Halloween
Zwischen Schokolade und Zucker entdeckten Kinder spitze Metallteile.
Armin Weigel/dpa
Baden-Württemberg
Nadeln in Süßigkeiten - der Schrecken nach Halloween

Mit Monstern vor der Haustür rechnen Eltern an Halloween. Mit gefährlichen Nadeln in den Naschereien ihrer Kinder kaum. Genau solche Funde melden nun Familien vielerorts in Deutschland. Zwischen Schokolade und Waffelschnitten steckten Schrauben, Nägel und andere Metallteile. Die Polizei ermittelt - und rät zur Vorsicht. Was Eltern jetzt wissen müssen. 

Was ist genau passiert?

Tausende Kinder sind in ganz Deutschland am Samstagabend in gruseligen Kostümen ausgeströmt, um an Türen zu klingeln und Süßigkeiten zu ergattern. Der eigentliche Schrecken kam für einige Familien aber erst beim Auspacken der Beute: Sie fanden gefährliche Metallgegenstände in ihren Süßigkeiten. Betroffen sind den Berichten zufolge verschiedene Süßwaren, darunter Schokoriegel, Kaubonbons, Weingummi und Waffelschnitten. 

Metallnadel in Halloween-Süßigkeit
Die Polizei rät, Fremdkörper möglichst nicht selbst herausnehmen, damit Spuren erhalten bleiben.
Polizeiinspektion Unstrut-Hainich/dpa

Fälle wurden gemeldet aus Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Auch in drei Landkreisen Sachsen-Anhalts wurden Metallstücke in Süßigkeiten entdeckt. Einen Fall gab es auch in Österreich. 

Welche Gegenstände befanden sich in den Süßigkeiten?

In Filderstadt bei Stuttgart fanden zwei Familien mehrere Nadeln in zwei Milch-Haselnuss-Schnitten. Sie waren laut Polizei von außen nicht sichtbar. Im bayerischen Landshut steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Süßigkeiten - einem Schokoriegel und zwei Kaubonbons - jeweils eine Nähnadel. Nadelfunde meldete die Polizei auch aus Nürnberg und Neuburg sowie aus dem thüringischen Leinefelde-Worbis und Herbsleben. Im Kreis Konstanz enthielten einzeln verpackte Waffelschnitten metallische Fremdkörper. 

Halloween - Süßigkeit mit Nadel entdeckt
Von außen wirken die Süßigkeiten unauffällig, innen stecken Nadeln.
---/Polizei Hannover/dpa

In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn bekommen hatte. Versteckt in dem Riegel fand er schließlich eine spitze Nadel. Andernorts in Essen wurden Metallstifte in einem Schokoriegel und in einer Tüte mit Weingummi entdeckt.

Wurden Kinder verletzt?

Bislang berichtete die Polizei von keinen Verletzungen durch die entdeckten Fremdkörper. In den geschilderten Fällen wurden die Metallteile bemerkt, bevor die Kinder die Süßigkeiten aßen. Aus den einzelnen Meldungen lässt sich aber noch keine abschließende bundesweite Bilanz ableiten. Inwieweit noch viel mehr Süßigkeiten an weiteren Orten betroffen sind, ist bislang unklar. 

Spitze oder scharfe Gegenstände können beim Verschlucken schwere innere Verletzungen verursachen, etwa Verletzungen der Speiseröhre, des Magens oder des Darms - das kann schnell zu akuter Lebensgefahr führen. Besteht der Verdacht, dass ein Kind etwa eine Nähnadel verschluckt hat, sollten Eltern sofort ärztliche Hilfe suchen. Das rät etwa die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder.

Wer und was steckt dahinter? 

Bislang weiß man wenig über die Hintergründe. Vielerorts geht die Polizei davon aus, dass die Nadeln absichtlich in die Süßigkeiten gesteckt wurden. Wer dahintersteckt und aus welchem Motiv, ist offen. Ebenso ist völlig unklar, ob ein Zusammenhang zwischen den Funden in den verschiedenen Regionen Deutschlands besteht. 

Ein weiterer Fall passt zudem nicht ohne Weiteres zum Süßigkeitensammeln: In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei einem Lebensmittelhändler gekauft hatte. Verpackung und Riegel hätten keine erkennbaren Hinweise auf eine Manipulation gezeigt. Auch hier sind die Hintergründe unklar.

Gab es solche Fälle schon früher?

Ja. Auch in den vergangenen Jahren wurden in Deutschland Metallgegenstände in Halloween-Süßigkeiten gefunden. 2025 entdeckte eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet ist aber sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar. 

Wie ermittelt die Polizei?

Einige Polizeistellen ermitteln wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Keine einfache Aufgabe: Wer an zahlreichen Haustüren klingelt, weiß später häufig nicht mehr, woher welcher Riegel stammt. Für die Ermittlungen können aber Hinweise der Familien und Spuren an Süßigkeit, Verpackung und Fremdkörper wichtig sein.

Verdächtige Süßigkeiten sollten nicht gegessen, sondern einschließlich der Verpackung aufbewahrt und dem örtlichen Polizeirevier gemeldet werden, teilt die Polizei in Konstanz mit. «Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um vorhandene Spuren zu erhalten.» 

Wie erkenne ich gefährliche Süßigkeiten? 

Viele Polizeistellen warnen nun vor dem arglosen Verzehr der Halloween-Süßigkeiten - und raten zur sorgfältigen Kontrolle. Von der Polizei Essen heißt es etwa: «Bitte überprüfen Sie vor dem Verzehr die Süßigkeiten auf mögliche Einstichstellen und nehmen Sie bei verdächtigen Feststellungen umgehend Kontakt zur Polizei auf.» Hinweise können auch beschädigte Verpackungen, auffällige Verformungen oder ein ungewöhnlicher Geruch der Süßigkeiten sein.

Eine unauffällige Hülle ist allerdings noch keine Garantie: Nicht immer sind die metallischen Gegenstände von außen zu erkennen, wie die Polizei warnt. Zugleich warnen die Behörden vor Panik: «Nicht jeder Kopfschmerz oder jede Übelkeit muss auf den Verzehr von möglicherweise manipulierten Süßigkeiten zurückzuführen sein», schreibt etwa die Polizei Bad Segeberg.

© dpa-infocom, dpa:261102-930-930303/1

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