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Vier Männer hatten bei Karlsruhe ein Jahr lang immer wieder Hindernisse wie dieses Nagelbrett auf Straßen gelegt, die Auto- und Motorradfahrer hätten töten können. 
Vier Männer hatten bei Karlsruhe ein Jahr lang immer wieder Hindernisse wie dieses Nagelbrett auf Straßen gelegt, die Auto- und Motorradfahrer hätten töten können.  © dpa/Polizei
12.11.2012

Nagelbrett und Gullydeckel auf Straße: Mordversuch?

Sie sollen nachts Betonbrocken, ein Nagelbrett und einen Gullydeckel auf die Straße gelegt oder Öl auf die Fahrbahn geschüttet haben - vier Männer aus dem Landkreis Karlsruhe müssen sich vom kommenden Mittwoch an vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen mehrfachen versuchten Mord und Brandstiftung vor.

Die Angeklagten im Alter zwischen 22 und 30 Jahren waren im März gefasst worden. Sie sollen ein Jahr lang ihr Unwesen getrieben haben. Es gab zahlreiche Unfälle, bei denen nach Auskunft der Ermittler «wie durch ein Wunder niemand verletzt wurde». Als Motive gaben die Männer Imponiergehabe und den Reiz des Nicht-Erwischtwerdens an.

Laut Anklage haben die Männer 19 Mal Hindernisse auf Straßen im nördlichen Landkreis Karlsruhe und im südlichen Rhein-Neckar-Kreis gestellt - neben dem 30 Kilogramm schweren Gullydeckel sowie Betonbrocken auch Fernsehgeräte, Sockel von Verkehrsschildern, einen Zementsack und ein dunkel lackiertes Brett mit 29 herausstehenden Schrauben.

Ein anderes Mal hatte die Bande nach Überzeugung der Ermittler in einer Kurve mehrere Liter Altöl ausgeschüttet und im Winter Eisplatten erzeugt. «Ein Motorradfahrer hätte keine Chance gehabt», erinnert sich ein Polizist.

Der Gruppe werden außerdem zehn Brandstiftungen zur Last gelegt. Die Männer sollen unter anderem einen Bagger und einen Linienbus sowie mehrere Autos und 120 Strohballen angezündet haben. Der Schaden summiert sich nach Schätzungen auf mehr als 100.000 Euro.

Ein Polizist beschreibt die große Erleichterung der Beamten, als die mutmaßlichen Täter gefasst wurden: «Das gehörte schon zu den heftigsten Fällen in meinem Berufsleben.» Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind die «heimtückischen Angriffe mit bedingtem Tötungsvorsatz» nichts anderes als versuchter Mord. Die Hindernisse und glatten Stellen hätten für Kraftfahrer «nicht vorhersehbare und nicht kontrollierbare extreme Unfallrisiken» bedeutet. pol