Ein Mensch verschwindet spurlos. Kein Abschied, keine Erklärung, oft nicht einmal ein letztes Lebenszeichen. Zurück bleiben offene Fragen, quälende Ungewissheit und Angehörige, die auf Antworten warten. In Baden-Württemberg gibt es einige solcher bis heute ungeklärten Vermisstenfälle.
Der momentan wohl bekannteste Fall ist der von Scarlett Salice. Die damals 26-Jährige aus dem ostwestfälischen Bad Lippspringe verschwand vor sechs Jahren beim Wandern im Südschwarzwald. Eine Überwachungskamera in einem Supermarkt in Todtmoos (Landkreis Waldshut) hielt sie ein letztes Mal fest. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen konnte Scarlett bislang nicht gefunden werden. Rund zweieinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden wurde das eingeleitete Todesermittlungsverfahren wieder eingestellt.
Die Hintergründe des Verschwindens seien zwar weiterhin unklar, es hätten sich aber keine Anhaltspunkte für ein Gewaltverbrechen ergeben, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Der Fall wurde unter anderem in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY… Vermisst» vorgestellt und beschäftigt bis heute ein breites Netzwerk ehrenamtlicher Helfer, die regelmäßig weitersuchen.
Scarletts Vater gibt nicht auf
Scarletts Vater Ralf Salice hat bis heute nicht aufgegeben, Klarheit zum Verbleib seiner Tochter zu bekommen. Er schwanke zwischen Hoffnung und Befürchtung, dass man seine Tochter noch finden könne, sagte er jüngst in «BZ am Ohr», einem Podcast der «Badischen Zeitung». Trost sei ihm neben der Unterstützung durch die vielen Freiwilligen auch der intensive Austausch mit der Polizei. Vor allem mit einem Kommissar stehe er in direkter Verbindung. «Wenn ich schreibe, bekomme ich meist direkt Antwort. Für ihn ist der Fall ja auch nicht abgeschlossen», sagte Salice.

Vor rund anderthalb Wochen war Salice erneut an einer Suche nach Scarlett im Südschwarzwald beteiligt - er reise dafür mehrmals im Jahr aus Paderborn nach Todtmoos an. An diesem Dienstag ist zudem Scarletts 33. Geburtstag.
Wie sich die Zahlen vermisster Personen entwickeln
Generell würden sich rund 50 Prozent aller gemeldeten Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche erledigen, schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) auf seiner Website. Binnen eines Monats liege die Quote schon bei mehr als 80 Prozent. Die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr verschwunden blieben, bewege sich bei lediglich 3 Prozent, heißt es dort.
Besonders bekannte Vermisstenfälle im Südwesten
Großes öffentliches Aufsehen erregen traditionell Fälle, in denen Kinder verschwinden. Seit Januar 2006 wird Felix H. aus Oftersheim im Rhein-Neckar-Kreis vermisst. Er war zum Zeitpunkt seines Verschwindens gerade einmal zweieinhalb Jahre alt und wurde nach einem Wochenendbesuch bei seinem Vater nicht mehr zu seiner Mutter zurückgebracht.
Wenige Wochen später fand man seinen Vater tot in einem Waldgebiet beim Wiedenfelsen zwischen Bühlertal und Sand (Landkreis Rastatt). Von Felix selbst fehlt bis heute jede Spur. Für das Landeskriminalamt (LKA) ist der Fall dennoch nicht abgeschlossen: Anhand vorhandener Fotos gelang es den Ermittlern, mittels sogenannter Age-Progression ein Bild zu erstellen, das zeigt, wie Felix als 17-Jähriger aussehen könnte. Auch dieser Fall wurde bereits bei «Aktenzeichen XY… Vermisst» ausgestrahlt.
Vermutliches Gewaltverbrechen: Armin L.
Seit dem 28. Dezember 2014 fehlt jede Spur von Armin L., der zum Zeitpunkt seines Verschwindens 49 Jahre alt war. Die Polizei geht in diesem Fall von einem Gewaltverbrechen aus. Der Mann betrieb in Magstadt im Landkreis Böblingen eine Autowerkstatt.

Die ältesten Fälle in den Polizeisystemen
Der älteste in Baden-Württemberg erfasste Fall mit aktiver Vermisstenfahndung in den polizeilichen Systemen ist aus dem Jahr 1965. Der älteste Fall eines vermissten Kindes in der Datenbank des Landeskriminalamts reicht bis ins Jahr 1974 zurück: Die elfjährige Liane war damals mit dem Fahrrad unterwegs, als sie in Pforzheim verschwand. Ihr Rad fand man auf einem Parkplatz.
Der Fall Lothar Demel
Auch außerhalb Baden-Württembergs sorgt ein Fall mit Bezug zum Land bis heute für Rätselraten: Am 28. Oktober 2000 brechen der damals 37-jährige Vater Lothar Demel aus Heidenheim an der Brenz und ein Freund zu einem Schießwettbewerb nach Traunstein in Bayern auf. Auf der Rückfahrt besteht Demel darauf, in der Augsburger Innenstadt auszusteigen und verabredet sich für den nächsten Morgen mit seinem Begleiter - taucht aber nicht mehr auf. Sein Handy hat er zwar bei sich, eine Ortung gelingt jedoch nicht.
Die Polizei ermittelt bis heute in alle Richtungen und hält ein Verbrechen für wahrscheinlich. Von besonderem Interesse seien Personen, mit denen Demel zwischen dem 27. und 28. Oktober 2000 in Kontakt gestanden habe. Auch dieser Fall wurde vergangenen November bei «Aktenzeichen XY… Ungelöst» vorgestellt. Gesucht werden nach wie vor Zeugen, die sich an seinen Aufenthalt beim Schießwettbewerb in Traunstein sowie an den Abend und die Nacht in Augsburg erinnern können.
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