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Wegen Drogenhandel, gefährlicher Körperverletzung, schwerem Bandendiebstahl und Freiheitsberaubung stehen sieben mutmaßliche Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets in Heilbronn vor Gericht.
Wegen Drogenhandel, gefährlicher Körperverletzung, schwerem Bandendiebstahl und Freiheitsberaubung stehen sieben mutmaßliche Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets in Heilbronn vor Gericht. © Symbolbild: Seibel
12.02.2013

Sieben mutmaßliche Mitglieder der Black Jackets vor Gericht

Sieben mutmaßliche Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets müssen sich von heute an vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Den Angeklagten werden insgesamt 26 Taten zur Last gelegt, darunter Drogenhandel, gefährliche Körperverletzung, schwerer Bandendiebstahl und Freiheitsberaubung.

Die Gruppe ist laut Anklage von Juli 2011 bis Mai 2012 im Landkreis Heilbronn und im Raum Öhringen aktiv gewesen. In Pforzheim haben sich die Black Jackets zuvor schon selbst aufgelöst, nachdem es zu Verhaftungen kam.

Der „Präsident“ der mutmaßlichen Bande und sein „Vize-Präsident“ sollen laut Staatsanwaltschaft fast alle der Straftaten angewiesen haben. An deren Ausführung sollen sie aber oft nicht direkt beteiligt gewesen sein. Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf geht davon aus, dass die Bandenmäßigkeit im Prozess nicht nachgewiesen werden kann. Sie bezeichnete die Anklage als „teilweise grob fehlerhaft“. So habe sich ihr Mandant in den fraglichen Tatzeiträumen teilweise in stationärer Therapie oder in Haft befunden.

Das Gericht hat 17 Prozesstage geplant, 62 Zeugen sollen gehört werden. Darunter befindet sich auch ein Kronzeuge, der als Mitglied oder Unterstützer der Black Jackets Einblick in die Strukturen der Gruppe geben soll. Das Urteil wird nicht vor Ende Juni erwartet.

Welche Gefahr von Rockerbanden ausgeht, zeigen nach Ansicht von Minister Innenminister Reinhold Gall (SPD) die jüngsten Tötungsdelikte in Neu-Ulm und Esslingen um die Gruppen Rock Machine und Red Legion. Der Minister hält das Gefährdungspotenzial durch Rocker für hoch. Sie seien insbesondere in den Bereichen der Waffen- und Rauschgiftkriminalität sowie bei Erpressungen stark vertreten. Im Jahr 2011 gab es sieben Ermittlungsverfahren gegen Rocker wegen organisierter Kriminalität und acht Ermittlungsverfahren wegen Bandenkriminalität.

Im Südwesten beherrschen die vier klassischen Rockergruppen das Bild: Hells Angels, Bandidos, Gremium und Outlaws mit insgesamt rund 50 regionalen Abteilungen. Die Gesamtzahl dieser Motorrad-Rocker wird auf etwa 800 geschätzt. In Pforzheim jedoch wurde der lokale Verein der Hells Angels nach zwei Razzien verboten. Als Rocker mit Club-Kutte sind nur die Gremium-Mitglieder in der Region verblieben, denn Bandidos und Outlaws haben hier noch keine Rolle gespielt.

Daneben machen in Baden-Württemberg vermehrt rockerähnliche Gruppen von sich reden, die auch als Türstehervereinigungen bezeichnet werden. Die Zahl ihrer Mitglieder ist inzwischen ähnlich groß. Auffällig sind hier vor allem die Black Jackets und die United Tribuns mit knapp 40 Untergruppen, sogenannten Chaptern. Um die United Tribuns ist es nach einer Razzia in Pforzheim ebenfalls ruhig geworden. Diese Clique hatte sich mit den Hells Angels in der Goldstadt bekriegt, wobei es 2010 unter anderem zu einer Massenschlägerei auf dem Güterbahnhofareal kam, bei der ein Schuss fiel und ein Mann durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt wurde. dpa/tok