Walter Scholz (rechts) gratuliert hier dem Eisinger Tenor Jay Alexander 2011 zum 40. Geburtstag. Foto: PZ-Archiv/Seibel
Baden-Württemberg
Musikant mit Teufelszunge: Walter Scholz wird 80
  • Jürgen Ruf

Achern. Walter Scholz denkt nicht an Ruhestand. „Solange ich Musik machen kann, ist keine Zeit, alt zu werden“, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Im heimischen Wohnzimmer komponiert der Musiker neue Lieder, mit dem Instrument übt er mehrere Stunden täglich, zudem gibt er Konzerte und geht auch international auf Tour. Bekannt geworden ist Scholz als „Trompeter mit der Teufelszunge“, sein größter Erfolg bis heute ist die „Sehnsuchtsmelodie“. Am Sonntag wird Walter Scholz 80 Jahre alt.

Geboren wurde er im nordhessischen Arolsen, seit Anfang der 1960er-Jahre lebt er im Schwarzwald. Die badische Kleinstadt Achern ist seine Heimat geworden. Ein Rentnerdasein mag Scholz, der seit fast 65 Jahren Profimusiker ist, nicht führen. Jedes Jahr bringt er ein neues Album heraus. Und er steht auf der Bühne. Es ist zwar etwas ruhiger geworden. Doch auf 120 Auftritte pro Jahr kommt Scholz noch immer, wie er sagt. Gerade ist er von einer Tournee durch Kuba, Mexiko und Israel zurückgekehrt. Die nächsten Auftritte sind bereits geplant.

Scholz gilt als Deutschlands erfolgreichster Blechbläser. Herbert von Karajan (1908-1989) nannte ihn einen „Jahrhundert-Trompeter“, der Operettenkomponist Robert Stolz (1880-1975) lobte ihn als „Trompeter mit dem einfühlsamsten Klang“. Zehn Goldene Schallplatten und drei Mal Platin hat Scholz für seine Kompositionen und weltweit 15 Millionen Tonträger erhalten. Mit der „Sehnsuchtsmelodie“ stürmte er 1984 die Hitparaden. Das Lied mit dem markanten Klang ist bis heute sein größter Erfolg. Und machte den Mann, zu dessen Markenzeichen der Kinnbart gehört, zum „Evergreen mit der Trompete“. Als sein Vorbild nennt Scholz den US-Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein (1918–1990).

Scholz bekam mit fünf Jahren seine erste Trompete. Das Staatsexamen für Klassische Musik legte er beim Komponisten Franz Willy Neugebauer (1904–1975) ab. Mit 17 Jahren wurde er Solist am Landestheater Detmold, später dann bei in Mainz und Darmstadt. Er arbeitete zudem zwei Jahre als Solist bei den Münchner Philharmonikern. 36 Jahre lang, von 1962 bis 1998, war er Erster Solobläser im Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks (SWF) in Baden-Baden.

Musikalische Famile

Während Scholz auf der Bühne steht, kümmert sich seine zweite Ehefrau Silvia (52) – eine frühere Sängerin der Fischer-Chöre – um das Management. Sohn Alexander (29) hat hat an der Musikhochschule in Berlin studiert und arbeitet als Opernregisseur.