Serap Güler
Güler sieht Anwerbeabkommen als Erfolgsgeschichte. (Archivbild)
Oliver Berg/dpa
Baden-Württemberg
Staatsministerin: Ohne Anwerbeabkommens wäre ich nicht hier

Die CDU-Politikerin Serap Güler sieht in dem vor 65 Jahren in Kraft getretenen Anwerbeabkommen für türkische Gastarbeiter eine Erfolgsgeschichte. «Das war eine gute Sache für beide Länder», sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt der «Augsburger Allgemeinen». «Wir haben ganz viele gelungene Geschichten: der Dönerbuden-Besitzer, Ärzte, Anwälte, Kassierer», betonte sie. «Aber ja, es gibt Ausgrenzung nach wie vor. Ich wünschte, wir wären da weiter», fügte sie hinzu.

«Ohne das Abkommen wäre ich nicht hier», betonte die 46-Jährige, die 1980 in Marl als Kind einer sogenannten Gastarbeiterfamilie geboren wurde. Ihr Vater sei im Rahmen dieses Vertrags in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen. Ende der 70er Jahre habe er ihre Mutter kennengelernt und sie mit hierher gebracht. «Das Abkommen hat meine ganze Geschichte, meine ganze Biografie geprägt. Für mich ist das also definitiv ein Grund zum Feiern», sagte Güler.

Zwiespältiger Blick auf Cem Özdemir

Dass es in Person mit Cem Özdemir in Baden-Württemberg nun einen deutschen Ministerpräsidenten mit türkischen Vorfahren gebe, sehe sie mit leicht geteilter Freude, sagte Güler. «Ich bin nicht nur Politikerin mit Migrationsgeschichte, sondern auch mit Parteibuch», betonte die CDU-Politikerin. Deshalb hätte sie ihrem Parteifreund Manuel Hagel den Sieg bei der Landtagswahl gewünscht. «Aber andersrum: Wenn Manuel Hagel gegen jemanden verlieren sollte, dann ist Cem auf jeden Fall okay», fügte sie hinzu. 

2,6 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte

Das Abkommen trat am 30. Oktober 1961 in Kraft. Ziel war es, den Arbeitskräftemangel während des wirtschaftlichen Aufschwungs Anfang der 1950er Jahre zu beseitigen. 1973 wurde vor dem Hintergrund der Ölpreiskrise ein Anwerbestopp erlassen.

Rund 2,6 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte lebten im Jahr 2025 in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt aus Anlass des Jubiläums mitteilte. Davon waren rund 1,5 Millionen selbst eingewandert, 1,2 Millionen sind in Deutschland geboren. Knapp die Hälfte der Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte besaß 2025 - auch oder ausschließlich - die deutsche Staatsangehörigkeit.

© dpa-infocom, dpa:261030-930-915648/1

VG WORT Zählmarke