Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft, als Männer den Koffer unter einer Brücke in Filderstadt entdecken. Er liegt in einem ausgetrockneten Bachbett nahe einem Spielplatz, offenbar schon seit längerer Zeit. Die Hunde einer Spaziergängerin hatten zuvor angeschlagen. Was zunächst wie ein ungewöhnlicher Fund wirkt, entwickelt sich bald zu einem der rätselhaftesten Kriminalfälle der Region.
Denn es folgte ein wochenlanges Rätselraten – wer war die Tote? Wer hatte sie so verstaut? Und warum musste sie sterben?
Mutmaßlicher Täter schweigt
Zehn Monate nach dem Fund sitzt ein Mann auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts, von dem sich die Ermittler Antworten erhoffen auf viele offene Fragen. Aber er hüllt sich in Schweigen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der 51-Jährige eine 39 Jahre alte Bekannte getötet und in einem Rollkoffer verstaut. Der Koffer mit den verwesten Überresten der Frau war im vergangenen August - etwa einen Monat nach ihrem Tod - in Filderstadt entdeckt worden.
Schwere Suche nach der Wahrheit
Zu diesem Zeitpunkt war der in Folie und Müllsäcken verpackte Körper wegen der Sommerhitze bereits stark verwest und teilweise skelettiert. «Das macht die Wahrheitsfindung nicht einfacher, aber es gibt noch weitere Beweismittel», sagte Gerichtssprecher Timur Lutfullin nach dem Prozessauftakt.

Das Opfer, eine Frau türkischer Herkunft, und der mutmaßliche Täter sollen sich in den Wochen vor der Tat im Stuttgarter Drogenmilieu kennengelernt haben. Die Frau galt seit dem 21. Juli 2025 als vermisst – zuletzt war sie an diesem Tag in Stuttgart gesehen worden. Auch der mutmaßliche Täter hat einen türkischen Pass.
Tätersuche auch bei «Aktenzeichen XY»
Die Suche nach dem Mann hatte sich schwierig und langwierig gestaltet. Die Sonderkommission «Trolley» suchte mit Flyern im Drogen- und Obdachlosenmilieu, rund um den Fundort fragten Polizisten die Nachbarschaft ab. Der Fall war auch Teil der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY… ungelöst». Bereits kurz vor der Ausstrahlung ging der entscheidende Hinweis eines anonymen Zeugen ein – und der führte die Ermittler direkt zum Beschuldigten.

Unklar ist zwar, wie der Mann die Frau getötet haben soll. Sicher ist sich Staatsanwältin Johanna Rilling allerdings: «Ihren Tod nahm er bei seinen Handlungen zumindest billigend in Kauf.» Angeklagt ist der 51-Jährige allerdings nur wegen Totschlags, nicht wegen Mordes. «Die Ermittlungen haben keine Hinweise ergeben, die auf ein Mordmerkmal hindeuten würden», sagte Rilling.
Die 1. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat bislang insgesamt acht Verhandlungstage geplant. Mit einem Urteil wäre dann am 23. Juli zu rechnen.
Kofferleichen beschäftigen wiederholt die Ermittler
Was klingt wie ein außergewöhnlicher Fall, kommt im Alltag von Ermittlern immer mal wieder, aber auch nicht oft vor. Erst Ende Februar 2025 fand die Wiener Polizei nach einem Hinweis eine Leiche in einem Koffer - stranguliert und in Plastik verpackt. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen und er gestand, den Mann erdrosselt zu haben, weil er Schulden bei dem Opfer hatte. Das Urteil: 20 Jahre Haft.
Der Fund von Filderstadt erinnert auch an den Fall von zwei Stuttgarter Kofferleichen aus dem Jahr 2014. Im Alkoholrausch waren der Mann und die Frau an Himmelfahrt von ihrem Zechkumpanen umgebracht worden. Der Täter, ein damals 48 Jahre alter Mann, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Nur ein Jahr darauf wird eine Kofferleiche am Berliner Spreeufer entdeckt, der Täter später zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er soll seine Bekannte im Juni 2015 in einem Streit in seiner Galerie erstochen haben.
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