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Im Blick der Polizei: Mitglieder der türkischen Rockergruppe „Osmanen Germania“ bei einem Treffen. Foto: dpa
Im Blick der Polizei: Mitglieder der türkischen Rockergruppe „Osmanen Germania“ bei einem Treffen. Foto: dpa
07.06.2017

Rockerkrieg zwischen Türken und Kurden beunruhigt Landeskriminalamt

Stuttgart. Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) warnt vor einem Wiederaufkeimen der Gewalt zwischen türkischen und kurdischen Rockern. Die Situation habe sich zwar oberflächlich etwas beruhigt, sagte der Inspektionsleiter Organisierte Kriminalität, Ullrich Gruber, in Stuttgart.

„Aber Entwarnung können wir nicht geben. Im Untergrund gibt es weiter die entsprechenden Rivalitäten. Die werden nur aktuell nicht offen ausgetragen. Der Konflikt kann jederzeit wieder aufflammen.“ Im Südwesten stehen sich nationalistische Türken, die sich in der Bande „Osmanen Germania Box-Club“ versammeln, und türkische Kurden in der Gruppierung „Bahoz“ (Sturm) gegenüber. Bei Auseinandersetzungen der beiden Gruppen Ende April vergangenen Jahres in Stuttgart und Ludwigsburg wurden mehrere Menschen verletzt, einige davon schwer. Bundesweit hatte es in der Vergangenheit immer wieder Razzien gegen „Osmanen“-Mitglieder gegeben. Sie seien im Südwesten vor allem im Bereich der Türsteher-Szene aktiv, sagte Gruber.

Nach Erkenntnissen der Polizei ist „Bahoz“ in Teilen aus der inzwischen verbotenen Gruppierung „Red Legion“ hervorgegangen. „Bahoz“ sei aber keine klassische rockerähnliche Gruppierung, sagte Gruber. Ihre Anhänger tragen den Angaben zufolge keine Kutten oder Jacken mit entsprechenden Emblemen. Im Gegensatz zu ihren Widersachern, den „Osmanen“. „Es ist ein neues Phänomen, dass zu den herkömmlichen Revierstreitigkeiten nun auch noch politische Anfeindungen eine Rolle spielen können.“ Die Zahl der „Osmanen“-Anhänger schätzt das LKA stabil auf rund 100 Personen. Im Gegensatz dazu hat sich laut LKA-Ermittler Marc Hetzel 2016 die Zahl der Gruppierung rund um „Bahoz“ von 150 auf 170 Personen leicht erhöht.Es gibt aktuell annähernd 50 Ermittlungsverfahren rund um die Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppierungen. Mehrere Personen sitzen in Untersuchungshaft. Den „Osmanen“ werden laut Medienberichten auch gute Kontakte in die türkische Politik nachgesagt. Gruber sagte: „Es gibt entsprechende Bilder, die ,Osmanen’ und regierungsnahe türkische Personen zeigen. Aber ob eine politische Einflussnahme der Vereinigung aus der Türkei erfolgt, können wir nicht sagen. Dazu haben wir keine Erkenntnisse.“