Schon heute ist es in einigen Regionen in Baden-Württemberg schwierig, einen Hausarzt zu bekommen - bis 2040 wird sich die Situation einer Studie der Krankenkasse Barmer zufolge vor allem im ländlichen Raum noch massiv verschärfen. Demnach dürften etwa die Bereiche Bad Säckingen, Rottweil, Sigmaringen und Waldshut-Tiengen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in 14 Jahren unterversorgt sein, wenn nicht gegengesteuert wird.
Die Studie, die ein Forschungsinstitut der Krankenkasse gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung durchführte, kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2040 etwa ein Fünftel der Bevölkerung in Baden-Württemberg (22 Prozent) unterversorgt sein dürfte. Besonders stark betroffen seien ländliche Regionen und mittlere Städte, sagte Danny Wende vom Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung.
Das sind die Gründe
Gründe für die schlechtere Versorgung sind laut Barmer, dass der Bedarf an Hausärzten steige, zugleich aber immer mehr Ärzte in Rente gingen. Zudem reduziere sich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in den Praxen, weil junge Ärzte häufig nicht mehr bereit seien, so viele Stunden zu arbeiten wie ihre Vorgänger.
Die Forscher sehen aber auch gute Möglichkeiten, der Entwicklung gegenzusteuern. Dafür müssten laut Barmer bis 2040 in Baden-Württemberg rund 175 junge Hausärztinnen und Hausärzte gezielt in die besonders betroffenen Regionen gelockt werden. «Das halten wir für durchaus machbar und realistisch», sagte Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Krankenkasse in Baden-Württemberg.
Landarztquote soll gegensteuern
Seit 2021 gibt es im Südwesten auch die sogenannte Landarztquote. Dabei werden jährlich 75 Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Im Koalitionsvertrag hat die grün-schwarze Landesregierung außerdem vereinbart, diese Quote auch auf Kinderärzte ausweiten zu wollen.
Für die Studie werteten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben Befragungen von Hausärzten und Daten des Bundesarztregisters aus und ergänzten diese um demografische und arbeitsmarktbezogene Aspekte.
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