Die Hitze und Trockenheit in Baden-Württemberg hat auch in den botanischen Gärten deutliche Spuren hinterlassen. Überall kämpfen Gärtnerinnen und Gärtner um ihre Pflanzenbestände. Die Lage ist in vielen Gärten ernst, in manchen sogar dramatisch.
Kritisch ist die Lage im Botanischen Garten der Universität Freiburg. «Die Situation ist nicht nur angespannt, sie ist eigentlich schon katastrophal», sagte der Direktor des Gartens, Michael Scherer-Lorenzen. Vergangene Dürresommer würden in diesem Jahr sowohl bei der Länge der Trockenphase als auch bei der Hitzebelastung übertroffen. Bereiche rund um manche Bäume mussten für Besucher gesperrt werden, weil große Trockenastbrüche aufgetreten sind. Einige Bäume werden den Sommer nicht überleben. «Es sieht teils aus wie im Herbst.»
Pflanzen kämpfen ums Überleben
Auch im Botanischen Garten der Universität Ulm ist die Lage angespannt. «Man kann fast zuschauen, wie die Bäume vertrocknen», berichtete ein Gärtnermeister. Auf dem 28 Hektar großen Gelände sei eine flächendeckende Bewässerung schlicht nicht möglich. Die Folgen sind sichtbar: Obstbäume tragen weniger und kleinere Früchte, die vorzeitig abfallen. Laub- und Nadelgehölze zeigen vorzeitigen Laubfall und vermehrtes Totholz.
Besonders bitter: 240 junge Bäume, die im Rahmen eines Klimawandel-Experiments gepflanzt wurden, kämpfen ums Überleben – ausgerechnet jene Bäume, an denen Wissenschaftler eigentlich die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel erforschen sollen.
Im Botanischen Garten Tübingen verlieren Bäume ebenfalls teils ihre Blätter. Zwei Tränenkiefern aus der Himalayaregion mussten einer Sprecherin zufolge gefällt werden – wegen einer Pilzerkrankung, verschlimmert durch Trockenschäden. Besonders betroffen sei das Alpinum mit seltenen Gebirgspflanzen, die mit der extremen Trockenheit nicht umgehen können. Der Garten setze langfristig auf trockenheitsresistentere Arten wie mediterrane Pflanzen, Sukkulenten und frostfeste Kakteen.

In Stuttgart betreut die Wilhelma nicht nur den eigenen Park, sondern auch landeseigene Anlagen wie den Rosensteinpark und den Schlossgarten. Auch dort stehe der Baumbestand unter Beobachtung, sagte ein Sprecher. Besonders gefährdet seien Jungbäume aus den vergangenen drei Jahren, die regelmäßig gegossen werden müssen.
Trockenheit als Teil eines langfristigen Wandels
In Heilbronn fallen im Botanischen Obstgarten die Früchte vorzeitig von den Bäumen. Ohne regelmäßige Bewässerung der Staudenbeete würde es massive Ausfälle geben, teilte die Stadt mit. Obstbäume und Rasenflächen werden nicht bewässert – das sei finanziell und personell nicht zu bewältigen. Mulch soll helfen, die Verdunstung zu reduzieren.
Auf der Insel Mainau am Bodensee setzt man auf langfristige Anpassung. Ausgeprägte Trockenperioden würden dort nicht mehr als Ausnahme betrachtet, sondern als Teil eines dauerhaften klimatischen Wandels, hieß es. Der historische Gehölzbestand werde mit Tröpfchenbewässerung und automatisierten Systemen so gut wie möglich geschützt. Gleichzeitig erprobe man neue Arten und Pflanzkonzepte, die mit Wärme und Trockenheit besser zurechtkommen.
Was alle Gärten eint: Die Trockenheit zwingt zum Umdenken. Mehr Zisternen, wassersparende Bewässerungstechnik, klimaangepasste Pflanzenauswahl – botanische Gärten werden künftig wohl anders aussehen als heute. Die Mittel dafür fehlen vielerorts allerdings noch.
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