Nach den Schüssen auf einen Kioskbetreiber in Mannheim steht ein 27-Jähriger vor dem Landgericht Mannheim. Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft im Auftrag von unbekannten Personen im Oktober 2025 versucht haben, den 39-Jährigen zu töten. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord. Das Opfer berichtete vor Gericht von möglichen Verbindungen in die Türkei.
Beim Prozessauftakt machte der Angeklagte zunächst keine Angaben zur Tat und den Hintergründen. «Es erfolgt vorerst keine Einlassung», sagte sein Anwalt Akin Hizarci. Mit Hilfe einer Dolmetscherin teilte der Angeklagte im lila Hemd und blauer Hose lediglich mit, dass er in Bulgarien geboren worden und «religiös verheiratet» sei sowie keinen Beruf erlernt habe. Der Mann mit Vollbart, kurzen dunklen Haaren und Waffen-Tattoo am Hals verfolgte den Prozessauftakt, ohne größere Gefühle zu zeigen.
Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen blutige Tat
Der Angeklagte soll am Abend des 4. Oktober 2025 den an diesem Tag erst neu eröffneten Kiosk betreten und dann «vollkommen überraschend» auf den Betreiber geschossen haben: Auf Videos von Überwachungskameras auch aus dem Kiosk ist zu sehen, wie ein schlanker Mann in schwarzer Jacke, die Kapuze auf dem Kopf und mit weißen Turnschuhen den Kiosk betrat, die Hände in den Taschen. Laut Anklage grüßte er auf Arabisch mit «Salam Aleikum». Der Betreiber, der hinter der Theke saß und sich mit Bekannten unterhielt, antwortete demnach «Aleikum Salam» und stand auf.
Wie auf den Videos zu sehen ist, trat der Verdächtige an die Kassentheke, zog die rechte Hand mit der Waffe aus der Tasche, schoss zweimal auf das Opfer und rannte aus dem Kiosk raus. Der 39-Jährige wurde laut Anklage in der Brust und im Oberschenkel getroffen.
Opfer bricht nach Schüssen zusammen
Nach den Schüssen brach das Opfer zunächst hinter der Theke zusammen, wie auf den Aufnahmen zu sehen war. Danach hüpfte der Mann auf einem Bein noch bis zur Eingangstür, verlor dabei viel Blut und brach dort endgültig zusammen. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden, wie die Sicherheitsbehörden nach der Tat mitteilten. Der Täter flüchtete und wurde zunächst trotz umfangreicher Fahndungsmaßnahmen nicht gefasst.
Festnahme neun Tage nach der Tat in Berlin
Neun Tage danach nahm die Polizei in Berlin den damals noch 26-Jährigen in einer Grünanlage fest, wie der Richter ausführte. Das Amtsgericht Mannheim hatte zuvor bereits Haftbefehl erlassen. Der Angeklagte sitzt seither in Untersuchungshaft.
Der 27-Jährige war laut Gericht ohne festen Wohnsitz in Deutschland. Allerdings hat er demnach eine Lebensgefährtin, die in Berlin lebt und bei der er mutmaßlich zumindest zeitweise gewohnt haben soll. Bei der Durchsuchung der Einzimmerwohnung der Frau fanden Polizeibeamte demnach keine Tatwaffe.
Mann soll erst kurz vor Tat von Berlin nach Mannheim gereist sein
Laut Staatsanwaltschaft war der Mann erst kurz vor der Tat mit zwei nicht identifizierten Personen von Berlin nach Mannheim gereist. Zu diesen Personen und den Hinweisen auf eine Auftragstat machte die Anklage zunächst keine Angaben - auch nicht zu einem möglichen Motiv und etwaigen Verbindungen zwischen dem Angeklagten und dem Opfer. Dieser steht nach Angaben der Nebenklage bis heute unter Polizeischutz.
Das Opfer, der Kioskbesitzer, erschien zu seiner Zeugenaussage auf eine Krücke gestützt. «Ich kenne ihn in keinster Weise, auch hatte ich noch nie was mit ihm zu tun», übersetzte die Dolmetscherin des Mannes in Richtung des Angeklagten. Er sagte, er erkenne ihn nach der Tat im Oktober wieder.
Opfer berichtet von Schüssen auf einen Laden in der Türkei
Das Opfer sagte, er sei 2024 nach Deutschland gekommen und berichtete von früheren Schüssen auf einen Laden von ihm in der Türkei. Dort habe ein Mann über Bekannte eine Art Schutzgeld von ihm gefordert. Deswegen sei sein Laden in der Türkei beschossen worden. Das Opfer sagte zudem aus, derselbe Mann habe seiner Familie gegenüber die Verantwortung für die Tat in Mannheim übernommen. Er nannte auch einen Namen.
Das Opfer ist sechs Monate später noch von der Tat gezeichnet. Seinen rechten Arm kann er derzeit nur noch bis in Höhe des Bauches heben, wie er zeigt. «Es geht mir nicht gut», sagte er laut Übersetzerin. «Meine Kinder haben Angst.» Sie seien auf der Suche nach einem Psychologen für die ganze Familie.
Dem 27-jährigen Angeklagten droht im Falle einer Verurteilung wegen versuchten Mordes grundsätzlich eine lebenslange Freiheitsstrafe, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Versuchter Mord könne allerdings milder bestraft werden als die vollendete Tat - der Strafrahmen liege dabei zwischen 3 und 15 Jahren. Ein Urteil könnte Mitte Mai verkündet werden.
© dpa-infocom, dpa:260408-930-917014/4




