Nachdem ein 61-Jähriger nach einem medizinischen Notfall in der Falkensteiner Höhle auf der Schwäbischen Alb gestorben ist, hat der zuständige Bürgermeister die generelle Sicherheit der Höhle betont. «Die Höhle als solche ist nicht gefährlich», sagte der Bürgermeister der Gemeinde Grabenstetten, Patrick Docimo. Die Rettungsaktion und die anschließende Bergung der Leiche waren aufwändig und langwierig.
Auch nach Rücksprache mit dem Notarzt lasse sich nach derzeitigem Stand sagen, der medizinische Notfall habe sich unabhängig von der Höhle ereignet, sagte Docimo. Der Mann sei nicht gestürzt. Er sei sehr gut auf die Begehung der Höhle vorbereitet gewesen.
Der 61-Jährige war demnach am Freitag mit einer kleinen Gruppe und drei Tour-Guides bereits rund 1.300 Meter in die schwer zugängliche Höhle im Kreis Reutlingen geklettert, als er einen medizinischen Notfall erlitt. Alle drei Guides seien ausgebildete Ersthelfer gewesen, sagte Docimo. Die Gruppe bestand demnach aus sechs Besuchern und den Guides.
Reanimationsmaßnahmen bis der Notarzt kam
Es sei bei dem Mann sofort mit Reanimationsmaßnahmen begonnen worden. Diese seien fortgeführt worden, bis der Notarzt da gewesen sei. Dieser habe anschließend noch einmal eine halbe Stunde versucht, den Mann zu retten, Zugänge zu legen. «Aber er hat gemeint, da war letzten Endes keine Chance», sagte Docimo.
Bergwacht und Rettungsdienst waren nach dem Notruf am Freitagmorgen mit Spezialkräften im Einsatz. Allerdings gestaltete sich zunächst die Versorgung des Mannes schwierig. Die Höhle in Grabenstetten ist nur zu Fuß über unwegsames Gelände zu erreichen. Allein der Weg zum Patienten soll etwa eineinhalb Stunden in Anspruch genommen haben. Teilweise müssen in der Höhle Höhenunterschiede von mehreren Metern überwunden werden. Im Innern gibt es zudem keinen Funkempfang. Kontakt hatten die Einsatzkräfte lediglich mit einem der Guides, der auch gegen 10.30 Uhr den Notruf abgesetzt hatte.
Bergung der Leiche gestaltete sich langwierig
Auch die Bergung der Leiche gestaltete sich aufwändig und langwierig. Die Bergung war laut Polizei am Freitag erst gegen 21.00 Uhr abgeschlossen gewesen.
Nach dem Einsatz werde es auch noch einmal eine Überprüfung aller Abläufe der Rettungsaktion und der Bergung geben, sagte Docimo. Eigentlich sei aber alles so gelaufen, wie es aufgrund des seit diesem Jahr geltenden Einsatzplanes hätte laufen sollen. Es gebe generell bereits Überlegungen, Kontingente für Höhlenbesucher einzuführen. Bisher seien pro Jahr mit geführten Touren 1.500 bis knapp 2.000 Menschen in der Höhle gewesen.
Höhle soll auch als Biotop geschützt werden
Dieses Jahr werden es aber weniger sein, wie Docimo sagte. Es seien nun nur noch zwei gewerbliche Tourenanbieter für die Höhle zugelassen. Es gehe auch darum, die Höhle als Biotop zu schützen, sagte der Bürgermeister. So sei etwa ein Thema, dass Menschen am Lehm in den Wänden Zeichnungen oder Fingerabdrücke hinterließen. Dieser sei natürlich auch ein Lebensraum für Lebewesen.
Grundsätzlich gebe es bereits auch Überlegungen, Hinweisschilder anzubringen, sagte Docimo. Seit 2018 ist der Zugang zur Falkensteiner Höhle wegen der Gefahr plötzlicher Hochwasser offiziell verboten und nur mit Ausnahmegenehmigung der Gemeinde Grabenstetten möglich. Dies hat die Gemeinde auch öffentlich bekannt gemacht, wie Docimo sagte. «Zutritt verboten»-Schilder an der Höhle gebe es allerdings nicht.
Allerdings hätten etwaige Hinweisschilder bei der Gruppe am Freitag auch nicht geholfen. «Es waren ja top ausgebildete Guides mit dabei, die kennen die Höhle in- und auswendig, die sind aus der Region.»
Beliebte Höhle auf der Schwäbischen Alb
Die Schwäbische Alb ist für ihre Höhlen bekannt - die Falkensteiner Höhle ist dabei besonders beliebt. Der Eingang wirkt wie ein Schlund in einer Wand aus Stein, im kilometerweiten Innern ist es stockdunkel, verwinkelt und nass. Denn die Höhle ist eine «aktive Wasserhöhle», aus der der Fluss Elsach ins Freie entspringt.
Laut Stadtverwaltung handelt es sich um eine sogenannte wilde Höhle. Sie ist nicht das erste Mal Schauplatz eines großen Rettungseinsatzes. Zuletzt waren im vergangenen Mai zwei Männer vom Wasser überrascht und eingeschlossen worden.
Spektakuläre Rettung vor einigen Jahren
Für bundesweite Schlagzeilen sorgte eine Rettungsaktion in der Höhle vor sieben Jahren. Im Sommer 2019 waren ein Führer und sein Kunde aus der Höhle gerettet worden. Nach starken Regenfällen saßen sie etwa 650 Meter vom Höhleneingang entfernt fest, weil der Rückweg durch den starken Wasseranstieg in der Höhle versperrt war. Erst nach 24 Stunden konnten sie aus der Höhle gebracht werden.
Um eine Genehmigung zum Betreten der Höhle zu erhalten, müssten Höhlengänger nachweisen, dass sie selbst oder der Touranbieter eine Versicherung haben, die Bergungskosten übernehme, sagte der Rathauschef. Die Gemeinde habe eine entsprechende Verordnung nach der Rettung eines Mannes aus der Falkensteiner Höhle im Jahr 2015 eingeführt. Die Gruppe am Freitag hatte demnach die entsprechende Genehmigung.
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