Sie sollen Schutzgelder gefordert und Feuer gelegt haben: Hinter mehreren Bränden im Frühsommer in Mannheim steht nach Ansicht der Ermittlungsbehörden die international agierende kriminelle Organisation «Daltons». «Diese gilt als besonders gewaltbereit und rekrutiert oftmals gezielt junge Täter, weshalb sie in den sozialen Medien vielfach auch als "Gen-Z-Mafia" bezeichnet wird», teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei Mannheim mit. Die Tatverdächtigen sollen bundesweit aktiv gewesen sein.
Die Brandstiftungen standen demnach im Zusammenhang mit Schutzgeldforderungen gegenüber türkischen und türkischstämmigen Geschäftsleuten in Mannheim und Umgebung. Bisher wurden laut den Ermittlern sechs Verdächtige in Mannheim, Frankfurt, Duisburg, Borna bei Leipzig und Leipzig festgenommen. Alle sollen ausführende Akteure gewesen sein, die im Auftrag der «Daltons» gehandelt haben.
Organisation «Daltons» stammt ursprünglich aus der Türkei
Die «Daltons», die auch in Berlin aktiv sind, sind laut dem Journalisten und Autor Osman Cakli eine von zahlreichen Straßenbanden der «neuen Generation» aus der Türkei. Diese sind demnach durch Erpressung, Drogen- und Waffenschmuggel erstarkt. Die «Daltons» waren im 19. Jahrhundert eine kriminelle Bande im Wilden Westen sowie später die Gangster-Brüder in den «Lucky Luke»-Comics.
Die festgenommenen Männer zwischen 18 und 29 Jahren kamen unter anderem wegen des Verdachts der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung, der versuchten schweren Brandstiftung sowie des illegalen Führens einer Schusswaffe in Untersuchungshaft, wie es weiter in der Pressemitteilung hieß. Bei neun Durchsuchungen bundesweit wurden demnach unter anderem scharfe Schusswaffen und Munition sichergestellt.
Fünf- bis siebenstellige Beträge wurden gefordert
Seit März war es laut den Ermittlern zu zahlreichen Schutzgeldforderungen gegenüber türkischen und türkischstämmigen Geschäftsleuten in Mannheim und Umgebung gekommen. Dabei sei es um fünf- bis siebenstellige Beträge gegangen. In den gemeldeten Fällen sollen demnach keine Zahlungen geleistet worden sein.
Von den Brandstiftungen war unter anderem im April eine Shishabar im Mannheimer Zentrum betroffen. Zudem wurde im Juni auf einen Imbiss ebenfalls in der Innenstadt geschossen. Im Juni wurde zudem ein Brand an einem Firmen- und Wohnkomplex im rund 20 Kilometer entfernten Hockenheim gelegt.
Taten in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg
Auch bei weiteren Taten geht es laut den Ermittlern um Schutzgeldforderungen: Zwei der Tatverdächtigen sollen auch Ende April im rheinland-pfälzischen Worms ein Wohn- und Gewerbeanwesen in Brand gesetzt haben. Zudem besteht gegen sie ein Verdacht wegen einer Brandstiftung an einem Wohnhaus und einem Fahrzeug in Küps (Bayern), einer Schussabgabe auf einen Gewerbebetrieb im Raum Rottweil sowie einer Schussabgabe auf ein Juweliergeschäft und einer Brandstiftung an einem Imbissbetrieb in Köln (Nordrhein-Westfalen).
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen der beim Polizeipräsidium Mannheim eingerichteten Besonderen Aufbauorganisation Carré (BAO Carré) sitzt zudem ein 48-Jähriger in Untersuchungshaft. Er steht demnach im dringenden Verdacht, als «Trittbrettfahrer» der Organisation «Daltons» - also unabhängig davon - versucht zu haben, einen Geschäftsinhaber türkischer Herkunft in Mannheim zu erpressen.
Ermittler raten dringend von Schutzgeldzahlungen ab
Die Ermittlungen dauern laut den Behörden an. Sie weisen darauf hin, dass sich Schutzgelderpressungen dieser Art nach bisherigen Erkenntnissen vor allem gegen bargeldintensive Branchen wie das Gaststättengewerbe, Barbershops oder den Autohandel richten. «Die Täterseite versucht, ihren Forderungen regelmäßig durch massive Einschüchterung Nachdruck zu verleihen, etwa durch Drohungen gegen Familienangehörige oder das Vortäuschen umfassender Kenntnisse über die persönlichen Lebensumstände der Betroffenen.» Von Zahlungen werde dringend abgeraten.
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