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Härtere Maßnahmen sollen das Jugendgefängnis Adelsheim sicherer machen. Nach einer Massenschlägerei gibt es nun statt Hofgang auf der Wiese vergitterte Höfe.
Härtere Maßnahmen sollen das Jugendgefängnis Adelsheim sicherer machen. Nach einer Massenschlägerei gibt es nun statt Hofgang auf der Wiese vergitterte Höfe. © dpa
17.11.2014

Vergitterte Höfe für mehr Sicherheit im Jugendknast

Die Sanktionen im Jugendgefängnis Adelsheim erinnern an US-Filme: Hofgänge der Insassen in eingezäunten Bereichen, mit Kameras und extra Beleuchtung. Nach einer Massenschlägerei im August setzt die Justizvollzugsanstalt (JVA) im Neckar-Odenwald-Kreis auf vergitterte Bereiche, um die Insassen auf dem Hof voneinander zu trennen und die Strafvollzugsbeamten zu schützen. «Man muss die Arbeit der Bediensteten im Blick behalten, dass diese sicher und gut ihren Dienst tun können», sagte die Sprecherin des Justizministers der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Stuttgart. Ein Tübinger Kriminologie-Professor kritisiert die Änderungen.

Auf dem weitläufigen Gelände zwischen den verschiedenen Häusern des Gefängnisses sollen dafür bis zum kommenden Jahr insgesamt drei nach oben offene vergitterte Bereiche entstehe, die an Käfige erinnern. Bisher konnten sich die JVA-Insassen beim Hofgang auf dem großen Areal innerhalb der Gefängnismauern frei bewegen. Im August war es dabei zu einer Massenschlägerei mit rund 50 Häftlingen gekommen. Bei dem Vorfall wurden auch sechs Strafvollzugsbeamte schwer verletzt.

Wie die Anstalt mitteilte, können die rund 150 Gefangenen des Regelvollzugs bereits seit September nicht mehr gemeinsam auf den Hof gehen. Stattdessen haben die Bediensteten die Insassen in sechs Gruppen aufgeteilt, die auf drei Plätzen in zwei Schichten nach draußen gehen. Ein Bereich des Geländes ist bereits mit rund drei Meter hohen Metallgittern eingezäunt. Ein zweiter Hof wird zurzeit vergittert, ein dritter soll 2015 folgen. Für alle drei Höfe belaufen sich die Kosten laut Finanzministerium auf rund 120 000 Euro.

Der Tübinger Kriminologie-Professor Jörg Kinzig plädierte für kleinere Jugendhaftanstalten. «Offensichtlich versucht man durch technische und organisatorische Vorkehrungen das zu erreichen, was möglicherweise auch durch mehr Personal gewährleistet werden könnte: eine Erhöhung der Sicherheit.» Dadurch werde ein Stück Liberalität im Strafvollzug aufgegeben. Als zentrale Jugend-JVA für Baden-Württemberg sei Adelsheim aber schon grundsätzlich «aufgrund ihrer schieren Größe problematisch». Adelsheim ist mit Abstand das größte Jugendgefängnis im Südwesten. Dort sitzen 298 junge Straftäter ein. Nur rund die Hälfte davon sind von den neuen Sicherheitsmaßnahmen betroffen. Der Rest sind etwa Untersuchungshäftlinge oder Gefangene im gelockerten Vollzug.

Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) verteidigte die Änderungen und wies die Kritik zurück: «Wir wollen einen modernen Jugendstrafvollzug mit guten Resozialisierungsperspektiven. Dieser macht sich nicht an der Ausgestaltung der Hofgänge fest.» Vielmehr gehe es um den Umgang mit den Gefangenen, die Betreuung und Behandlung.

Anstaltsleiterin Katja Fritsche betonte, dass es neben dem Ausgang in den vergitterten Höfen auch weiterhin den offenen Hofgang auf der Wiese gebe - nur eben in kleineren, übersichtlicheren Gruppen. Um das zu gewährleisten, müssen die Beamten zurzeit Überstunden machen. Nach wie vor seien zwei Beamtinnen wegen des Vorfalls im August krankgeschrieben. Mehr Personal fordern will Fritsche trotzdem nicht.