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Der Landtag Mitte 2013 vor Beginn der Sanierung. Von der Decke hängen Lampen.  Foto: dpa
Der Landtag Mitte 2013 vor Beginn der Sanierung. Von der Decke hängen Lampen. Foto: dpa
Tageslichtdurchflutet präsentiert sich der Plenarsaal des baden-württembergischen Landtags nach der Generalüberholung. Foto: Murat/Dpa-Archiv
Tageslichtdurchflutet präsentiert sich der Plenarsaal des baden-württembergischen Landtags nach der Generalüberholung. Foto: Murat/Dpa-Archiv
10.05.2016

Stuttgarter Landtag in neuem Gewand

Es riecht nach Holz und Putzmittel im grundsanierten Gebäude des Landtags Baden-Württemberg. „Bis zur letzten Stunde wird gearbeitet werden im Gebäude“, sagte Projektleiter Franz Sandner von der Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Am Mittwoch kehrt der Landtag aus dem Exil zurück und tagt wieder an alter Stelle. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit und investierten 52 Millionen Euro sieht im Gebäude vieles so aus wie früher. „Das ist auch gut so“, sagte Sandner. Denn selbst die Türschilder unterliegen dem Denkmalschutz und wurden wieder angeschraubt.

Ziel der Sanierung: Das Berliner Architekturbüro Staab hat die Sanierung geplant, mit der das 1961 eingeweihte Landtagsgebäude dem Stand der Technik angepasst werden sollte. Etwa beim Brandschutz, der Barrierefreiheit, der Haustechnik und Energieeffizienz wurde modernisiert.

Beleuchtung: Der Plenarsaal ist der einzige Gebäudeteil mit runderneuerter Optik. Riesige Glasscheiben in den Wänden geben den Blick auf den umliegenden Park frei. Im Dach befinden sich zwölf runde Öffnungen. „Wenn Sie durchblicken, können Sie den Himmel sehen“, sagt Projektleiter Sandner. 36 Öffnungen lassen Licht durch die milchige Kunststoffverkleidung der Decke. Reicht das Tageslicht nicht mehr aus, schalten sich LED-Leuchten ein.

Holzvertäfelung: Die Holzvertäfelung, die das Bild des Plenarsaals über Jahrzehnte prägte, gibt es in modernem Gewand weiterhin. Schmale Querbretter mit Eichenfurnier machen den Raum heller. Das Holz stammt nach Angaben des Projektleiters von der Spessarteiche – die Bäume seien mindestens 200 Jahre alt gewesen. In den übrigen Teilen des Gebäudes wurde das alte Eichenfurnier restauriert. Das bronzene Wappen, für das 1961 Blitzableiter des Freiburger Münsters recycelt wurden, ziert weiterhin die Wand hinter dem Rednerpult.

Teppich: Unter einer seit 1961 im Gebäude stehenden Statue wurde bei der Renovierung ein Rest des Originalteppichbodens gefunden. Diesem wurde nun ein neuer Teppich nachempfunden, dessen Muster an hellmelierten Marmor erinnert und künftig die Schritte der Abgeordneten dämpft.

Sitzplätze: Die gewählten Volksvertreter sitzen auf Sesseln aus dunkelbraunem Leder. Die Tische aus Eichenfurnier sind auf der Arbeitsplatte mit beigem Leder bezogen. Besucher und Journalisten dürfen auf der Empore auf grauen Polstersitzen Platz nehmen.

Technik: Die sogenannte Gebäudetechnik wird derzeit programmiert. Jeder Lichtschalter, jede Jalousie wird über ein Computerprogramm gesteuert. Ein vorgesehener viermonatiger Testlauf der Technik muss aufgrund des engen Zeitplans ausfallen, wie der Projektleiter sagte. Die Sicherheit sei dadurch aber nicht beeinträchtigt.

Lüftung: Im Plenarsaal strömt die frische Luft aus kleinen Löchern in den Fronten der Abgeordnetenpulte. Sandner hofft, dass der Saal den Beinamen „Kopfwehkäfig“, den ihm ein Abgeordneter einst gegeben haben soll, verliert. In Büros, Fluren und Foyer strömt temperierte Luft durch winzige Löcher in den Deckenplatten.

Brandschutz: Die Sicherheit im Gebäude war mieser als gedacht, wie sich bei den Bauarbeiten herausgestellt hat. „Jetzt ist von der Sicherheit her alles eingebaut worden, was es überhaupt gibt“, betont Projektleiter Sandner. Dazugehört zum Beispiel ein akustischer Feueralarm und eine Nebelanlage, die bei Hitzeentwicklung aus der Decke sprüht.