osten der Bundesrepublik.

Eine Ausnahme hat Pforzheim gemacht. Hier kam es vor fast genau zwei Jahren auf dem Güterbahnhof zu einer Massenschlägerei zwischen Hells Angels und Mitgliedern der Türsteherclique United Tribuns, bei der ein Schuss aus einer scharfen Waffe fiel und ein Mann mit einem Messer niedergestochen wurde. Es gab zwei Razzien gegen die Hells Angels, eine Razzia gegen die United Tribuns. Inzwischen wurde das Pforzheimer Höllenengel-Charter „Borderland“ mit einem Vereinsverbot belegt, die United Tribuns sind in der Goldstadt auffallend ruhig, und die ebenfalls im Türstehermilieu aktiven Black Jackets sind scheinbar aufgelöst. Auch von den Rockern von Gremium MC hört man nichts mehr. Die hatten vor zwei Jahren mit einer Sternfahrt nach Pforzheim den Hells Angels eine Art Drohgebärde übermitteln wollen, scheiterten aber mit ihrem Motorrad-Korso an einem großen Polizeiaufgebot.

Jetzt allerdings, so hört man es aus Polizeikreisen, gebe es in Pforzheim nichts Neues von der Rockerfront zu berichten. Kriegsähnliche Zustände gibt es anderswo. Ob nun auch der südbadische Raum zum Kriegsschauplatz geworden ist, bleibt vorerst noch unklar. Der Mord mit Schusswaffe an dem 49-Jährigen lässt nichts Gutes ahnen. Bislang gibt es keine Informationen darüber, ob es sich um eine Auseinandersetzung im Verbrechermilieu gehandelt hat, um eine Abrechnung unter verschiedenen Rockergruppen, um eine Bestrafung innerhalb der Hells Angels. Unklar ist auch, ob dieser Mord nur der Auftakt für weitere blutige Auseinandersetzungen ist.