Das erste Europapokal-Finale des SC Freiburg wird sich Vereinsikone Nils Petersen nicht entgehen lassen. Wie der jahrelange Kulttrainer Christian Streich oder der frühere Club- und DFB-Präsident Fritz Keller wird auch der einstige Topjoker am Mittwoch (21.00 Uhr/RTL) beim Europa-League-Endspiel gegen Aston Villa im Istanbuler Besiktas-Stadion mitfiebern. Dass er beim größten Spiel der Vereinshistorie nicht mehr selbst mitspielt, bedauert der 37-Jährige nach eigenen Worten nicht.

Ex-Torjäger kickt noch in der Kreisliga
«Nun bin ich schon drei Jahre raus, der Kader ist qualitativ in dieser Zeit noch mal derartig verbessert worden, dass ich keine Chance mehr hätte auf diesem Niveau. Das darf man dann auch gern mal einsehen», sagte Petersen, der noch für die zweite Mannschaft der Sportfreunde Oberried in der Kreisliga kickt, der Deutschen Presse-Agentur.
«Hätte ich im vergangenen Jahr aufgehört, würde ich mich über das knappe Verpassen dieses Höhepunkts vermutlich etwas ärgern», sagte Petersen. Nun sei er dankbar, «zum Grundstein des jetzigen Erfolgs beigetragen zu haben».

Abschied vom jahrelangen Understatement
Beim bisher einzigen nationalen Endspiel der Freiburger im DFB-Pokal 2022, das gegen RB Leipzig im Elfmeterschießen verloren ging, war Petersen als Joker dabei. Dass der Sport-Club vier Jahre später die Chance auf den zweitwichtigsten europäischen Vereinstitel hat, damit hätte der Ex-Profi nicht gerechnet. Die Entwicklung sei «rasant». Im Falle eines Coups gegen den Premier-League-Favoriten Aston Villa müsste sich der SC «wohl oder übel von seinem traditionellen Understatement verabschieden», meinte Petersen.
«Seit jeher war die Denkweise: Nur nicht absteigen. Nach dem zweiten Finale in vier Jahren, der erneuten Qualifikation für die internationalen Plätze steigen womöglich Anspruch, Selbstbewusstsein und Erwartungshaltung», erklärte Petersen. «Jetzt darf es dann auch mal ein Titel sein.»

Großes Lob für Streich-Nachfolger Schuster
Ein Erfolgsfaktor ist Cheftrainer Julian Schuster, der die Erfolge von Streich nun sogar toppt. Dass Schuster die riesigen Fußstapfen «so schnell und scheinbar selbstverständlich» ausfülle, war für Petersen nicht absehbar. «Er holt aus dieser Mannschaft mehr heraus, als von der Papierform möglich ist im Vergleich zu anderen Kadern», urteilte er über seinen Ex-Mitspieler. «Sein Ehrgeiz, sein Hunger, sein Wille sind außergewöhnlich». Wird dies den SC zum Titel führen?
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