Taxifahrer Muhammad A.
Taxifahrer Muhammad A. steht mit seinem Taxi an der Stelle in Mannheim, an der er mit seinem Auto den Amokfahrer stoppte. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa
Baden-Württemberg
Taxifahrer als Held: «Diese Wertschätzung bedeutet mir viel»

Muhammad A. ist ein zurückhaltender Mensch. Der Taxifahrer spricht leise und lächelt oft schüchtern. Doch am Rosenmontag 2025 reagiert er schnell - und beweist Mut: Er wartet damals in seinem Taxi am Taxistand in der Mannheimer Fußgängerzone. Als er plötzlich im Rückspiegel sieht, wie ein Autofahrer Menschen umfährt, schert er aus der Reihe aus, hupt, warnt Passanten und fährt dem Auto hinterher.

In einer Sackgasse stoppt Muhammad A. sein Taxi hinter dem Auto des Amokfahrers und verhindert damit dessen Weiterfahrt. Er beendet am 3. März 2025 ein Verbrechen, bei dem zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt werden. Für sein beherztes Eingreifen verleiht ihm Innenminister Manuel Hagel (CDU) nun die Rettungsmedaille des Landes Baden-Württemberg. 

Taxifahrer A.: Medaille zeigt, dass Zivilcourage anerkannt wird

A. habe «hier größten Mut bewiesen und mit seinem selbstlosen Einsatz ein noch größeres Blutbad verhindert», sagte Hagel im Vorfeld der Ehrung. «Er hat sich selbst in Gefahr gebracht, um andere zu retten.» Als Zeichen der Anerkennung und des Dankes werde er deshalb mit der Rettungsmedaille ausgezeichnet.

«Die Medaille bedeutet mir sehr viel, weil sie zeigt, dass Zivilcourage anerkannt wird - unabhängig davon, welche Herkunft oder Religion ein Mensch hat», teilte A., der gläubiger Muslim ist, vor der Verleihung mit. «Im Heiligen Koran wird uns gelehrt, dass derjenige, der ein Menschenleben rettet, so handelt, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet.»

Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hatte A. nach eigenen Angaben für die Rettungsmedaille vorgeschlagen und spricht von einer «vorbildlichen und mutigen Tat». «Muhammad A. hat unglaublich geistesgegenwärtig gehandelt, als er dem Todesfahrer mit seinem Taxi gefolgt ist und ihn in einer Sackgasse gestoppt hat», sagte Specht vor der Verleihung.

Amokfahrer schoss mit Schreckschusswaffe

Die Rettungsmedaille kann nach Angaben des Innenministeriums an Menschen verliehen werden, die unter besonders schwierigen, mit Gefahr für das eigene Leben verbundenen Umständen andere aus Lebensgefahr gerettet haben. Nachdem A. den Täter gestoppt hatte, schoss dieser mit einer Schreckschusswaffe gegen die beschädigte Windschutzscheibe, um A. einzuschüchtern. Anschließend flüchtete er. 

Taxifahrer Muhammad A.
Der gebürtige Pakistaner will kein Held sein, wie er selbst sagt. (Archivbild)
Uwe Anspach/dpa

Kurz darauf fasste die Polizei den Mann. Der damals 40-jährige Deutsche aus Rheinland-Pfalz wurde Ende des vergangenen Jahres unter anderem wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht ordnete die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Kurz vor dem ersten Jahrestag im März erzählte Muhammad A. von dem Tag der Tat. «Ich bin kein Held, ich kann nicht Held sein», sagte er in einem Gespräch in der Moschee seiner muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde. «Ich bin Muslim und meine Religion sagt: Es gibt keine Helden, alle Muslime sind gleich.» Die Religion gebe ihm Kraft. Wenn er gebetet habe, fühle er sich wie neugeboren.

Weitere Ermittlungen nach der Todesfahrt von Mannheim
Kurz nach der Tat dankte Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) Muhammad A. für seine Tat. (Archivbild)
Uli Deck/dpa

A. lebt seit 19 Jahren in Deutschland und hat seit sieben Jahren ein eigenes Taxiunternehmen in Mannheim, wie er damals in gebrochenem Deutsch erzählte. Die Erinnerungen an die Tat belasteten ihn, sagte er. Erst zwei Monate nach der Tat sei er wieder in die Arbeit eingestiegen, zunächst nicht in Vollzeit. Später habe er eine Therapie begonnen. Er sei einfach nicht mehr so belastbar wie vor der Tat, sagte er.

Nun erzählt A., es gehe ihm so weit gut. «Ich führe wieder ein weitgehend normales Leben.» Die Erinnerungen an den Tag der Amokfahrt seien natürlich immer noch da. Auch die Ehrung erinnere ihn wieder an diesen schrecklichen Tag. «Deshalb empfinde ich nicht nur Stolz, sondern denke vor allem an das, was damals geschehen ist.»

Beruflich sei es derzeit nicht einfach, weil auch in der Taxibranche die Umsätze zurückgingen. Das spüre er deutlich in seinem Unternehmen. Der gebürtige Pakistaner ist verheiratet und hat vier Kinder.

«Meine Familie hat mir sehr geholfen»

Es wird noch länger dauern, bis der 48-Jährige das Geschehen vom Rosenmontag 2025 verarbeitet haben wird. Dabei hätten ihn im vergangenen Jahr unter anderem seine Gemeinde und seine Familie unterstützt, sagte er im Frühjahr. «Meine Familie hat mir sehr geholfen.» Wenn seine Kinder ihm sagten, sie seien stolz auf ihn und ihr Lehrer finde, dass er alles richtig gemacht habe, motiviere ihn das.

Der Generalsekretär der Gemeinde, Daud Nasir, sagt über A.: «Ich kenne ihn als eine sehr bescheidene Person, die sehr hilfsbereit ist, bei Veranstaltungen mithilft.» Er dränge sich nie nach vorn. Die Reaktion von A. auf die Amokfahrt habe ihn berührt. «Das hat mich auch so ein bisschen mit Stolz erfüllt», sagte Nasir vor dem Jahrestag, «dass eine Person, die Mitglied der Gemeinde ist, tatsächlich auch den Glauben so gelebt hat.»

A. zeigt sich berührt von der Auszeichnung durch den Innenminister. «Die Rettungsmedaille ist für mich eine große Ehre», teilte er zuvor mit. «Sie zeigt mir, dass mein Handeln gesehen und anerkannt wird, und diese Wertschätzung bedeutet mir und meiner Familie sehr viel.»

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