Als er ins Rathaus zog, zahlte man in Deutschland noch mit D-Mark und George W. Bush war neuer Präsident der USA: Seit 2001 ist Michael Lang Rathauschef in Wangen im Allgäu. Der 60-Jährige wurde im vergangenen Herbst für acht weitere Jahre wiedergewählt. Als «Marathonmann im Rathaus» startet er in seine vierte Amtszeit, die bis ins Jahr 2033 geht.
Der parteilose Jurist vergleicht sein Amt gern mit einem Dauerlauf. «Ich bin neunmal Marathon gelaufen. Eine Stadt zu führen ist ähnlich – man ist nie am Ziel, und manchmal ist es echt schwer. Aber man muss immer weiter», sagt er. Am 12. Januar geht es in die vierte Runde.
Dass er Anfang der 2000er überhaupt in Wangen mit heute mehr als 28.000 Einwohnern landete, sei eher Zufall gewesen. «Ich war beim Regierungspräsidium Tübingen, als mich jemand auf die offene Stelle hier ansprach», erinnert er sich. Zunächst habe er gezögert: «Warum sollten die mich wählen? Ich kannte niemanden.»
Die Chemie mit dem Gemeinderat und der Kleinstadt habe gestimmt. Sechs Monate später sei er am 14. Oktober zum Oberbürgermeister gewählt worden.
Ein OB mit 30 bis 40 Terminen pro Woche
Seitdem ist der Kalender voll. «Ich habe so pro Woche eigentlich über die ganzen Jahre hinweg zwischen 30 und 40 Termine», sagt Lang. Offiziell beginnt sein Tag morgens um neun – inoffiziell deutlich früher – und endet? «Wenn eben Schluss ist», sagt er.

Die Familie kenne es nicht anders. Wenn er gebraucht werde, sei er da – selbst als Möbelpacker beim Umzug der Tochter im Studentenwohnheim.
Dass ein Marathon Höhen und Tiefen hat, weiß Lang aus eigener Erfahrung. 2016 wird er beim Laufen im Wald von einem erschrockenen Hund in den Arm gebissen. Es folgt eine Tollwutimpfung – und danach massive Schlafstörungen. «Ich hatte zwischendurch echt die Sorge, ich muss meinen Beruf aufgeben», sagt er rückblickend. Ein Arzt habe ihm irgendwann geholfen.
«Was man von anderen erwartet, sollte man selber auch machen»
Lang versteht sich als Repräsentant und Behördenleiter von rund 600 Beschäftigten – zwei Jobs in einem. «Eigentlich wäre jeder dieser Bereiche für sich eine Vollzeitaufgabe», sagt er. Warum also noch einmal antreten, statt sich in den Ruhestand zu verabschieden?
Für Lang ist das auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. «Wir erwarten ja von unseren Beschäftigten, dass sie möglichst lange arbeiten und nicht so früh die Rente kassieren», sagt er. «Und selber sollte man sich da auch dran orientieren und nicht sagen: Ihr sollt bis 67, aber ich gehe mit 59, weil mir das zusteht.»
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