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Jeder muss sich auf jeden verlassen können. Bei SEK-Einsätzen drohen in der Regel Gefahren für Leib und Leben. © dpa
12.07.2016

So arbeitet das SEK: Aufgaben und Bewaffnung

Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei, wie sie am Montag in Stuttgart bei der Stürmung einer Anwaltskanzlei zum Einsatz kamen, sind Einheiten hoch qualifizierter Spezialisten für besonders gefährliche Situationen. Dazu gehören beispielsweise Geiselnahmen und Terrorismus. Die Spezialkräfte werden vor allem bei der Festnahme bewaffneter Straftäter eingesetzt. In Stuttgart konnten sie allerdings nur noch zwei Leichen vorfinden, wohl der Täter und sein Opfer.

In Baden-Württemberg etwa ist das Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen für diese Spezialeinheit zuständig. Die Kräfte haben eine spezielle Ausrüstung, sind besonders trainiert und sollen stark belastbar sein. Das hat seine Gründe, denn die unbekannten Einsatzorte bergen oft gefährliche Überraschungen, die Täter haben die unterschiedlichsten Motive und Waffen – nichts ist Routine und ein Fehler kann tödliche Folgen für den Beamten oder unschuldige Zivilisten haben.

Der Einsatzschwerpunkt

„Die meisten SEK-Einsätze finden jedoch in den Medien kaum Erwähnung“, ist auf der Webseite sek-einsatz.de zu lesen. Allein die nordrhein-westfälischen Spezialeinheiten seien 2012 in 884 Fällen zu Geiselnahmen, Entführungen, zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und zu Bedrohungen mit Waffen gerufen worden. „Nahezu jede Festnahme eines bewaffnet oder sehr gewalttätig eingestuften Straftäters wird von SEK-Beamten vorgenommen“, schreibt sek-einsatz.de. Besonders oft würden Spezialeinsatzkommandos auch zu sogenannten „Bedrohungslagen“ wie etwa eskalierende Familienstreitigkeiten hinzugezogen. Dabei handele es sich „um die wohl heikelsten SEK-Einsätze, da der Täter meist in einer sehr angespannten Emotionslage ist und so ziemlich unkalkulierbar in seiner Handlungsweise“ sei. Bei derartigen Einsätzen kämen meist mehr Personen zu Schaden, als bei Geiselnahmen.

„Hinzu kommen Einstätze wie Schutz von hochrangigen Staatsgästen, die Begleitung von besonders gefährlichen oder ausbruchsverdächtigen Inhaftierten bei Gefangenentransporten und Gerichtsprozessen, oder bei militanten Demonstrationen“, schreibt sel-einsatz.de.

Die Ausrüstung

Die Webseite listet auf, was zur SEK-Grundausstattung gehört.

  • - ballistische Schutzwesten und beschusshemende Schutzschilder,
  • Titanhelme mit ballistischem Visier und integrierten Kommunikations-System mit Aktiv-Gehörschutz und Hör-Sprechanlage
  • reißfester und Feuer abweisender Overall und Sturmhaube
  • Schlagstock PR- 24 / PR- 24 XTS
  • Pistolen (Glock 17, SIG Sauer P226 / P228 mit surefire Taschenlampe am Magazin) und je nach Einsatzlage Maschinenpistolen (H&K MP5SD, H&K MP5UMP, H&K MP7A1)
  • Sturmgewehre (SCAR MK17)
  • Präzisionsschützen spezielle Präzisionsgewähre (H&K PSG1)
  • Schrottflinten zur Abwehr von aggressiven Kampfhunden oder auch zum Öffnen von Türen
  • Pfefferspray, Atemschutzmasken
  • Irritationskörper (Blendgranaten)
  • spezielle Handschuhe und Einsatzuhren
  • Leatherman Multifunktionswerkzeug und Messer,
  • Rammbock zum Öffnen von Türen ca. 20Kg
  • SEK Sani – Sanitätsrucksack zur ersten Hilfe

Außerdem benutzen SEK-Kräfte zivile, meist stark motorisierte Einsatzfahrzeuge verschiedenster Fahrzeughersteller mit eingebautem Martinshorn sowie Magnetblaulichter. Weiterhin wurden von einigen der Einheiten auch Sonderwaffen angeschafft wie Präzisionsgewehre im übergroßen Kaliber .50 BMG, welche bei Einsatzlagen auf großen Freiflächen wie Flughäfen und Hafenanlagen aber auch auf Seen, bei Einsätzen im Hochgebirge und in Städten mit hohen Gebäuden wie Frankfurt am Main zum Einsatz kommen könnten. Um ihre Identität vor möglichen Racheakten zu schützen, tragen Beamte des SEK außerdem feuerfeste Sturmhauben.

Der Ursprung

Den Ausschlag für die Einrichtung der Spezialeinheiten gab der „Schwarze September“, das Attentat eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelische Olympiamannschaft in ihrem Quartier bei den Olympischen Spielen in München. Insbesondere der gescheiterte Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ließ erkennen, dass die deutsche Polizei nicht auf solche Ereignisse eingerichtet war. „Am 26. September 1972 war schließlich die Geburtsstunde der damals als Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) bezeichneten Spezialeinheit des Bundes sowie der Spezialeinsatzkommandos (SEK) und Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Bundesländer“, so sek-einsatz.de