Opernhaus des Staatstheaters Stuttgart
Der Littmann-Bau, Spielstätte der Württembergischen Staatstheater für Oper und Ballett, soll aufwendig saniert werden.
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Littmann Bau soll saniert werden
Wird die Stuttgarter Oper saniert oder nicht? Das ist offener denn je.
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Sanierung des Stuttgarter Opernhauses
Der denkmalgeschützte Littmann-Bau ist überaus baufällig.(Archivbild)
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Baden-Württemberg
Neubau der Stuttgarter Oper: Chance oder neues Großrisiko?

Eigentlich sind sich alle einig: Der Stuttgarter Littmann-Bau, Heimat von Oper und Ballett, muss saniert werden. Dringend. Es regnet durchs Dach, die Räume sind zu eng, für manche Sicherung gibt es längst keinen Ersatz mehr. Und trotzdem ist die Stuttgarter Oper wieder zum Zankapfel geworden. Denn niemand weiß genau, was die Sanierung Stadt und Land am Ende kostet - und die öffentlichen Kassen würden durch ein milliardenschweres Projekt enorm belastet.

Jahrelang stand fest: Oper und Ballett sollten für rund zehn Jahre in ein teures, noch zu bauendes Interim umziehen, während der denkmalgeschützte Littmann-Bau saniert wird. Nun aber liegt ein neuer Vorschlag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) auf dem Tisch: Das milliardenschwere Sanierungsprojekt soll noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden. Passt alles? Oder muss etwas neu gedacht werden?

Trotz jahrelanger Planungen und Ausgaben stellt sich nun die Frage neu: Soll Stuttgart sein historisches Opernhaus aufwendig fit für die Zukunft machen - oder lieber an anderer Stelle neu bauen?

Was spricht für einen Neubau?

Da wäre zunächst die planerische Freiheit. Bühnenräume, Werkstätten, Proberäume, Anlieferung und Technik ließen sich komplett neu denken, zugeschnitten auf den heutigen und künftigen Theaterbetrieb. Gerade für große Produktionen und das Ballett wäre das ein Gewinn.

Moderne Bühnen- und Veranstaltungstechnik ließe sich flexibler einsetzen, Arbeitsabläufe besser aufeinander abstimmen, Barrierefreiheit von Anfang an mitdenken. Eine effizientere Gebäudestruktur würde langfristig auch Betriebs- und Instandhaltungskosten senken. Offene Foyers und Veranstaltungsräume könnten zudem Angebote jenseits des Spielbetriebs schaffen.

Ein Neubau wäre aber nicht nur eine Frage der Architektur, sondern des gesamten Arbeitsalltags. In einem Opernhaus arbeiten Sängerinnen und Sänger, Tänzerinnen und Tänzer, Musiker, Bühnenhandwerker, Techniker, Verwaltung und Vermittlung zusammen. Für sie ist deshalb die entscheidende Frage nicht allein, ob das Haus schön und historisch wertvoll ist - es muss auch funktionieren. Ein Opernhaus ist schließlich kein Museum. 

Ein Neubau könnte Wege hinter der Bühne verkürzen, Werkstätten besser anbinden und die Arbeitssicherheit verbessern - bessere Bedingungen für die Beschäftigten, mehr Komfort fürs Publikum.

Bei einer Sanierung dagegen müssten die Staatstheater mit der vorhandenen Bausubstanz zurechtkommen. Das kann zu Kompromissen führen: Nicht alles, was in einem Neubau selbstverständlich wäre, lässt sich im Littmann-Bau ebenso einfach verwirklichen. Und auch die Sanierung eines historischen Großgebäudes ist weder schnell noch billig - Überraschungen in der Bausubstanz können die Planung zusätzlich erschweren.

Und was würde dagegen sprechen?

Die Vor- und Nachteile eines Neubaus haben Stadt und Land, Bauverwaltungen und Staatstheater bereits jahrelang abgewogen. Billiger muss es aus Sicht der Stadt jedenfalls nicht werden: Bereits 2019 kam sie in einer Beispielrechnung für einen fiktiven Neubau auf Gesamtkosten von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Die verantwortliche Projektgesellschaft ProWST argumentiert auch heute noch: «Ein Neubau wäre laut Gutachten teurer, zudem konnte kein geeigneter Standort gefunden werden.»

Der Littmann-Bau würde durch einen Neubau ohnehin nicht verschwinden - er steht unter Denkmalschutz und müsste deshalb trotzdem erhalten und saniert werden. Stadt und Land zahlten dann gleich für zwei Gebäude: ein neues Opernhaus und ein Kulturdenkmal mit offener Nutzung. Hinzu kämen Kosten für Standort und Infrastruktur. Günstiger oder schneller wäre ein Neubau also keineswegs automatisch.

Auch Streit um Flächen und Bürgerbeteiligung wäre programmiert. Ein Neubau würde in gewachsene Stadtbereiche eingreifen und müsste ökologisch wie sozial vertretbar sein - die Debatte würde sich schnell um Stuttgarts knappe Flächen und Mittel drehen. Die Erfahrung großer Stuttgarter Bauprojekte wie Stuttgart 21 zeigt, wie schnell Fragen von Kosten, Standort und Bürgerbeteiligung zu grundsätzlichen Konflikten über die Entwicklung der Stadt werden können. Die Oper wäre dann nicht mehr nur Kulturprojekt, sondern Symbol für die Frage, welche Prioritäten die Stadt setzen will.

Hinzu kommt der Zeitfaktor: Ein Neubau würde den bereits deutlich verspäteten Bautermin noch weiter hinauszögern, weil das Projekt erst entworfen und ausgeschrieben werden müsste. «Wir befürchten schon jetzt eine Fortsetzung der Endlosschleife», sagt Thomas Herrmann von der Architektenkammer Baden-Württemberg. Auch die fünf Stuttgarter Kammergruppen positionieren sich in einer gemeinsamen Stellungnahme klar: «Der sogenannte Littmann-Bau muss die zentrale Spielstätte für Oper und Ballett bleiben.» Er sei ein akustisch und atmosphärisch erstklassiges Opernhaus.

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