Im Hintergrund leuchtete sie als Champion 2026 auf der überdimensionalen Leinwand auf, stolz küsste Australian-Open-Siegerin Jelena Rybakina den Pokal für ihren zweiten Stuttgart-Titel. Zwei Jahre nach ihrem ersten Erfolg beim erstklassig besetzten Sandplatz-Turnier setzte sich die Kasachin dank ihres Power-Tennis im Endspiel mit 7:5, 6:1 verdient gegen die Tschechin Karolina Muchova durch.
«Ich liebe es, hierherzukommen», sagte die Weltranglisten-Zweite. Sie genieße die Atmosphäre des Turniers sehr. «Es fühlt sich wirklich wie zu Hause an.»
In einem nur 78 Minuten langen Endspiel musste die frühere French-Open-Finalistin Muchova die Klasse von Rybakina anerkennen, die über weite Strecken zu druckvoll auftrat. Insbesondere wenn der erste Aufschlag kam, geriet Muchova oft erheblich unter Druck. «Ehrlich, einfach zu gut», meinte die Finalistin.
Als Nachfolgerin der lettischen Vorjahressiegerin Jelena Ostapenko wurde Rybakina mit einem Preisgeld von 161.310 Euro und einem Sportwagen des Titelsponsors belohnt. Anders als vor zwei Jahren fuhr sie diesmal bei der Siegerehrung selbst von der Rampe. 2024 hatte sie keinen Führerschein gehabt und auf dem Beifahrersitz Platz genommen. 2025 war sie nicht am Start.
Rybakina erst dominant, dann nervenstark im ersten Satz
Angesichts eines brillanten Beginns im Finale schien es vor 4.400 Zuschauern in der ausverkauften Halle zunächst auf einen souveränen ersten Satzgewinn für die Rybakina hinauszulaufen. Doch die Wimbledon-Siegerin von 2022 erlaubte sich eine kurze Schwächephase, als sie bei 5:3 zum Satzgewinn aufschlug.

Die Weltranglisten-Zwölfte Muchova nahm ihr erstmals den Aufschlag ab und glich wenig später aus. Nervenstark entschied Rybakina den ersten Durchgang dann aber doch noch für sich. Ähnlich wie zu Beginn startete die Topgesetzte auch im zweiten Satz dominant und rauschte selbstsicher zum Sieg.

Rybakina meist cool und emotionslos: «Bin ein eher ruhiger Mensch»
Die 26-Jährige sicherte sich ihren insgesamt 13. Turniersieg. Es war der erste, nachdem sie sich Ende Januar zur Grand-Slam-Siegerin in Melbourne gekürt hatte. Mit einem leichten Lächeln schritt sie zur Gratulation zum Netz. «Ich bin eigentlich ein eher ruhiger Mensch», hatte Rybakina zuvor gesagt.
In ihrem Viertelfinale gegen die Kanadierin Leylah Fernandez hatte sie unüblicherweise kurz die Kontrolle über ihre Emotionen verloren. Zwei Matchbälle hatte sie abwehren müssen, ein Fehler hätte ihre Titel-Hoffnung beendet. Dann war sie mit einem Halbfinalerfolg gegen die Russin Mirra Andrejewa ins Endspiel gestürmt.
Keine deutsche Tennisspielerin im Viertelfinale
Muchova hatte zuvor in Coco Gauff (USA) und Jelina Switolina (Ukraine) zwei Top-Ten-Spielerinnen nacheinander besiegt. Die anfangs fünf deutschen Tennis-Frauen im Hauptfeld des mit gut einer Million Euro dotierten Porsche Grand Prix spielten einmal mehr sportlich nur Nebenrollen. Laura Siegemund und Eva Lys hatten als Einzige für Erstrunden-Siege gesorgt.
Die bisher letzte deutsche Turniersiegerin war die schwäbische Lokalmatadorin Siegemund, als sie 2017 sensationell zum Titel-Coup stürmte. Angesichts der aktuellen Flaute im deutschen Frauen-Tennis deutet nichts darauf hin, dass sich bald wieder eine heimische Teilnehmerin in die Siegerliste eintragen wird. «Da fehlt im Moment noch ein bisschen die Klasse», sagte die Sportliche Leiterin des Turniers, die frühere Weltklasse-Spielerin Anke Huber.
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