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Sie ist 31 Jahre jung, alleinerziehende Mutter und gehört dem linken SPD-Parteiflügel an. Luisa Boos will neue Generalsekretärin der Genossen werden - trotz Altlasten, die die Partei polarisieren.
Sie ist 31 Jahre jung, alleinerziehende Mutter und gehört dem linken SPD-Parteiflügel an. Luisa Boos will neue Generalsekretärin der Genossen werden - trotz Altlasten, die die Partei polarisieren. © dpa
20.10.2016

SPD-Generalsekretärin in spe mit Altlasten: Luisa Boos

Stuttgart. Es war der Irak-Krieg, der für Luisa Boos vor zehn Jahren den Ausschlag gab. Das Nein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) an einer Beteiligung Deutschlands an dem militärischen Konflikt hat sie nachhaltig beeindruckt. «Das war der letzte Anlass, der mich zur Sozialdemokratie gebracht hat», sagt die heute 31-Jährige. Zuvor hatte sie bereits in Emmendingen den Kreisverband der Jusos neu gegründet. An diesem Samstag will Boos beim Parteitag in Heilbronn zur neuen Generalsekretärin der SPD Baden-Württemberg gewählt werden - in deren schlimmsten Krisenzeiten und trotz parteiinterner Kritik, die ihr seit Wochen entgegenschlägt.

Es geht um Vorgänge von 2011/2012. Damals war Boos die Parteilinke als Vize-Chefin der Jusos in dem geschlossenen Forum «Revolutionäre Zelle in BaWü» bei Facebook aktiv, in dem linke Jusos auf üble Weise gegen andere Genossen hergezogen haben. Ein Dossier mit zentralen Aussagen liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin wird deutlich, dass sich Boos durchaus an der Debatte beteiligte und sich nicht von beleidigenden Äußerungen anderer distanzierte. So spricht sie in einem Post von «momentanen Krawallgefühlen» und fragt andere Gruppenmitglieder nach Möglichkeiten, «Aggressionen zu kanalisieren». Darüber hatte Anfang Oktober der «Mannheimer Morgen» berichtet.

Seitdem die designierte Landeschefin Leni Breymaier sie als Generalsekretärin ins Gespräch gebracht hat, hagelt es Kritik gegen Boos. In mehreren Interviews erklärte die Gescholtene, sie bedauere, dass die Situation damals so eskaliert sei. Sie habe daraus gelernt. «Ganz grundsätzlich finde ich es gut, dass die Partei intensiv diskutiert, ob ich die Richtige bin.» Kritiker stellen auch Boos' fachliche Eignung und Erfahrung für das Amt der Generalsekretärin infrage. Breymaier hingegen meint, für Boos spreche, dass diese gut vernetzt sei und die Partei besser als sie selbst kenne.

Als Generalsekretärin will die junge Frau mithelfen, die SPD wieder stark zu machen. «Ich möchte mit offenen Debatten unsere Partei lebendiger machen.» Sie wolle, dass die SPD trotz der nach der Landtagswahl deutlich gesunkenen Zahl der Abgeordnetenmandate in der Fläche präsent bleibe. «Und ich möchte mehrere Parteiebenen miteinander verzahnen und für unsere Politik gesellschaftliche Bündnispartner suchen.» Klar sei zudem für sie, dass die SPD in langen Linien und von den Problemen der Menschen her denken müsse. Sie hofft auf ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund, damit die Politik in den großen Gerechtigkeitsfragen der Gesellschaft weiterkommt.

Boos, die deutsch-bosnische Wurzeln hat, lebt als alleinerziehende Mutter eines Sechsjährigen in Sexau im Landkreis Emmendingen. Seit 2009 arbeitet sie für die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis, die wie sie selbst zum linken Parteiflügel zählt. Zeitweise studierte sie Politikwissenschaft und Soziologie, brachte das Studium aber nicht zu Ende. In ihrer Freizeit geht Boos im Sommer segeln und im Winter Snowboard fahren. «Und gerne zieht es mich auch mal zu Konzerten regionaler Bands quer durch mein Südbaden.»