Demonstrationen "Gen Z regelt" - Stuttgart
Die Polizei ist im Einsatz.
Bernd Weißbrod/dpa
Demonstrationen "Gen Z regelt" - Mannheim
In Mannheim demonstrierten etwa 2.000 Menschen.
Rene Priebe/dpa
Baden-Württemberg
Straftaten in Stuttgart bei Jugendprotesten im Südwesten

Überschattet von teils gravierenden Störungen in Stuttgart haben Tausende junge Menschen in Baden-Württemberg weitgehend friedlich protestiert. Weil Demonstranten in der Landeshauptstadt unter anderem von der offiziellen Route abwichen, sich vermummten und Pyrotechnik zündeten, stoppte die Polizei den Aufzug nach eigenen Angaben mehrmals. «Die Versammlungsleitung hat eine Kooperation verweigert», teilte das Stuttgarter Präsidium mit.

Fünf Polizisten seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei am späten Abend mit. Insgesamt wurden rund 50 Straftaten verzeichnet, mehrere Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden. Nach dem Ende der Versammlung sei es vereinzelt weiter zu Auseinandersetzungen und Angriffen auf Beamte gekommen. Auch in Karlsruhe wurde nach Polizeiangaben einmal Pyrotechnik von Teilnehmern gezündet, wodurch ein Polizist ein Knalltrauma erlitten habe.

Pyrotechnik und Graffiti in Stuttgart

Rund 6.000 Menschen waren nach Polizeiangaben vom späten Abend in der Landeshauptstadt unterwegs, die Veranstalter sprachen von rund 12.000 Teilnehmern. Noch vor Beginn des Aufzugs seien Rauchtöpfe gezündet worden und Böller seien zu hören gewesen, teilte die Polizei mit. Während der Demo sollen einzelne Teilnehmer sich immer wieder in unterschiedliche Richtungen entfernt haben. 

Auch soll nach Angaben der Polizei Pyrotechnik gegen Einsatzkräfte eingesetzt worden sein. «Das wird nicht geduldet und die Verantwortlichen erwarten Konsequenzen», hieß es dazu. Vereinzelt habe es Sachbeschädigungen wie Graffiti und brennende Mülleimer gegeben. Tage zuvor war die Demonstration wegen Sorge der Einzelhändler aus der engeren Innenstadt verlegt worden. Die befürchteten großen Ausschreitungen blieben nach Angaben von Stadt und Polizei aber aus. 

Demonstrationen "Gen Z regelt" - Karlsruhe
In Karlsruhe musste die Polizei nach Ende der Kundgebung eine Gruppe von etwa 800 Menschen auflösen.
Uli Deck/dpa

Friedliche Demonstrationen in weiteren Städten

In anderen Städten verliefen die Demonstrationen deutlich friedlicher. Die Polizei in Freiburg zählte etwa 3.500 Teilnehmer. Es habe keine nennenswerten Störungen gegeben. Auch in Mannheim zogen die Beamten eine positive Bilanz. Dort waren Schätzungen zufolge etwa 2.000 Menschen auf der Straße. Weitere Demonstrationen gab es in Ulm mit laut Polizei rund 800 Teilnehmern und in Lörrach. 

In Karlsruhe bildete sich nach der Abschlusskundgebung nach Polizeiangaben ein spontaner Aufzug von 800 Menschen. Die Beamten verhinderten kurz darauf eine Sitzblockade, bei der sich einzelne Teilnehmer am Boden hätten festkleben wollen. Ein Teilnehmer sei zudem auf ein Lautsprecherfahrzeug der Polizei geklettert. 

Nachdem die Demonstranten trotz mehrfacher Aufforderung nicht gegangen seien, hätten die Beamten die Ansammlung mit Hilfe von Polizeipferden aufgelöst. Insgesamt sei die Veranstaltung aus Polizeisicht aber friedlich verlaufen. In der Spitze seien es hier etwa 2.300 Teilnehmer gewesen.

Demonstrationen „Gen Z regelt“ – Freiburg
In Freiburg verläuft der Protest weitgehend friedlich.
Philipp von Ditfurth/dpa

Aufgerufen zu den bundesweiten Protesten hatte die Initiative «Gen Z regelt». Gen Z ist dabei eine Abkürzung für Generation Z. Die umfasst je nach Definition junge Erwachsene, die zwischen Ende der 1990er und den frühen 2010er Jahren geboren wurden.

Nicht nur junge Menschen auf der Straße

Dem Aufruf zufolge sollten sich die Proteste unter anderem für ein bezahlbares Leben und Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen stark machen. Lasten sollten gerecht verteilt werden, statt bei der jungen Generation zu sparen. Zu den Forderungen zählten darüber hinaus konsequenterer Klimaschutz und ein Nein zur Einführung einer Wehrpflicht.

Auf den Demonstrationen wurden dann immer wieder auch Parolen pro Palästina und für internationale Solidarität gerufen. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer richteten ihre Kritik pauschal gegen Staat und Polizei.

Auf Bildern und Videos war zu sehen, dass auch ältere Menschen an den Versammlungen teilnahmen. Die Initiative hatte zuvor auf ihrer Webseite ermutigt, dass Menschen unabhängig von ihrem Alter teilnehmen sollten. «Unsere Zukunft geht alle etwas an», hieß es dort.

Demonstrationen „Gen Z regelt“ – Ulm
Teilnehmerinnen sind mit Plakaten gekommen.
Stefan Puchner/dpa

Sorge vor Ausschreitungen nach Geschehnissen in Frankreich

Nach den ausufernden Protesten im benachbarten Frankreich hatten Ladenbesitzer und Politiker die Sorge, dass es auch hierzulande zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen könnte. Am Freitag hatten einige Geschäfte ihre Schaufenster daher mit Holzplatten verbarrikadiert. 

Innenminister Manuel Hagel (CDU) warnte, die Proteste könnten von Extremisten unterwandert werden. Er kündigte an, die Polizei werde bei Ausschreitungen eingreifen - und friedlichen Protest schützen.

Die Initiative «Gen Z regelt» hatte zu friedlichen Protesten aufgerufen und sich von Gewalt distanziert. Auch der Landesschüler- und der Landesjugendbeirat Baden-Württemberg sprachen sich für friedliche Proteste aus.

© dpa-infocom, dpa:261031-930-921455/6

VG WORT Zählmarke