Nach einem tödlichen Streit mit dem 78 Jahre alten Nachbarn um den Dreck in der Waschküche ist ein Mann in Stuttgart zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart warf dem 30 Jahre alten Angreifer Körperverletzung mit Todesfolge vor.
Die beiden Männer hatten zeitweise als Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in Stuttgart gelebt. Nach Mietrückständen und Streitigkeiten war die Familie des Angeklagten ausgezogen – im vergangenen September kehrte er jedoch zurück, um Waschmaschine und Kinderwagen im Keller abzuholen. Dabei traf er auf den Rentner und geriet in Streit, weil er die Waschküche dreckig hinterlassen haben soll und nicht putzen wollte.
Laut Gericht schlug er seinen Nachbarn so wuchtig ins Gesicht, dass dieser rückwärts stürzte und mit dem Hinterkopf aufschlug. Knapp zwei Wochen später starb der 78-Jährige an den Folgen eines Schädelhirntraumas.
Angeklagter beruft sich auf Notwehr
Den Schlag räumte der türkische Angeklagte ein, er stellte ihn aber als Notwehr dar: Der Rentner habe ihn rassistisch beleidigt und mit einem Besen geschlagen. Das Gericht wertete das als Schutzbehauptung, zumal er in früheren Verfahren bereits ähnlich argumentiert haben soll. Er habe nicht aus Verteidigung gehandelt, sondern «aus Verärgerung».
Bereits mehrfach vorbestraft
Die Tat sei dem Angeklagten nicht «persönlichkeitsfremd», betonte der Vorsitzende Richter. Elf Vorstrafen, viermal wegen Körperverletzung, liegen gegen ihn vor – zum Tatzeitpunkt stand er unter Bewährung. Bewährungsgespräche und Anti-Aggressionstraining habe er gleichermaßen ignoriert, sagte der Richter. Abgesehen vom eingeräumten Schlag schenkte das Gericht seinen Aussagen insgesamt «keinen Glauben». Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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