Wer bei den Länderchefs auf einen großen Verbrenner-Dienstwagen mit viel PS tippt, liegt zumindest bei Cem Özdemir (Grüne) daneben. Der baden-württembergische Ministerpräsident ist mit einer Elektro-Dienstlimousine unterwegs - und fährt damit laut einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) den klimafreundlichsten Wagen unter den Regierungschefs der Länder. Özdemirs vollelektrischer Mercedes-Benz EQS 580 4MATIC kommt demnach auf 66 Gramm CO2 je Kilometer. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) folgt mit 67 Gramm knapp dahinter.
In der Gesamtwertung der Landesregierungen erhält Baden-Württemberg allerdings eine Gelbe Karte. Damit landet das Ländle im Ländervergleich hinter Berlin auf dem zweiten Platz. Eine Grüne Karte gibt es für keine der Landesregierungen. Die DUH wertet Fahrzeuge mit höchstens 93,6 Gramm CO2 je Kilometer als grün, bis 112,3 Gramm als gelb und darüber als rot.
Schon Kretschmann landete auf dem ersten Platz
Auch schon der frühere Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ließ sich im Elektro-Dienstwagen rumkutschieren und landete mit seinem Fahrzeug 2022 auf dem ersten Platz. Seinen aktuellen Dienstwagen hat Özdemir laut Staatsministerium von seinem Vorgänger übernommen.

Baden-Württemberg, seit vielen Jahren grün-geführtes Bundesland, schnitt in der Emissions-Analyse nicht immer gut ab. Im Dezember 2019 lagen die Mitglieder der damaligen grün-schwarzen Landesregierung im Vergleich der Minister aller Bundesländer beim durchschnittlichen CO2-Ausstoß mit 244 Gramm pro Kilometer noch auf dem vorletzten Platz.
Für Baden-Württemberg gab es damals mit durchschnittlich 198 Gramm CO2 pro Kilometer die Rote Karte. Ein klimafreundlicherer Strommix könne bei gleichbleibender Flotte zu einem besseren Ergebnis führen, hieß es von der Umwelthilfe. Zudem spiele auch bei gleichen Modellen die Ausstattung und das Zulassungsdatum eine Rolle. Im baden-württembergischen Kabinett sind laut Umwelthilfe fast alle elektrisch unterwegs, es gibt nur zwei Verbrenner und zwei Plug-in-Hybride.
Am höchsten liegt der Wert bei Innenminister Manuel Hagel (CDU): Sein Dienstwagen kommt laut DUH auf 261 Gramm CO2 je Kilometer. Bei seinem Benziner Audi A8 L Security handelt es sich um eine sondergeschützte, also gepanzerte Limousine. Diese Fahrzeuge sind besonders schwer, entsprechend liegt ihr Kraftstoffverbrauch höher. Auf dem vorletzten Platz landet Verbraucherschutzministerin Marion Gentges (CDU) mit 196 Gramm CO2 pro Kilometer mit ihrem Diesel.
Diese Regierungschefs gehören zu den Schlusslichtern
Die Deutsche Umwelthilfe schaut regelmäßig Politikern in die Garage und rechnet aus, wie umweltschädlich deren Dienstwagen sind. 160 von 249 der Wagen bekamen diesmal eine Rote Karte. Zu den Schlusslichtern unter den Länderchefs gehören SPD-Politikerin Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und die beiden CDU-Politiker Kai Wegner (Berlin) und Hendrik Wüst (NRW).
Die Wagen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und einigen anderen Bundesministern wurden wie bereits in den vergangenen Jahren wegen ihrer besonders schweren Panzerung nicht gewertet.
Umweltministerin mit Fahrrad besonders gelobt
Im Kreis der Umweltminister von Bund und Ländern erwähnt die Umwelthilfe Bremens Umweltsenatorin Henrike Müller lobend: Die Grüne sei mit einem Dienstrad unterwegs. Auch Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker bekommt für ihr Elektro-Fahrzeug die Grüne Karte. Bei der Auswertung nach Parteien liegen die Grünen vorn.
Zur Methodik erklärt die DUH: «Der 20. Dienstwagen-Check der DUH beruht auf einer Abfrage im Zeitraum von Januar bis Juni 2026. Amtsträgerinnen und Amtsträger, die nach Abschluss der Befragung das Amt gewechselt haben oder ausgeschieden sind, wurden nicht berücksichtigt. Dasselbe gilt für Neubesetzungen außerhalb des Befragungszeitraums.»
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